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Was der Brexit für Reisende bedeutet

SZ.de-Logo SZ.de 20.03.2017
Die Tower Bridge in London: Jedes Jahr kommen Tausende Touristen nach Großbritannien, ein Brexit hat auch auf das Reisen Auswirkungen. © AP Die Tower Bridge in London: Jedes Jahr kommen Tausende Touristen nach Großbritannien, ein Brexit hat auch auf das Reisen Auswirkungen.

Mit dem Abschied der Briten von der EU ändert sich einiges für Touristen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Der Brexit kommt - am 29. März will Theresa May den Antrag zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU abgeben. So abstrakt die Folgen politisch wie ökonomisch sein können, beim Urlaub werden die Auswirkungen konkret. Schließlich gehört die Reisefreiheit zu jenen Errungenschaften, die jeder EU-Bürger am eigenen Leib erleben kann - wenn er innerhalb der Union ins Ausland reist. Was der Brexit für den Tourismus im Einzelnen bedeuten könnte:

Ab wann würden Änderungen in Kraft treten?

Wer für die kommenden Wochen und Monate eine Reise ins Vereinigte Königreich geplant hat, muss sich auf keinerlei Einschränkungen einstellen. Nach dem Vertrag von Lissabon gilt eine Kündigungsfrist von zwei Jahren. Der Austritt der Briten würde folglich frühestens im Frühjahr 2019 vollzogen (wie der lange Prozess ablaufen könnte, lesen Sie hier).

Welchen Effekt haben Währungsschwankungen?

Der Wechselkurs hat dagegen sofortige Auswirkungen für Urlauber. Das knappe Brexit-Votum der Briten führte bereits zu einer deutlichen Abwertung des Britischen Pfunds. Reisende aus Euro-Ländern machen also derzeit günstiger im Vereinigten Königreich Urlaub als vor der Abstimmung. Allerdings sind in den vergangenen Monaten auch die Preise beispielsweise für Lebensmittel gestiegen.

Gleichzeitig wird für die Briten Urlaub im EU-Ausland teurer. Was mittel- und langfristig nicht ohne Folgen für viele Urlaubsregionen bleiben dürfte. Machen die Briten doch bislang zum Beispiel auf den Balearen, in der Toskana oder der Provence einen großen Teil der Gäste aus. Hoteliers und Reiseanbieter müssten sich auf finanzielle Einbußen vorbereiten. Sie könnten als Reaktion ihre Preise senken.

Brauchen Reisende nach dem EU-Austritt ein Visum für Großbritannien?

Zwar gelten nach dem formellen Austritt die "Europäischen Grundfreiheiten" nicht mehr und damit auch das Recht jedes EU-Bürgers, nach Großbritannien zu reisen, dort zu leben und zu arbeiten. Dass eine allgemeine Visums-Pflicht eingeführt wird, ist trotzdem sehr unwahrscheinlich. Zu groß wären die bürokratischen Hürden, zu negativ die Auswirkungen auf den Tourismus.

Grenzkontrollen gibt es übrigens auch bislang schon, denn Großbritannien gehört nicht zum Schengen-Raum.

Werden Flüge nach Großbritannien teurer?

Alle Fluglinien mit Sitz in der EU dürfen in jedes andere EU-Land fliegen - deshalb sitzt zum Beispiel Norwegian Air auch in Irland. Verlassen die Briten die EU, müssen diese Regelungen neu verhandelt werden.

Ein entscheidender Punkt für Passagiere: In der EU gibt es besonders weitreichende Fluggastrechte, die zum Beispiel bei Verspätung oder Flugausfall die Entschädigung regeln. Diese gelten bei Abflug von Flughäfen innerhalb der EU oder bei Ankünften mit einer Airline aus der EU sowie aus Island, Norwegen oder der Schweiz in einem EU-Land. Nach dem Brexit müsste bei einem Großbritannienflug also zumindest noch eines dieser Kriterien erfüllt sein, damit die Passagiere diese Rechte geltend machen können.

Was ist mit Roaminggebühren?

Wie bei Fluggastrechten hat sich die Europäische Union auch in Sachen Mobilfunk für Verbraucher eingesetzt: Die zuvor oft überteuerten Roaminggebühren wurden schrittweise gesenkt, seitdem telefonieren und surfen Urlauber im EU-Ausland deutlich günstiger. Im Sommer 2017 werden die Roaminggebühren ganz abgeschafft. Dann darf das Telefonieren und Surfen im EU-Ausland nur noch genauso viel kosten wie im Inland. Nach dem Brexit ist nicht sicher, dass derart sorgloses Telefonieren auch auf der Insel möglich bleibt. Denkbar wäre es allerdings - bereits jetzt sind in Europa-Tarifen mancher Anbieter auch Nicht-EU-Staaten wie die Schweiz oder Norwegen enthalten.

Wer sorgt künftig für saubere Strände?

Ähnlich ist es bei der Sorge um die Sauberkeit an Großbritanniens Stränden. Die EU hat detailliert geregelt, wie europäische Küsten in Schuss gehalten werden müssen. Kurtaxe und Müllsammeln dürften für die Briten nach einem so gravierenden Schritt wie dem EU-Austritt nicht ganz oben auf der To-do-Liste stehen. Trotzdem: Angst vor Horrorszenarien sind auch hier nicht angebracht, schließlich weiß man in Großbritannien: Sind die Strände schmutzig, bleiben in- wie ausländische Gäste weg.

Was machen Briten, die im EU-Ausland leben?

Nicht nur viele deutsche Ruheständler genießen ihre Rente lieber im sonnigen Süden Europas, auch viele Briten haben ein Haus oder zumindest ein Feriendomizil am Mittelmeer. Sie werden besonders angespannt beobachten, wie nach einem Brexit die Regelungen zum Grundbesitz ausfallen werden, ob die Rente weiterhin auf ein spanisches oder italienisches Konto überwiesen wird und ob die Krankenversicherung auch im Ausland gilt.

Wie sieht die Tourismus-Industrie den Brexit?

Kurz gesagt: kritisch. Die Reiseanbieter erwarten zahlreiche Nachteile für ihre Branche. Die Vereinigung Association of British Travel Agents hat mit dem Beratungsunternehmen Deloitte die möglichen Auswirkungen analysiert. Das Ergebnis: Die unsichere Rechtslage und die Risiken für die britische Wirtschaft könnten zu einem deutlichen Vertrauensverlust der Reisenden führen, die vielleicht lieber woanders ihren Urlaub buchen. Auch könnten beispielsweise Hotels Probleme bekommen, die besonders viele Immigranten als Mitarbeiter beschäftigen, deren Bleiberecht durch den Brexit in Frage gestellt wird.

Michael O'Leary, Chef der irischen Fluggesellschaft Ryanair, hatte sich deshalb im Vorfeld der Abstimmung nicht nur deutlich gegen den Brexit ausgesprochen. Er bot besonders günstige Flüge nach London an - damit möglichst viele Briten, die im Ausland leben, in ihre Heimat fliegen, um für den Verbleib in der EU zu stimmen. Geholfen hat es nicht. (SZ)

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Im Video: Schottland will es noch mal wissen

(c) REUTERS

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