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Die Champions League erlebt eine Zeitenwende

SZ.de-Logo SZ.de 17.02.2017 Kommentar von Christof Kneer
Beim FC Bayern immer noch häufig im Mittelpunkt: Arjen Robben (Mitte) wird von seinen Teamkollegen für seinen Treffer gegen den FC Arsenal gefeiert. © AFP Beim FC Bayern immer noch häufig im Mittelpunkt: Arjen Robben (Mitte) wird von seinen Teamkollegen für seinen Treffer gegen den FC Arsenal gefeiert.

So viele Teams wie selten spielen in dieser Saison um den Titel - auch der FC Bayern. Das zeigt: Der Fußball verändert sich gerade radikal.

Philipp Lahm ist Weltmeister und Weltpokalsieger, er ist deutscher Meister und Pokalsieger, er hat sogar Tore geschossen in seiner Karriere (nicht viele) und auch mal Fehlpässe gespielt (noch weniger). Lahm, 33, hat vieles gewonnen und eigentlich alles erlebt in diesem Spiel, das er im kommenden Sommer verlassen will, bis auf dreierlei. Er war nie Weltfußballer oder Fußballer des Jahres in Deutschland; und im Verein musste er nie eine Sperre absitzen.

Ersteres und Zweiteres ist ein Skandal. Und das Dritte ändert sich ja jetzt.

Es gebe "schlechtere Momente für eine Sperre als nach einem 5:1" hat Lahm nach dem Spiel gegen den FC Arsenal verschmitzt mitgeteilt. Kurz vor Schluss dieses Hinspiels hat Lahm sich ... darf man sagen, dass er sich die dritte gelbe Karte und damit pünktlich eine Sperre fürs bedeutungslose Rückspiel organisiert hat? Nein, offiziell darf man das selbstverständlich überhaupt nicht sagen, zumal es sich mit etwas gutem Willen durchaus um ein spielrelevantes taktisches Foul handelte. Aber man wird keine Gegendarstellung abdrucken müssen, wenn man behauptet, dass Lahm diese Sperre vermutlich verkraften wird.

Lahm steht nun - wie so oft in seiner Karriere - exemplarisch für den FC Bayern. Er biegt allmählich auf die Zielgerade ein, und er weiß genau, wie er sich die Kräfte im Schlussspurt einteilen muss. Auch die Elf, für die er spielt, steht ja mutmaßlich vor dem Ende jener Ära, die 2010 mit der Teilnahme am Champions-League-Finale begann. Arjen Robben, Franck Ribéry und Xabi Alonso werden auch nicht mehr lang spielen, und für den FC Bayern wäre das eine große Geschichte: wenn er diese Ära mit einem weiteren Finale (gar: mit einem Sieg) beschließen könnte. Kann diese Generation auf ihren letzten Metern noch mal die Champions League gewinnen?

Diese Champions-League-Saison könnte Charme entwickeln

Nach dem Start ins Achtelfinale muss die Antwort lauten: Ja, auch diese längst nicht mehr so präzisen Bayern können die Champions League gewinnen - aber die anderen können das auch.

Diese sagenhaft banale Erkenntnis gewinnt ihre Tiefe bei einem vergleichenden Blick aufs Teilnehmer-Tableau. Diese Saison könnte demnach einen gewissen Charme entwickeln, weil sie an einer Art Zeitenwende stattfindet. Der Zyklus des FC Barcelona scheint endgültig vorüber zu sein, der Zyklus der Lahm-Robben-und-Ribéry-Bayern neigt sich ebenfalls dem Ende entgegen, und ein neuer englischer Zyklus hat noch nicht begonnen. Auf der Insel beginnen sie ihre obszönen Milliarden inzwischen vernünftiger einzusetzen, was die Klubs aus Manchester und vor allem den FC Chelsea in absehbarer Zeit wieder zu natürlichen Titelkandidaten machen dürfte. In der aktuellen Saison aber dürfen sich viele Teams eingeladen fühlen - auch jene, die sich in einem gemeinsamen Kraftakt noch mal zu alter Größe erheben.

Einer geht noch? Für den FC Barcelona gilt das kaum mehr, für die Bayern durchaus. Zumal Philipp Lahm im Viertelfinale sehr ausgeruht sein wird.

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