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Wie der Staatsfonds Temasek die Zukunft sieht

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 16.09.2020 Manfred Rist

China wird auch im Portfolio des singapurischen Staatsfonds Temasek immer wichtiger: «Geography is destiny», lautet ein Bonmot dazu. Dass die Performance im Geschäftsjahr negativ ausfiel, muss aber nicht verwundern.

Temasek scheint mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Edgar Su / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Temasek scheint mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Edgar Su / Reuters

Die Heftigkeit der Covid-19-Krise hat sich Mitte 2020 auch im Singapurer Staatsfonds Temasek gespiegelt: Statt den Jahresbericht wie gewohnt im Frühjahr zu präsentieren, verschob man den Rückblick damals auf einen späteren Monat. Zu volatil, zu unsicher, zu dramatisch ging es Ende März an den Weltbörsen zu und her. Der Tiefpunkt der damaligen Börsentalfahrt fiel praktisch mit dem Abschluss des Geschäftsjahres zusammen.

Das Gespenst der zweiten Welle

Temasek scheint nun mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Der ausgewiesene Wert des breitgefächerten Portfolios liegt mit 306 Mrd. sing. $ per Ende März nämlich nur gerade um 2,3% tiefer als im Vorjahr. In Anbetracht der seitherigen Erholung an den Börsen kann man inzwischen zudem noch von einer entsprechenden Korrektur nach oben ausgehen. In den Chefetagen des zweitgrössten Staatsfonds Singapurs dürfte man mit der Anlagestrategie also durchaus zufrieden sein.

Es ist zwar erst zum dritten Mal in den vergangenen zwanzig Jahren, dass Temasek eine negative Performance ausweisen muss. Aber man vergleiche dies mit den Verwüstungen in der Realwirtschaft, von der auch der Stadtstaat nicht verschont geblieben ist: Auf die Lockdowns in Asien, die Milliarden verschlangen, folgten die Grenzschliessungen, die bis heute andauern und die Wirtschaftsleistungen in ganz Südostasien fast zweistellig einbrechen lassen; noch ist zudem kein Ende dieser selbst applizierten Würgegriffe zu erkennen. Auch aus dieser Perspektive präsentiert sich Temasek weiterhin wie ein Fels in der Brandung.

Aber wie geht es weiter? Sehr gesprächig sind die Grossinvestoren von der tropischen Insel diesbezüglich nicht. Laut Lim Boon Heng, dem Chairman der Temasek Holdings, bleibt der Ausblick auf die Weltwirtschaft «unsicher». Auch er erwähnt zudem das Schreckgespenst einer zweiten Welle, die es aus Sicht der Südostasiaten unbedingt zu vermeiden gelte. Doch was heisst das konkret: Wie tief müssen die Neuinfektionszahlen fallen, bis die Grenzen wieder geöffnet werden? Das sind für (ehemals) offene Volkswirtschaften wie Singapur, Malaysia und Thailand relevante Fragen, deren Antworten ausstehen.

Fingerzeige mit langfristigen Engagements

Temasek gilt für Investoren zu Recht als Wegweiser und Benchmark. In den letzten dreissig Jahren wurde immerhin eine ansprechende Durchschnittsrendite von 11% erreicht. Doch in die Karten schauen liessen sich die Verwalter des 1974 gegründeten Fonds nie. So bleiben auch diesmal die Auswirkungen der Krise, die allein das letzte Quartal (Januar bis März) betreffen, unklar und die Transparenz dürftig. Zu Letztgenanntem zählt, dass es keinerlei Auskunft über Lohnstrukturen gibt, obwohl gerade dies zu Jahresbeginn im Stadtstaat für Furore sorgte.

Immerhin enthalten die jüngst getätigten Investitionen, die sich im Berichtsjahr auf 32 (Vorjahr: 24) Mrd. $ beliefen, sowie der Ausblick Hinweise auf die Zukunft. Dabei fällt auf, dass Finanzdienstleistungen, Technologiewerte und Life-Science als Anlageschwerpunkte ausgebaut worden sind. So wurden Beteiligungen an Paypal, Visa und Mastercard sowie am amerikanischen Startup Blend aufgestockt. Im Technologiebereich setzt man auf künstliche Intelligenz und den Software-Anbieter Duck Creek Technologies. Bei Biopharma stechen Beam Therapeutics, Coherus Biosciences, Transcenta und Vir Biotechnology heraus.

China mit fast 30 Prozent

Über allem steht eine insgesamt stärkere Ausrichtung auf China nach dem Motto «Geography is destiny». Noch nie war der China-Anteil in der Temasek-Schatztruhe so hoch wie heute, nämlich 29% (Vorjahr: 26%). Beteiligungen im Riesenland haben damit erstmals mehr Gewicht als Investitionen im Heimmarkt (24%) sowie in Nordamerika (17%) und Europa (10%) zusammen. Gleichzeitig setzt Temasek auf Nachhaltigkeit, was im Ziel zum Ausdruck kommt, die CO2-Emissionen der im Portfolio zusammengefassten Unternehmen bis 2030 zu halbieren.

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