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Lawinenunglück 1994: Bergbahndirektor verurteilt, weil Piste nicht abgesperrt war

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 20.02.2019 Erich Aschwanden
Bergbahnen müssen in jedem Fall sicherstellen, dass Pisten rechtzeitig abgesperrt werden. (Bild: Anthony Anex / Keystone) © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung AG Bergbahnen müssen in jedem Fall sicherstellen, dass Pisten rechtzeitig abgesperrt werden. (Bild: Anthony Anex / Keystone)

1994 ereignete sich im Skigebiet Rothorn (VS) ein Lawinenunglück mit verblüffenden Parallelen zum Niedergang in Crans-Montana. Die Gerichtsprozesse zeigen, wie wichtig ein ausreichendes Sicherheitsdispositiv ist.

Bei der rechtlichen Aufarbeitung des Lawinenunglücks in Crans-Montana wird die Frage eine wichtige Rolle spielen, warum die betroffene Skipiste nicht abgesperrt war. Falls dies nicht der Fall war, wird sich die Frage der Verantwortlichkeit stellen. Noch ist es zu früh, um in dieser Hinsicht Aussagen zu machen. Aus einem Prozess, der schliesslich vor Bundesgericht endete, lässt sich jedoch erkennen, dass die Anforderungen an die Verantwortlichen in dieser Hinsicht hoch sind.

Lawinenniedergang am frühen Nachmittag

Am 18. April 1994, gegen 14.35 Uhr, also praktisch zur selben Tageszeit wie am vergangenen Dienstag in Crans-Montana, löste sich im Skigebiet Rothorn (VS) in der Nähe von Zermatt in der Südwestflanke des Oberrothorn eine Spontanlawine. Die Lawine verschüttete die zu diesem Zeitpunkt geöffnete Skipiste. Eine Person konnte nur noch tot aus den Schneemassen geborgen werden.

Der Direktor der Rothornbahn AG wurde angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, er hätte die von der Lawine verschüttete Piste nicht freigeben dürfen. Der Bergbahndirektor war zum Zeitpunkt des Lawinenniedergangs nicht vor Ort, sondern lag im Spital. Trotzdem wurde in seiner Funktion als Hauptverantwortlicher für den Pistendienst in erster und zweiter Instanz wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs verurteilt. Das Bundesgericht wies die dagegen erhobene Nichtigkeitsbeschwerde ab.

Der verantwortliche Pistenchef hatte am Morgen des Unglücks seine Arbeit nach einer Woche Ferienabwesenheit wieder aufgenommen. Er war es, der am Tag des Unfalls die Lage beurteilte und die Piste öffnen liess. Das Bezirksgericht verurteilte den Mann wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs. Das Kreisgericht Oberwallis für den Bezirk Visp hingegen sprach den Pistenchef frei.

Mangelhafter Sicherheitsdienst

Der Freispruch wurde von den Richtern damit begründet, dass am Morgen des Unfalles aufgrund der mangelnden Organisation über die Verantwortlichkeitsregelung für die Pistensicherung keine eigentliche Übergabe der Verantwortung an den Pistenchef stattgefunden habe. Deshalb könne dem Pistenchef nicht vorgeworfen werden, die Piste am Unglückstag geöffnet zu haben.

Dem Direktor der Rothornbahn wurde vorgeworfen, er habe es unterlassen, eine klare und straffe Organisation des Sicherheitsdienstes aufzuziehen. Für den Fall der Abwesenheit des Direktors und des Pistenchefs waren weder in Bezug auf die Zuständigkeit der Pistensicherung eine Regelung vorhanden noch ein Stellvertreter bestimmt.

Das Bundesgericht begründete die Verurteilung damit, dass ein Unternehmen wie die Rothornbahn sei verpflichtet, alle Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, die ein Unglück wie jenes vom April 1994 verhindern. Dazu gehöre insbesondere die Pflicht, ein ausreichendes Sicherheitsdispositiv aufzustellen. Dieses müsse die Person bestimmen, die für die Sicherheit der Piste zuständig und verantwortlich sei, sowie einen Stellvertreter bei Abwesenheit der primär Verantwortlichen. Zu einem ausreichenden Dispositiv gehöre weiter, dass die für die Entscheidung notwendigen Informationen laufend aufgezeichnet, gesammelt und soweit nötig ausgewertet und weitergegeben würden.

Es sei unhaltbar, wenn eine für die Sicherheit verantwortliche Person nach mehrtägiger Abwesenheit nicht über alle zur Einschätzung der Gefahrensituation notwendigen Umstände informiert werde. Ausserdem müsse klar geregelt sein, dass Skipisten nur geöffnet werden dürften, wenn ihre Sicherheit hinreichend abgeklärt werden könne und auch abgeklärt worden sei. Der Pistenchef hätte am Unglückstag die Piste nicht geöffnet, wenn ihm die während seiner Abwesenheit angefallenen Informationen mitgeteilt worden wären.

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