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«Wollte nie mehr etwas anderes tragen» – Ivan Rakitic und die Liebe zum Kroatien-Trikot

watson.ch-Logo watson.ch 11.07.2018 Adrian Bürgler

Teaserbild © Bereitgestellt von EPA/EPA Teaserbild Mit Ivan Rakitic spielt heute Abend ein Schweizer um den Einzug in den WM-Final – für die Heimat seiner Eltern. Ein Schlüsselerlebnis dafür findet sich früh in seiner Kindheit. Als ihm und seinem Bruder Kroatien-Shirts geschenkt wurden.

Ivan sitzt gespannt da. Im Haus der Familie Rakitic ist ein Paket eingetroffen. Gemeinsam mit Bruder Dejan inspiziert er die Schachtel und findet eine kroatische Adresse als Absender darauf. Kroatien.

Für Ivan Rakitic ist dieses Land bis zu diesem Zeitpunkt ein Ort, den er Heimat nennt, den er aber noch nie in seinem Leben besucht hat. Zu Hause wird zwar kroatisch gesprochen und im Dorf der Rakitics, dem aargauischen Möhlin, wohnen viele weitere Kroaten. Dennoch ist dieses Land etwas, das Ivan damals noch fern ist.

Luka Rakitic öffnet das Paket. «Und in dem Moment, als mein Vater sie aus der Schachtel zog, wussten mein Bruder und ich: Wir werden diese Kroatien-Shirts nie mehr ausziehen.»

«Wir sind ein ernstzunehmender Titelaspirant»

Dieser Augenblick, als die noch ferne zweite Heimat auf einmal ein wirklicher Bestandteil seines Lebens wurde, der die Liebe für dieses rot-weiss-karierte Trikot entfachte, hat Rakitic im Laufe der WM der «Players Tribune», dem Online-Portal für Athleten, erzählt.

Veröffentlicht wurde die Geschichte am Tag des Spiels Kroatien gegen Argentinien. Jenem Tag also, als Rakitic und Co. den Titelfavoriten gleich mit 3:0 demontierten und der Welt klarmachten: Wir sind ein ernstzunehmender Titelaspirant. Und mittendrin in diesem Team ist Rakitic. Aus dem kleinen Jungen, der damals begeistert das Geschenk seines Papas entgegennahm, ist mittlerweile ein weltweiter Star geworden.

«Ich fühle mich zu einem Grossteil als Schweizer.» //Ivan Rakitic

Ausgebildet beim FC Basel, hat sich Rakitic aufgemacht, die ganze Schweiz stolz zu machen. Und das, obwohl er sich 2007 entschieden hat, für Kroatien und nicht für die Schweiz zu spielen. Ein Entscheid, der ihm und seiner Familie Morddrohungen einbrachte.

In Basel hofft man immer noch auf eine eventuelle Rückkehr von Ivan Rakitic. © Bereitgestellt von KEYSTONE In Basel hofft man immer noch auf eine eventuelle Rückkehr von Ivan Rakitic.

Ein Entscheid auch, den er im Interview mit der «Nordwestschweiz» im vergangenen Herbst so erklärte: «Es war eine Entscheidung für Kroatien und nicht gegen die Schweiz. Die Anziehungskraft und die Bemühungen Kroatiens waren einfach stärker. Aber ich fühle mich zu einem Grossteil als Schweizer.»

Eine Ausnahmeerscheinung

Vielleicht hat man ihm auch deshalb verziehen. Elf Jahre sind seit dem Moment, als er dem Schweizer Verband telefonisch ab- und dem kroatischen zugesagt hat, vergangen. Mit dem Entscheid hatte er seinen Vater zum Weinen gebracht. Vor Freude. Auch sein Vater hatte Fussballer werden wollen, gab seine Karriere aber auf, als er in die Schweiz geflohen war. «Ich habe immer gesagt, dass ich jenes Leben leben darf, das er gerne gehabt hätte», sagt Rakitic.

Und: Dass in dieser fussballverrückten Familie einfach einer habe Profi werden müssen. Dass er gleich so erfolgreich werden würde, davon hat wohl auch Rakitic nicht zu träumen gewagt. Er ist zu einem Spieler geworden, den man sich in Basel zurückwünscht, in Sevilla vermisst und der beim grossen FC Barcelona als unersetzbar deklariert worden ist. Er ist eine Ausnahmeerscheinung.

Das Metronom eines Weltklubs und eines WM-Halbfinalisten. Kongenialer Partner des Genies Luka Modric. Nur wer dessen Niveau hat, kann sich so mit ihm ergänzen. Und das tut Rakitic. Trotz all dieser Extraklasse sagt er von sich selber, immer noch «der Ivan aus Möhlin zu sein».

Auf Augenhöhe mit den 98er-Helden

Wenn Rakitic für Kroatien spielt, dann schaut sein ganzes Dorf zu. Der NK Pajde – der von seinem Vater gegründete Fussballklub – organisiert Fussball-Feste, um dem Helden zuzuschauen. Mittlerweile ist Rakitic aber weit über Möhlin hinaus ein Held. Seiner unglaublichen Ruhe haben es die Kroaten zu verdanken, dass sie im Halbfinal stehen.

In den Elfmeterschiessen gegen Dänemark und Russland verwandelte er jeweils den letzten Penalty – als gäbe es nichts Einfacheres auf dieser Welt. Als würde nicht die Last der Hoffnung einer ganzen Nation auf ihm ruhen. Geschweige denn der Druck, den er sich selber macht.

Rakitic und Co. wollen endlich aus dem Schatten der goldenen Generation von 1998 um den heutigen Verbandspräsidenten Davor Suker treten. Mit dem Einzug in den Halbfinal haben sie deren Erfolg egalisiert. Suker war eines von Rakitics Idolen. Damals, als Klein Ivan jeden Abend in seinem Kroatien-Shirt schlafen ging, es immer in der Schule getragen hat. «Es war so speziell für uns. Nie mehr wollte ich etwas anderes tragen.»

Auch heute will Rakitic sein Kroatien-Shirt am liebsten nie ausziehen. Den Platz nie verlassen. Immer weiterspielen. Immer weiterkommen. Ein Spiel wird er nach dem Halbfinal an dieser WM mit Sicherheit noch bestreiten. Einmal noch wird er sein Shirt überstreifen. Entweder im Spiel um Platz drei oder im grossen Final. Er wird alles dafür geben, dass es das Endspiel sein wird.


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