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Champions League bald nicht mehr im Free-TV?

20 Minuten-Logo 20 Minuten vor 5 Tagen E. Tedesco
Juventus (R) and FC Barcelona players pose before the UEFA Champions League quarter-final second leg football match FC Barcelona vs Juventus at the Camp Nou stadium in Barcelona on April 19, 2017. / AFP PHOTO / Josep LAGO © Josep Lago Juventus (R) and FC Barcelona players pose before the UEFA Champions League quarter-final second leg football match FC Barcelona vs Juventus at the Camp Nou stadium in Barcelona on April 19, 2017. / AFP PHOTO / Josep LAGO

Heftig echauffierte sich SRF-Experte Rolf Fringer über die Schiedsrichterleistung im Viertelfinal-Knaller der Bayern in Madrid. Alain Sutter und Marco Streller schauten der alten Dame aus Turin und Nati-Captain Stephan Lichtsteiner am Mittwoch im Hit gegen Barça genau auf die Füsse – und mit ihnen Millionen von TV-Zuschauern auf über 100 TV-Kanälen von Albanien bis Vietnam. Das kann sich bald ändern.

Live-Fussball ist längst zur begehrten Ware geworden. Das weiss auch die Uefa. Darum möchte die europäische Fussballunion mit ihrem Premiumprodukt noch mehr Geld verdienen. Der Poker für die Vergabe der TV-Rechte an der Champions League von 2018/19 bis 2020/21 ist in der heissen Phase. Schon in den nächsten Tagen könnte die Entscheidung fallen, wer die Rechte an den nächsten drei Königskampagnen bekommt.

Wo liegt die Schmerzgrenze?

Je höher der Preis steigt, desto näher rückt aber auch die Grenze, bei der sich die öffentlich-rechtlichen Sender die Champions League nicht mehr leisten wollen – oder können. Das ZDF zum Beispiel soll geschätzte 54 Millionen Euro für 17 CL-Spiele im Free-TV ausgegeben haben. Um auch in Zukunft Europas Crème de la Crème zeigen zu können, wird der deutsche Sender drauflegen müssen. Gemäss «Sport Bild» sollen es bis zu 16 Millionen Euro mehr sein.

Und wie sieht es in der Schweiz aus? Auf Anfrage bei Lino Bugmann, Mediensprecher SRF Sport, erhält man knapp die Antwort, dass es zu Kosten, Verträgen und deren Inhalten keine Auskunft gebe. Aber auch unser TV, das während einer internationalen Woche mit zwei fixen CL-Partien zu den Fussball-Oasen gehört, dürfte sich bereits mit einer Schmerzgrenze befasst haben.

Geld ist da, und Dazn will es ausgeben

Ein Bewerber, so sickerte es aus Insiderkreisen durch, soll mit seinem Angebot die Konkurrenz weit hinter sich lassen. Und es ist keiner der bisherigen grossen Player auf dem TV-Markt: Es ist Dazn, das Netflix des Sports. Die Streaming-Plattform gehört zur englischen Perform Group, die wiederum zu einem beträchtlichen Teil zur US-Beteiligungsgesellschaft Access Industries des Milliardärs Leonard Blavatnik gehört.

Das Internetportal hat zuletzt aufhorchen lassen, als es sich die Rechte an der Premier League gesichert und dem Pay-Sender Sky weggekrallt hat. Das Geld ist da, und Dazn ist gewillt, es auszugeben. Dafür soll eine Summe von 150 bis 200 Millionen Euro – pro Saison – erforderlich sein.

Zwei Szenarien

Der Uefa bieten sich zwei Szenarien. Ein exklusiver Anbieter, was gleichbedeutend ist mit weniger Reichweite und Einnahmen. Der Werbewert für Sponsoren würde massiv sinken. Oder ein Mix aus Pay- und Free-TV wie bis anhin. In England hat sich die Uefa für die All-Pay-Variante entschieden. Für die Rekordsumme von angeblich 1,37 Milliarden Euro erhielt die BT Sports den Zuschlag für die Champions League.

Sport wandert ins WWW ab

Das Geschäft ist lukrativer denn je. Und schon bald könnte noch mehr Bewegung in den Markt der Sportrechte kommen. Denn längst sind auch die Internetanbieter aufgesprungen. Amazon zum Beispiel hat sich die Rechte für zehn Spiele der National Football League gesichert und bemüht sich auch um das French Open und Rugby-Spiele.

Facebook leistet sich die Rechte an der Baseball-Liga und steht in Verhandlung mit der Major League Soccer (MLS). Seit Februar laufen auf Twitter die Golfturniere der PGA Tour. Youtube zeigte 2015 den spanischen Cup, und seit 2016 können Fans in Neuseeland die Freitagsspiele der Bundesliga verfolgen.

Der Fan braucht mehr Abos oder ...

Die Verlagerung von Sportveranstaltungen ins Netz (wie die Premier League bei Dazn) hat für den Zuschauer Konsequenzen. Denn es geht auch darum, den Kunden ganze Kommunikationspakete (Swisscom, UPC Cablecom) zu verkaufen, zumal der TV-Anschluss meist zusammen mit Handy-, Internet- und Telefon-Abo angeboten wird.

Darum: Entweder schliesst der Fan mehr Abos ab – in der Schweiz beispielsweise Fussball auf Teleclub, Premier League auf Dazn, Eishockey auf Mysports (macht rund 100 Franken pro Monat) – oder er bezahlt mit seinen persönlichen Daten, die er für die Anmeldung bei einem sozialen Netzwerk benötigt, sollten Facebook, Twitter oder Youtube etc. im Kampf um die Sport-Liveberichterstattung ernst machen.

Was macht die Uefa?

Philipp Ostsieker, Digital-Experte und Blogger über den Sportrechte-Markt, sagte in der Sendung «Sport am Feiertag» im Deutschlandfunk: «In England sind es die Leute schon leid, so viel Geld im Stadion und für Abos zu bezahlen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie irgendwann genervt sind. Da liegt es an der Uefa und der Liga, dass man immer ein gewisses Augenmass behält.»

In den nächsten Tagen wird man sehen, ob die Uefa das Augenmass behält oder einfach nur den Hals nicht vollkriegen kann.

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