Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Gold, Aktien, Devisen: 6 gängige Thesen im Experten-Check

Handelszeitung-Logo Handelszeitung 16.09.2020 Henning Hölder
Wann ist das ausgereizt? Tech-Börse Nasdaq in New York. © imago images/Xinhua Wann ist das ausgereizt? Tech-Börse Nasdaq in New York.

Gehen die Börsen weiter hoch? Wird der Euro noch stärker? Klettert der Goldpreis wieder? Zwei Experten kommentieren wichtige Fragen.

Es tut sich was an den Märkten: Man erlebt schon lange nicht mehr gesehene Einbrüche bei Technologie-Aktien. Den US-Börsen scheint generell die Luft auszugehen. Manche Marktbeobachter vermuten sogar den Anfang einer grösseren Umschichtung: Von US-Aktien in europäische Aktien einerseits und von Wachstums- in Value-Titeln andererseits.

Andere fragen sich: Sind Aktien eigentlich nicht ohnehin viel zu teuer geworden? 

Auch an den Devisenmärkten sind seit Monaten auffällige Entwicklungen zu beobachten. Der Dollar schwächelt ungewöhnlich stark gegenüber Euro und Franken. Die europäische Gemeinschaftswährung wiederum strotzt nur so vor Stärke und wertet sogar gegenüber dem Franken auf.

Und was ist eigentlich mit Gold? Das Edelmetall gönnt sich nach einer beispiellosen Rally zuletzt eine kleine Atempause. Ist das nur ein Luftholen für die nächste Rally, wie manche vermuten?

Hier sechs Thesen zum Marktgeschehen, die derzeit die Runde machen. Experten unterziehen diese einem Check.

These 1: Die Börsen werden in den nächsten zwölf Monaten trotz einzelner Rückschläge nur eine Richtung kennen – nach oben.

Christoph Sax, Chefökonom der Migros Bank:

«Nein, ein reinigendes Kursgewitter kann durchaus einsetzen. Grössere Verwerfungen erwarten wir vorerst aber nicht. Rückschläge werten wir daher als Kaufgelegenheit. Langfristig führt kein Weg an Aktien vorbei.»

Jörn Spillmann, Chefstratege der Zürcher Kantonalbank:

«Die Chancen dafür stehen aufgrund der expansiven Geld- und Fiskalpolitik sowie dem schwachen, aber positiven Wirtschaftswachstum mit niedriger Inflation recht gut.»

These 2: Die Aktienmärkte sind überbewertet. Das birgt Gefahren.

Christoph Sax, Chefökonom der Migros Bank:

«Auf dem gegenwärtigen Niveau nehmen die Aktienkurse teilweise schon viel Positives vorweg. Der Markt erscheint uns etwas gar zuversichtlich: Das Ende der Pandemie ist nach wie vor nicht absehbar, und es werden vermehrt Spekulanten aktiv. Die Volatilität dürfte zunehmen. Zwischenzeitliche Rücksetzer sind absehbar. Dadurch eröffnen sich aber auch Chancen.»

Jörn Spillmann, Chefstratege der ZKB:

«Unter Berücksichtigung des aktuellen Umfelds sind Aktien nicht zu teuer. 1. Die meisten Alternativen sind noch teurer. 2. In den gängigen Bewertungsmodellen werden Zinssätze verwendet. Dabei gilt je niedriger der Zins desto höher die Bewertung. 3. Die Zentralbanken haben die Märkte derart mit Liquidität geflutet, dass Investoren kaum eine Alternative zum Investieren bleibt.Insofern liegen die Gefahren vor allem darin, dass sich das Umfeld ändert. Das sind die üblichen Verdächtigen: 1. Rezession 2. Steigende Inflation 3. Geldpolitische Wende 4. Schuldenkrise bei Staaten oder Unternehmen, und am schlimmsten: 5. Eine Kombination der vorgenannten Punkte.»

These 3: Die Luft bei US-Aktien ist vorerst raus. Anleger sollten jetzt auf den europäischen Aktienmarkt setzen.

Christoph Sax, Chefökonom der Migros-Bank:

«Nicht ausschliesslich. Der US-Technologiesektor ist teilweise etwas heissgelaufen. Im Gegensatz zu Europa sind IT-Titel in den US-Indizes auch stark vertreten. Dies verzerrt das Gesamtbild etwas. Als Anleger kann man diesen Sektor vorübergehend etwas weniger stark gewichten. Technologie gehört aber immer ins Portfolio. Wir raten, an einer geografisch ausgewogenen Investmentstrategie festzuhalten.

Als interessant erachten wir zurzeit zum Beispiel Flughafen Zürich, LafargeHolcim, Georg Fischer oder auch Nokia. In den USA zählen Microsoft und Walt Disney zu unseren Favoriten.»

Jörn Spillmann, Chefstratege der ZKB:

«US-Aktien haben weiterhin das grössere Potenzial. Europäische Aktien sind eher vorübergehend interessant. Die Gewinne europäischer Aktien sind aus vielerlei Gründen strukturell niedriger als in den USA. Zu den wichtigsten Gründen gehören die Konstruktionsfehler der Eurozone. Derzeit (wer weiss wie lang) herrscht aber Ruhe, weil die EZB eine expansive Geldpolitik verfolgt und sich die Regierungen auf einen Wiederaufbaufonds geeinigt haben, sich also solidarisch zeigen.»

These 4: Die Rally von Wachstums-Aktien stösst an ihre Grenzen. Value-Werte werden für Anleger wieder attraktiver.

Christoph Sax, Chefökonom der Migros-Bank:

«Auch hier empfehlen wir einen ausgewogenen Ansatz. Wer Value-Aktien stark übergewichtet, setzt darauf, dass die Corona-Pandemie bald besiegt wird. Es gibt deutliche Fortschritte in der Forschung, die hoffen lassen. Die Durststrecke könnte aber auch noch viel länger dauern. Kurzum: Value-Werte sind wieder attraktiver, wir empfehlen jedoch nur eine etappenweise Erhöhung des Engagements.»

Jörn Spillmann, Chefstratege der ZKB:

«Im Umfeld niedrigen Wachstums, niedriger Inflation und niedriger Zinsen hat Growth weiterhin das grössere Potenzial.»

These 5: Die Eurostärke wird andauern und der Franken weiter abwerten.

Christoph Sax, Chefökonom der Migros-Bank:

«Kurzfristig kann der Euro sogar noch weiter zulegen. Er bleibt jedoch ein Sorgenkind. Die institutionellen Probleme der Währungsunion bestehen weiterhin – trotz des Wiederaufbaufonds, den die EU neu schaffen wird. Früher oder später werden einzelne Mitgliedstaaten erneut in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Dann schlägt auch das Pendel wieder zu Gunsten des Dollars um. Der Franken wird weiter zur Stärke neigen.»

Jörn Spillmann, Chefstratege der ZKB:

«Wir erwarten auf Sicht der nächsten 12 Monate eher eine Seitwärtsbewegung um das aktuelle Niveau.»

These 6: Das Marktumfeld spricht weiterhin für Gold. Wir werden in den nächsten zwölf Monaten weitere Höchststände sehen.

Christoph Sax, Chefökonom der Migros-Bank:

«Wahrscheinlich ja. Wir setzen auf Gold als Portfoliobaustein: Die Notenbanken betreiben eine äusserst expansive Geldpolitik, das Wachstum der Staatsschulden ist enorm. Im Gegensatz zur Geldmenge und zu den Schulden kann Gold nicht beliebig vermehrt werden.»

Jörn Spillmann, Chefstratege der ZKB:

«Die beiden Haupttreiber für neue Höchststände beim Goldpreis, schwächerer US-Dollar und niedrige beziehungsweise fallende Realrenditen, erachten wir für die kommenden 12 Monate als intakt.»

| Anzeige
| Anzeige

mehr von Handelszeitung

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon