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«Das sind die Spiele, die wir leider nicht packen»

BZ Berner Zeitung-Logo BZ Berner Zeitung 12.09.2018 Florian Raz
«Das sind die Spiele, die wir leider nicht packen» © (Bernerzeitung.ch/Newsnetz) «Das sind die Spiele, die wir leider nicht packen»

Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri sind zwar zufrieden mit der Leistung in England. Doch das 0:1 hinterlässt ein nagendes Gefühl.

Das Wort «eigentlich» ist kein Freund von Sportlern. Spielt eine Mannschaft «eigentlich» gut, oder sogar «sehr gut», wie das Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka nach dem Spiel der Schweiz gegen England feststellen, dann hat sie meist verloren.

So ist das auch in Leicester, an diesem für englische Verhältnisse ganz angenehmen Herbstabend. Als die Schweizer Spieler ihre Partie beschreiben müssen, strahlen sie eine gewisse Zufriedenheit aus. Haben sie nicht gegen den WM-Vierten in der ersten Halbzeit 64 Prozent Ballbesitz herausgespielt? Waren sie nicht drückend überlegen? Standen sie nicht überraschend sicher mit ihrer Dreierabwehr, die sie bislang erst einmal ausprobiert hatten – vor der WM in Griechenland?

Ja, das alles ist ihnen gelungen im King Power Stadium. Aber da bleibt eben auch dieses nagende Gefühl, eine Chance verpasst zu haben. Dieser schale Nachgeschmack der ehrenhaften Niederlage.

Historische Chance verpasst

«Natürlich ärgert mich das», sagt Xhaka nach dem 0:1 gegen Engländer, die mit einem B-Team angetreten waren, das in dieser Formation kaum den vierten Platz an der WM errungen hätte. Um so besser wäre die Gelegenheit für die Schweizer gewesen, ihren ersten Sieg überhaupt in England zu erringen. Und zugleich dafür zu sorgen, dass das Heimatland des Fussballs erstmals in seiner 146-jährigen Geschichte vier Länderspiele in Serie verliert.

Ja, ein Schweizer Sieg hätte etwas ausgesagt. Auch wenn es «nur» ein Freundschaftsspiel war. Aber auch in diesen «musst du gegen einen Gegner wie England einfach mal ein Tor erzielen», stellt Xhaka fest, «da bekommst du nicht 20 Chancen.»

Es fehlt der letzte Schritt

Schliesslich stellt der Mittelfeldstratege einigermassen ernüchtert fest: «Das sind halt diese Spiele, die wir am Ende leider nicht packen.» Diese Spiele – das sind Achtelfinals an Endrunden wie gegen Schweden oder Polen. Das sind Spiele gegen Gegner mit grossen Namen wie England oder Argentinien.

Es ist in Leicester trotz eines vor der Pause sehr guten Auftritts zu sehen, was den Schweizern noch fehlt, um den nächsten Schritt zu nehmen: Sie haben sich zwar technisch und taktisch den Grossen bis auf Schlagdistanz angenähert. Aber auf den letzten, entscheidenden Metern vor dem Tor, da fehlt der Schweiz die Coolness, die Klasse von Weltklasse trennt.

«Glücklich mit dieser Woche»

Trotzdem kann das Team Energie aus dem ersten Treffen seit dem WM-Aus gegen Schweden ziehen. Xhaka sagt gar, er sei «glücklich, wie die Woche gelaufen ist». Ihm ist es vor allem darum gegangen, die WM-Debatten mit Doppeladler und Doppelbürgern hinter sich zu lassen. Und das hat die Nati vorerst. Mit einem gemeinsamen Auftritt vor den Medien. Und – weitaus wichtiger – mit einem 6:0 gegen Island auf dem Platz.

Mit etwas Abstrichen wegen des Resultats darf auch die Reise nach England als positiv gelten. Die Schweizer spielten erst zum zweiten Mal unter Petkovic in einer Dreierabwehr. Und sie taten das über weite Strecken so frech und angriffig, dass dieses System eine Option für die Zukunft sein kann. Auch wenn das Team ein hohes Risiko geht, wenn es so hoch spielt wie vor der Halbzeit in Leicester.

Aber wahrscheinlich ist die Dreierkette auch nicht dafür gedacht, künftig gegen Weltklasseteams eingesetzt zu werden. Sondern gegen Gegner, die sich tief in der eigenen Platzhälfte verstecken. So wie die Schweden, die die Schweizer so schmerzhaft haben auflaufen lassen im WM-Achtelfinal.

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