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Nochmals ein Schweizer Feuerwerk zum Abschluss

Tages-Anzeiger-Logo Tages-Anzeiger 15.09.2020

Selina Büchel und Lore Hoffmann brillieren am Meeting in Bellinzona über 800 Meter. Zudem erhält Mujinga Kambundji nachträglich die Bronzemedaille der Hallen-EM 2017 überreicht.

War letztmals vor fünf Jahren so schnell wie nun in Bellinzona: Selina Büchel © Foto: Keystone War letztmals vor fünf Jahren so schnell wie nun in Bellinzona: Selina Büchel

Der Himmel ist an diesem wunderbaren Sommerabend in Bellinzona noch nicht dunkel, da geht das Spektakel bereits los. Über 800 Meter duellieren sich Selina Büchel und Lore Hoffmann in einem äusserst hochstehenden Rennen. Am Ende wird Büchel hinter der Norwegerin Hedda Hynne in hervorragenden 1:58,37 Zweite, Hoffmann in 1:58,50 Dritte.

Für die Ostschweizerin ist es die zweitschnellste Zeit überhaupt, letztmals lief Büchel vor fünf Jahren so schnell. «Ich bin einfach erleichtert», hält sie strahlend fest. Weil hinter ihr schwierige Zeiten liegen.

Sie spricht von einer Blockade, die sie vor allem auf den letzten 100 Metern hatte. «Vorher lief ich einfach schnell, ohne darüber nachzudenken. Wieder zu diesem Punkt zurückzufinden, ist schwierig, deshalb macht mich das so stolz.» In Triest ist sie am 1. August erstmals seit fast drei Jahren wieder unter zwei Minuten gelaufen. «Da ist der Knoten geplatzt.»

Sie sei nun mental ausgeglichener, viel ruhiger vor den Rennen. «Mein Schwerpunkt lag darauf, in jedem Bereich meines Lebens die Balance wiederzufinden. Das war der Schlüssel zum Erfolg.» Dazu passt, dass die 29-Jährige heute heiratet.

Das Aha-Erlebnis Nummer 2

Und Hoffmann? Sie hat in den letzten Wochen ihre persönliche Bestzeit kontinuierlich verbessert, in Bellinzona pulverisiert sie diesen Wert regelrecht. «Dass ich das geschafft habe, ist einfach verrückt», sagt sie. Auch für die Walliserin steht ein Aha-Erlebnis am Ursprung des Exploits. Ende August erzielte sie über 600 m die zweitbeste je gelaufene Zeit einer Schweizerin. «Das hat mich beruhigt», sagt sie.

Die Rolle des Stars des Abends nimmt im Stadio Comunale trotz fulminantem Meeting-Auftakt eine andere Athletin ein: Ajla Del Ponte. Vor Heimpublikum demonstriert die Tessinerin abermals ihre starke Form, gewinnt über 100 Meter in 11,18 und lässt sich gebührend von den Zuschauern feiern. Es ist ihr 14.Sieg im 15. Rennen in diesem Jahr. Glücklich macht sie vor allem die Zeit: Zum sechsten Mal läuft sie unter 11,20, was ihre Konstanz unterstreicht. Derweil die meisten anderen Athletinnen nun die Saison beenden – wie etwa Lea Sprunger, die über 400 Meter Hürden zum ersten Mal in diesem Jahr unter 55 Sekunden läuft – dreht Del Ponte noch eine Extraschlaufe. Am Donnerstag wird sie, wie Hoffmann, in Rom am Diamond-League-Meeting starten.

Die grosse kleine Schwester

Der Name Kambundji ist in der Schweizer Leichtathletik ein Synonym für Erfolg – primär wegen Mujinga Kambundji, der WM-Dritten über 200 Meter. Nun aber macht sich ihre kleine Schwester daran, ihr zu folgen. In Bellinzona tritt Ditaji Kambundji zum ersten Mal an einem internationalen Meeting der Elite an. Und die 18-Jährige absolviert die 100 Meter Hürden in 13,36 – es ist ihr drittschnellster Wert überhaupt. Derweil sie von «einer sehr schönen Erfahrung» spricht, wird die grosse Schwester im Hintergrund geehrt: Sie erhält nachträglich die Bronzemedaille der Hallen-EM 2017 über 60 Meter. Dies, weil die in Belgrad zweitplatzierte Ukrainerin Olessja Powch des Dopings überführt und für vier Jahre gesperrt wurde.

Mujinga Kambundji mit ihrer EM-Bronzemedaille, die sie nachträglich erhalten hat. © Foto: Freshfocus Mujinga Kambundji mit ihrer EM-Bronzemedaille, die sie nachträglich erhalten hat.

Leichtathletik im Jahr 2020 ist, wenn die Schweizer für Furore sorgen. Im Gegensatz zu vielen anderen Verbänden hat es Swiss Athletics hinbekommen, seinen Aushängeschildern trotz Corona-Pandemie interessante Wettkämpfe zu bieten. Das hat dazu geführt, dass nun so viele Schweizer in den Top 10 der aktuellen Weltrangliste stehen wie noch nie. Und, dass sie damit verbunden gewaltige Fortschritte erzielen.

Einen Beleg dafür liefern William Reais, Tom Elmer und Jonas Raess. Reais läuft über 400 m gegen Weltrekordhalter Wayde van Niekerk und erzielt in 46,39 ebenso eine persönliche Bestleistung wie Elmer (3:37,84) und Raess (3:37,36) über die 1500 Meter.

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