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Brasiliens Beste schimpft mit ZDF-Reporter

WELT-Logo WELT 16.06.2019
Die deutschen Fußballfrauen starteten minimalistisch, aber erfolgreich ins Turnier Quelle: dpa/Sebastian Gollnow © dpa/Sebastian Gollnow Die deutschen Fußballfrauen starteten minimalistisch, aber erfolgreich ins Turnier Quelle: dpa/Sebastian Gollnow

Zwei Spiele, zwei Siege, den Einzug ins Achtelfinale der WM bereits perfekt gemacht – die Stimmung könnte kaum besser sein bei den deutschen Frauen. „Heute Abend gehen wir auswärts essen. Das hat aber nichts mit unserem Koch zu tun“, erklärte beispielshalber Sprecherin Annette Seitz vom DFB, als sie auf die Abendgestaltung der Nationalmannschaft in Montpellier angesprochen wurde. Dazu muss man wissen, dass in Hannes Flade ein eigener Koch den Tross des Deutschen Fußball-Bundes bei dem Turnier in Frankreich versorgt.

Sportlich hat sich die Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg eher minimalistisch präsentiert. Die 1:0-Siege über China zum Auftakt und die als Geheimfavorit gehandelten Spanierinnen garantieren den Deutschen gute Chancen auf den Gruppensieg – und damit in der K.-o.-Phase einen wahrscheinlich leichteren Weg durch das Turnier. Ein Punkt im letzten Gruppenspiel gegen Südafrika am Montag (18 Uhr) würde für Platz eins genügen, selbst eine knappe Niederlage könnte reichen.

Auf wen die DFB-Elf im Achtelfinale trifft, entscheidet sich aufgrund eines komplizierten Systems aber erst am Donnerstagabend nach dem allerletzten Gruppenspiel des Turniers. Es dürfte jedenfalls ein Gruppendritter werden. Dank des Turnierbaums träfe ein Gruppensieger Deutschland dann erst im Finale auf einen der drei Topfavoriten: die USA, Gastgeber Frankreich, England. Vorausgesetzt die drei verteidigen ihre aktuellen Gruppenführungen.

Lena Oberdorf avanciert zum Shootingstar

Deutschland könnte auf seinem weiteren Weg derweil auf Mannschaften wie Kanada oder im Halbfinale auf die bislang überraschend starken Italienerinnen treffen. Bis dahin wäre wohl auch Leistungsträgerin Dzsenifer Marozsán wieder fit, die wegen eines Zehenbruchs die Partie gegen Spanien verpasste und bei dem knappen Erfolg schmerzlich vermisst wurde. Immerhin avancierte in Marozsáns Abwesenheit die erst 17 Jahre alte Lena Oberdorf aus Essen zum Shootingstar der Mannschaft.

Die 17-jährige Lena Oberdorf überrascht bislang mit starken Leistungen Quelle: pa/SvenSimon/Anke Waelischmiller/SVEN SIMON © pa/SvenSimon/Anke Waelischmiller/SVEN SIMON Die 17-jährige Lena Oberdorf überrascht bislang mit starken Leistungen Quelle: pa/SvenSimon/Anke Waelischmiller/SVEN SIMON

Das Publikumsinteresse an der WM ist groß. Sechs Millionen Zuschauer verfolgten die Partie gegen Spanien im deutschen Fernsehen. Auch die Sender in England und Frankreich freuen sich über gute Einschaltquoten. Die Begeisterung im Land des Turnierausrichters variiert aber noch. Spiele der Französinnen und der Amerikanerinnen in großen Arenen wie dem Pariser Prinzenpark sind ausverkauft, bei anderen Partien – zum Beispiel England gegen Schottland – sind die Stadien aber gerade einmal zu einem Drittel gefüllt. Englands Starspielerin Fran Kirby sagt: „Wenn es uns nicht gelingt, die Stadien voll zu machen, ist es auch schwierig gleiche Bezahlung zu fordern.“

MONTPELLIER, FRANCE - JUNE 13: Marta of Brazil celebrates with teammates after scoring her team's first goal during the 2019 FIFA Women's World Cup France group C match between Australia and Brazil at Stade de la Mosson on June 13, 2019 in Montpellier, France. (Photo by Elsa/Getty Images) © Getty Images/Elsa MONTPELLIER, FRANCE - JUNE 13: Marta of Brazil celebrates with teammates after scoring her team's first goal during the 2019 FIFA Women's World Cup France group C match between Australia and Brazil at Stade de la Mosson on June 13, 2019 in Montpellier, France. (Photo by Elsa/Getty Images)

Sie spricht damit ein Thema an, das bei diesem Turnier immer wieder zur Sprache kommt und die Frauen-WM zu einem Gesellschaftsprojekt auflädt, der „New Yorker“ stilisiert sie gar zu einem „Referendum über den Frauensport“. Wie tief das Gefühl sitzt, benachteiligt zu werden, offenbarte die mehrmalige Weltfußballerin Marta am Donnerstag.

Die Brasilianerin schimpfte mit einem ZDF-Reporter, weil der nicht angesprochen hatte, dass sie mit 16 WM-Toren nun den Rekord von Miroslav Klose bei den Männern eingestellt hatte. Ein wütender Schrei nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. „Es war ein Tor für Gleichberechtigung, ein Tor für alle Frauen“, sagte sie.

Zum Star des Turniers dürfte es Marta allerdings nicht schaffen, auch weil sie mit Brasilien gegen Australien verlor. Sie wird mittlerweile von Alex Morgan überstrahlt, die beim 13:0 der Amerikanerinnen gegen Thailand gleich fünfmal traf. Aber vielleicht wird es am Ende auch eine Deutsche – der Weg ins Finale hat zumindest gut begonnen.

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