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Grand-Slam-Fantasien … warum eigentlich nicht?

watson.ch-Logo watson.ch 20.03.2017 Philipp Reich

TENNIS/ © Bild: usa today sports / Konfetti-Regen für den Grössten aller Zeiten in Indian Wells. TENNIS/ Roger Federer hat die ersten beiden grossen Turniere in diesem Jahr souverän gewonnen. Mit Tennis von einem anderen Stern. Wer ihn spielen sieht, der kriegt das Gefühl, dass selbst das für unmöglich gehaltene für ihn vielleicht doch noch möglich werden könnte.

Alle vier Major-Titel in einem Jahr – der Grand Slam ist das Grösste, was ein Tennisspieler erreichen kann. Das Ziel aller Ziele. Geschafft haben ihn erst zwei Männer, allerdings in einer anderen Zeit: Don Budge (1938) und Rod Laver (1962 und 1969). Bis 1968 waren an den wichtigsten Tennisturnieren nur Amateure zugelassen, die Professionalisierung des Tennissports setzte erst zu Beginn der 70er-Jahre ein.

Unmöglich scheint ein Grand Slam aber auch im modernen Tennis nicht zu sein. Im neuen Jahrtausend holten bereits drei Spieler drei der vier Grand-Slam-Titel in einem Jahr: Rafael Nadal (2010), Novak Djokovic (2011 und 2015) und Roger Federer (2004, 2006 und 2007). Federer und Djokovic standen im vierten Major-Turnier sogar im Finale, doch das French Open machte ihnen jeweils einen Strich durch die Rechnung. Djokovic scheiterte 2015 an einem gross aufspielenden Stan Wawrinka, 2006 und 2007 liess jeweils Sandkönig Nadal die Träume von Federer platzen.

epaselect USA TENNIS BNP PARIBAS OPEN © Bild: LARRY W. SMITH/EPA/KEYSTONE / «Roger Phönix». epaselect USA TENNIS BNP PARIBAS OPEN

Doch in diesem Jahr ist Träumen wieder erlaubt. Sogar vom Grand Slam. Wie ein Phönix aus der Asche ist Roger Federer in die neue Saison gestartet. Nach siebenmonatiger Verletzungspause holte er in Melbourne in beeindruckender Manier seinen 18. Major-Titel, den ersten nach viereinhalbjähriger Dürreperiode. Und gestern Abend krallte sich der «Maestro» auch den zweiten grossen Titel des Jahres. Im Final von Indian Wells war für Stan Wawrinka kein Kraut gewachsen. Mit High-Speed-Tennis servierte Federer seinen Olympia-Gold-Partner von 2008 regelrecht ab.

Es ist schon erstaunlich, wie stark «King Roger» in dieser Saison nach der langen Pause aufspielt. Derzeit passt einfach alles zusammen: Federer wirkt mit seinen bald 36 Jahren so fit wie ein 20-Jähriger. Der variantenreichste Aufschlag des Tennis-Zirkus ist so verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk, die Vorhand noch immer ein Gedicht und die Rückhand hat sich zu einer neuen Geheimwaffe entwickelt. Sogar Stan Wawrinka hatte in den Backhand-Duellen oft das Nachsehen.

Und dann ist da noch Federers neues Selbstvertrauen. Der 18. Grand-Slam-Sieg scheint eine Blockade gelöst zu haben. Vor dem Melbourne-Triumph jagte der «Maestro» immer diesem nächsten grossen Titel hinterher. Drei Major-Finals hatte er gegen Novak Djokovic verloren und der Glaube an sich selbst arg gelitten. Immer war da dieser Gefühl, es allen nochmals beweisen zu müssen.

Seit zwei Monaten ist dieser Druck wie weggeblasen und Federer spielt völlig befreit auf. Wie zu seinen besten Zeiten scheint er förmlich über den Court zu schweben. Das lässt auch die Konkurrenz nicht kalt, der Mythos der scheinbaren Unbesiegbarkeit ist zurück. Wie bei Federer früher und zuletzt bei Djokovic haben die Gegner das Gefühl, ihr allerbestes Tennis auspacken zu müssen, um überhaupt eine Chance zu haben. Besonders auffällig war das bei Rafael Nadal im Achtelfinal: Ausgerechnet der Spanier, der Federer einst seinen Spielstil aufdrückte, suchte verzweifelt nach Lösungen gegen seinen Finalbezwinger von Melbourne.

Federer geniesst das in vollen Zügen. «Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe», predigt der Baselbieter seit seinem 18. Major-Titel unentwegt. Und die Zugaben kommen fast wie von allein. Was ist da noch möglich? Die Antwort: Alles! Federer schwebt auf Wolke 7 und dominiert die schwächelnde Konkurrenz. Liegt sogar der Grand Slam drin? Die Antwort als Gegenfrage: Warum eigentlich nicht?

Beim US Open und in Wimbledon gehört Federer – sofern er fit bleibt – natürlich zu den Topfavoriten. Beim French Open könnte es da schon schwieriger werden. Die schnellen Hartplätze sind deutlich besser auf seine Spielweise zugeschnitten als der Pariser Sand, wo die Bälle höher abspringen und die Bedingungen langsamer sind. Doch bei seinem einzigen Triumph 2009 hat Federer ja bereits bewiesen, dass er auch dort gewinnen kann, wenn sich sein Tableau durch die eine oder andere Überraschung öffnet. Damals jagte er dem Karriere-Slam hinterher, nun kann er befreit aufspielen.

TENNIS FRENCH OPEN 2009 © Bild: EPA / Küsst Federer noch einmal die «Coupe des Mosquetaires»? TENNIS FRENCH OPEN 2009

Die Chancen, dass Federer als erster Spieler seit 1969 den Grand Slam holt, sind trotz allem klein. Aber sie sind da. Nach dem fantastischen Start in diesem Jahr, wird man das Gefühl nicht los: Wenn es einer schaffen kann, dann er. Deshalb gilt: Träumen ist erlaubt!

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© REUTERS / TENNIS-OPEN/

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