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Wasserschweine auf schwimmenden Inseln

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 26.03.2019 RP ONLINE
 Die Gauchos, die argentinischen Cowboys, ziehen Touristen in Kanus durch die bewachsenen Wasserflächen. © Rheinbahn Die Gauchos, die argentinischen Cowboys, ziehen Touristen in Kanus durch die bewachsenen Wasserflächen.

Ruhig gleitet das Boot über das Wasser, scheinbar durch einen Kanal. Links und rechts ragen Schilfrohr und Gräser in die Höhe. Doch sie wurzeln in keinem Festland, sondern treiben als schwimmende Inseln in einem riesigen, 13.000 Quadratkilometer großen, aber nur wenige Meter tiefen Meer. Dazwischen immer wieder auch echte Inseln – flache Ebenen, auf denen Bäume wachsen und Rinder grasen. Die Esteros de Iberá im Nordosten Argentiniens in der Provinz Corrientes bilden eines der größten Süßwassersammelbecken der Welt, gespeist durch Regen und Wasser aus den Anden. Immer wieder münden die Kanäle in weiten, in der Sonne leuchtenden Seen. Iberá, „glänzendes Wasser“ nannten die Ureinwohner, die Guaraní, daher auch die Esteros (Seen).

Stolze Reiher und laut zwitschernde, pfeifende, krei­schende Vögel in vielen Farben und allen Größen bevölkern die Inseln. Kaimane sonnen sich mit offenem Maul. Vor allem die merkwürdigen Wasserschweine fallen den europäischen Touristen auf. Mit einem Schwein haben sie abgesehen von ihrem Aussehen nichts zu tun. Die Carpinchos, wie sie in Argentinien heißen, gelten als die größten Nagetiere der Welt. In den Esteros sieht man sie sehr häufig.

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Marcos García Rams lenkt das Boot durch diese unendlich erscheinende Seenlandschaft. Kenntnisreich erklärt der 62-Jährige Fauna und Flora, weiß zum Beispiel, dass hier tausende Reiher leben, insgesamt neun verschiedene Arten, dazu drei verschiedene Storch-Arten. Adler, Riesenschildkröten, Brüllaffen, Gürteltiere, Echsen und mehr als 250 Vogelarten fühlen sich in dem Naturparadies wohl.

Rams kennt sich hier gut aus, er managt seit 1981 für seine Familie die Estancia San Juan Poriahú, ein 13.000 Hektar großes, also rund elf mal elf Kilometer umfassendes Landgut. Seit 1865 ist es im Familienbesitz, wurde aber bereits im 17. Jahrhundert von Jesuiten gegründet. Wenn Rams detailreich die Tier- und Pflanzenwelt beschreibt, wird deutlich: Dem Farmbesitzer geht es um mehr als die Viehzucht, sein eigentliches Geschäft, dessen Basis immerhin mehr als 2000 Rinder bilden. Außerdem gibt es 300 Pferde für die Arbeit in der Estancia, die Zucht und als Reitpferde.

Rams verdeutlicht die Zusammenhänge dieses einzigartigen Ökosystems, in das sich die Landwirtschaft nachhaltig einbetten soll. Er betreibt eine ökologische Tierhaltung. In einer anderen Tour führt Rams seine Gäste an ein Ufer, wirft die Angel aus. Zwei Kaimane schwimmen heran, offenbar wissend, was nun passiert. Rams hat nach kurzer Zeit einen Piranha an der Angel, zeigt den Besuchern das imposante Gebiss. Dann wirft er den Fisch den Kaimanen zu, die nur darauf gewartet haben. Piranhas, Kaimane – was Touristen das Fürchten lehrt, entlockt dem Farmbesitzer nur einen beschwichtigenden Kommentar: „Kaimane greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen.“ Mehr als 7000 von ihnen gebe es in den Esteros. Vor den Piranhas hat auch der erfahrene Angler Respekt. Riechen sie Blut, attackieren sie ihre Opfer.

Interessante Menschen trifft man in der abgelegenen, wenig bevölkerten Region auch im Provinznest Concepción. Reina Sandoval präsentiert stolz das Foto, das sie zusammen mit dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri zeigt. Als der einmal die Region besuchte, servierte die Köchin ihm einen Guiso Carrero, einen Eintopf, der auf Rezepten der Guaraní basiert. Eine Großmutter Reinas gehörte der Volksgruppe an, von ihr habe sie viel gelernt, seit sie neun Jahre alt war.

Die Esteros de Iberá dürften zu den „am besten gehüteten Natur-Geheimnissen der Welt“ zählen, wie es Reiseleiter Claudio Lo Fiego formuliert. Der Argentinier arbeitet in Düsseldorf als Spanischlehrer. Ein Geheimnis, das es sich zu lüften lohnt.

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