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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

motorsport.com-Logo motorsport.com vor 3 Tagen Gerald Dirnbeck
Cal Crutchlow, Team LCR Honda © Gold and Goose / LAT Images Cal Crutchlow, Team LCR Honda

Warum Marc Marquez trotz verschenktem Austin-Sieg entspannt auf die Europa-Saison blicken kann und stattdessen ein anderer Honda-Fahrer eine schlechte Nacht hatte.

Liebe MotoGP-Fans,

der King des Circuit of The Americas kann sich nur selbst schlagen. So lautete der Tenor vor dem Wochenende in Austin – und es ist auch tatsächlich passiert! Mit dem Sturz in Führung liegend hat Marc Marquez 25 WM-Punkte praktisch verschenkt. Das zeigt, dass auch der vielleicht beste Motorradrennfahrer der Gegenwart Fehler machen kann und es auch für ihn kein Spaziergang ist.

Eigentlich wäre Marquez der perfekte Kandidat für unsere Montagskolumne. Geschlafen hat er nach diesem vermeidbaren Fehler sicherlich nicht gut. Marquez hat den Sturz auf seine Kappe genommen und sich bei seinem Team entschuldigt. Trotzdem wähle ich ihn heute nicht für unsere Kolumne aus, denn eigentlich kann Marquez den nächsten Rennen entspannt entgegenblicken. Neun Punkte Rückstand auf Andrea Dovizioso sind kein großes Drama.

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Vor allem braucht sich Marquez keine großen Sorgen um die derzeitige Form machen. Im kurvigen ersten Sektor des Circuit of The Americas war das Handling seiner Honda sehr gut. Dazu kommen die Fortschritte mit dem neuen Motor. Honda wird auch auf schnellen Strecken wie Mugello oder dem Red-Bull-Ring Ducati herausfordern können. Auch die Schulter hat den Sturz gut überstanden. Das sind alles Faktoren, die Marquez trotz der Enttäuschung beruhigt auf die Europa-Saison blicken lassen können.

Cal Crutchlow lässt reihenweise Chancen aus

Deshalb entscheide ich mich in unserer heutigen Kolumne für einen anderen Fahrer: Cal Crutchlow. Zum zweiten Mal hintereinander erlebte der Brite ein Rennen zum Vergessen. Die Sache mit dem vermeintlichen Frühstart in Argentinien war natürlich eine blöde Geschichte. In Austin wurde darüber in der Sicherheitskommission diskutiert. Einige Fahrer sprachen sich dafür aus, dass man bei einer kleinen Bewegung die neue Long-Lap-Penalty absolvieren sollte statt einer Durchfahrtsstrafe.

Andere Fahrer votierten dagegen. Darunter war auch Crutchlow, denn er vertrat die Meinung, dass wenn man jetzt während der Saison die Regeln ändern würde, er der "Dumme" wäre, denn die Durchfahrtsstrafe hat ein Rennen für ihn zerstört. Würde man ab sofort die Long-Lap-Penalty verwenden, dann hätten andere Fahrer wegen einer geringeren Strafe einen Vorteil. Vielleicht ändert man das Strafmaß bei einem Frühstart im nächsten Jahr. Momentan bleibt alles wie bisher, wie man an den Frühstarts von Maverick Vinales und Joan Mir gesehen hat.

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Aber kommen wir zurück zum eigentlichen Thema dieser Kolumne. Warum hat Crutchlow nach Austin schlecht geschlafen? Auf den ersten Blick ist der Grund ersichtlich. Auch sein Sturz war ein Fahrfehler, der vermeidbar gewesen wäre. Nachdem Marquez draußen war, richtete sich Crutchlow Valentino Rossi her und wollte den Italiener nach eigener Aussage "in zwei Runden" überholen. Hätte das geklappt, wäre er vielleicht dem Sieg entgegen gefahren.

Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass Crutchlow schon in Argentinien die zweitschnellste Rennpace hinter Marquez gehabt hat. Und jetzt in Austin war das vermutlich auch der Fall. Rein theoretisch hätte er zweimal hinter Marquez Zweiter werden müssen. Zusammen mit Rang drei in Katar wäre Crutchlow in der WM jetzt in einer starken Position. Und hätte er gestern nach dem Ausfall von Marquez womöglich gewonnen, dann würde Crutchlow als WM-Führender nach Jerez kommen!

Und genau das ist die Rolle, die Crutchlow bei Honda hat. Wenn bei den Repsol-Fahrern etwas passiert, soll er in die Presche springen. Wir erinnern uns an seine Siege in Brünn und Australien 2016. Ohne diese Ergebnisse hätte Honda am Ende des Jahres nicht die Marken-Weltmeisterschaft gewonnen! Und auch im Vorjahr holte er in Argentinien nach dem ganzen Chaos um Marquez den Sieg. Aber trotz guter Rennpace hat es Crutchlow in den vergangenen beiden Rennen einfach nicht umgesetzt. Diese Achterbahnfahrt macht auch sein LCR-Team mit.

Man traut Crutchlow nicht die ganz großen Erfolge zu

Im vergangenen November habe ich mich mit Lucio Cecchinello über Crutchlow unterhalten. Ob er ihm als Ex-Rennfahrer nicht Tipps geben kann, damit solche Fehler nicht immer wieder passieren? Cecchinello sagte damals, dass Crutchlow sehr leidenschaftlich ist und immer mit dem Herzen agiert: "Er fährt immer auf Sieg. Deswegen geht er im Rennen manchmal mehr Risiken ein, als er sollte. Manchmal schafft er ein wunderbares Ergebnis, oder es ist alles ruiniert."

Als Charakter ist Crutchlow einer der coolsten Typen, die es in der MotoGP gibt. Darüber sind wir uns glaube ich alle einig. Wenn er eines Tages aufhört, wird er definitiv fehlen! Aber trotzdem muss man festhalten, dass ihn eigentlich niemand auf der Rechnung hat, wenn es um die ganz großen Erfolge geht. Sprich: regelmäßige Siege und den WM-Titel. Wenn er einmal gewinnt, dann freut sich glaube ich jeder von uns.

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Stürzt er oder hat er ein schlechtes Rennen, dann wird dem nicht so viel Beachtung geschenkt. Ganz nach dem Motto: "Was soll's, heute hat es für Cal eben nicht geklappt." Es ist auch bezeichnend dafür, dass Honda ihn im Vorjahr nie in Betracht gezogen hat, als man einen Ersatz für Dani Pedrosa gesucht hat. Er musste auch lange auf die Karbon-Schwinge warten. Crutchlow soll eben zur Stelle sein, wenn Marquez Probleme hat. Das ist seine Rolle. Und das hat sich der Brite nun zweimal selbst zerstört.

Cecchinello erkannte bei unserem Gespräch im vergangenen November einen Reifeprozess bei Crutchlow: "Als er in die MotoGP gekommen ist, hatte er diesen unglaublichen Kampfgeist. Seit er für uns fährt, ist er ruhiger geworden und managt seine Aufgaben an einem Rennwochenende sorgfältiger. Deshalb glaube ich, dass er sich in einem wichtigen Prozess befindet und ein kompletterer Rennfahrer wird." Dafür muss Crutchlow aber seine Fehlerrate reduzieren, denn Potenzial und Speed ist definitiv vorhanden.

Ihr,

Gerald Dirnbeck

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