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RB Leipzig kehrt an den Ort des Schreckens zurück

DIE WELT-Logo DIE WELT vor 5 Tagen

Im Februar sorgten BVB-Anhänger beim Duell mit Leipzig für üble Jagdszenen. Nun kehrt RB erstmals zurück. Viele Auswärtsfans bleiben diesmal aus Angst daheim. Erneut wurde ein Protest angekündigt.

Wenn RB Leipzig am Samstagabend (18.30 Uhr) zum Bundesliga-Topspiel bei Borussia Dortmund antritt, werden Klub und Fans auch mit der Erinnerung an die Vorfälle des 4. Februar konfrontiert. Damals wurden Leipziger Fans auf dem Weg zum Stadion von Anhängern des BVB beschimpft und mit Flaschen und Steinen beworfen. Es ist die Rückkehr an den Ort des Schreckens. Acht Monate später geben sich die Stadt Dortmund und die Borussia betont deeskalierend. Teile der Fanszene interessieren diese Bemühungen jedoch überhaupt nicht.

"Dietrich Mateschitz' Projekt ist heute genauso abzulehnen wie damals", teilte die Gruppierung The Unity und der Fanklub-Zusammenschluss "Südtribüne Dortmund" mit. Am Samstag wollen die Ultras vor der Partie einen Fan-Protestmarsch zum Stadion abhalten, um ihrer Überzeugung Nachdruck zu verleihen: "Alles, woraus unser Sport seine Faszination zieht, wird von RasenBallsport mit Füßen getreten."

Der Screenshot aus einem Video zeigt, wie ein Dortmunder Fan von Polizisten auf dem Weg zum Stadion vorläufig festgenommen wird © dpa Der Screenshot aus einem Video zeigt, wie ein Dortmunder Fan von Polizisten auf dem Weg zum Stadion vorläufig festgenommen wird

Erst am Mittwoch stellte die Dortmunder Polizei die Ergebnisse der "EK Strobel" vor. Jener Ermittlungskommission, die im Anschluss an die gewalttätigen Übergriffe im Februar gebildet wurde. Von 214 Vorgängen mündeten demnach 168 in Strafverfahren, hauptsächlich wegen Körperverletzung oder gefährlicher Körperverletzung (109 Fälle). Bislang wurden elf Strafbefehle erlassen, von denen fünf rechtskräftig geworden sind. Darüber hinaus wurden fünf Anklagen erhoben. Eine Anklage, über die bereits verhandelt wurde, führte für den Verurteilten zu einer Geldstrafe.

"Normale Reaktion auf ein derartig unnormales Erlebnis"

Für den Fall erneuter Ausschreitungen hat die Dortmunder Polizei derweil ein hartes Vorgehen angekündigt. "Am nächsten Samstag ist unser Konzept darauf ausgerichtet, Fußballfans aus Leipzig und Dortmund davor zu schützen, von Gewalttätern und Kriminellen, die den Titel "Fan" nicht verdienen, belästigt und angegriffen zu werden. Straftäter werden wir mit allen Mitteln und hohem Aufwand verfolgen", so Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hofft inständig, dass der Protest diesmal friedlich bleibt. Sicher ist er sich nicht. "Grundsätzlich glaube ich, dass alle gelernt haben aus der Situation. Insofern bin ich verhalten optimistisch, dass wir das ordentlich über die Bühne kriegen", sagte er der Funke-Gruppe. Die Polizei wandte sich mit "dringenden Anreiseempfehlungen" an die Gäste.

Watzke setzt sein Vertrauen ohnehin in die Staatsmacht. "Die Polizei überwacht das Spiel mit deutlich größerer Präsenz als beim letzten Mal", sagte er. "Damals waren deutlich zu wenig Polizisten im Einsatz." Eine genaue Zahl wird nicht genannt, rund 1000 Beamte sollen es im Vergleich zu 237 im Februar sein. Eine eigens engagierte Sicherheitsfirma soll die RB-Mannschaft beschützen.

Zudem werden diesmal deutlich weniger Fans aus Leipzig erwartet. RB hätte ein Kontingent von 8000 Auswärtstickets zur Verfügung gestanden, es werden jedoch nur 3500 Zuschauer nach Dortmund mitreisen. Bei vielen Fans, gerade Familien mit Kindern, sind die Eindrücke der Randale noch immer sehr präsent, weiß auch Sandra Strohbach-Roland. Die Diplom-Sozialpädagogin betreute mit ihren Kollegen von der "Opferhilfe Sachsen" in den vergangenen Monaten betroffene Fans.

"Einige erklärten, dass sie zunächst nicht mehr zu Auswärtsspielen von RB Leipzig mitfahren wollten", berichtet sie der WELT. Alle hätten ähnliche Symptome beklagt: Schlafstörungen, diffuse Ängste und Flashbacks. "Mit unserer Unterstützung ist es erst einmal gelungen, diese Symptome als eine normale Reaktion auf ein derartig unnormales Erlebnis zu verstehen", sagt sie. Es ist zu wünschen, dass allen Fans am Samstag solche Erlebnisse erspart bleiben.

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