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Deep Purple: Biedermänner beim Brandstiften

KURIER-Logo KURIER 19.05.2017 Guido Tartarotti

Deep Purple ließen es rauchen – und mehr.

Immerhin 7000 Menschen kamen in die Wiener Stadthalle, um Deep Purple zu sehen. Das ist durchaus erstaunlich, angesichts der immer noch extrem hohen Konzertdichte und angesichts der Tatsache, dass Deep Purple in den vergangenen Jahren nicht gerade im Ruf standen, eine spektakuläre Band zu sein. Kultstatus gestand man ihnen nicht zu.

Vielleicht liegt es daran, dass die Tour "The Long Goodbye" heißt und sich viele Zuschauer denken: Lieber jetzt, bevor es zu spät ist.

Als wollte er sein eigenes Image als ewiger Biedermann des Hardrock parodieren, kam Sänger Ian Gillan zum ersten Song "Time For Bedlam" mit Sonnenbrille und Glitzersakko auf die Bühne und sah aus, als wolle er eine Gameshow bei RTLII moderieren. Nach nur einem Song stand er eh wieder in Jeans uns Band-T-Shirt da.

Gillan wird bald 72, und das sieht man ihm an. Seine Motorik wirkt fast greisenhaft. Aber seine Stimme ist faszinierend stark, zumal er sich heute gestattet, auch tiefer zu singen. "Child In Time" lässt er schon lange aus.

Deep Purple-Bassist Roger Glover © APA/HANS KLAUS TECHT Deep Purple-Bassist Roger Glover

Besser und braver

Ian Paice, das letzte Gründungsmitglied, spielt immer noch beeindruckend Schlagzeug, Bassist Roger Glover hat sich eher noch verbessert. Organist Don Airey (seit 2002 statt Jon Lord dabei) und Gitarrist Steve Morse (seit 1994 statt Ritchie Blackmore in der Gruppe) sind die Virtuosen, das zeigen sie auch, aber ohne in sportmusikalische Eitelkeit zu verfallen. Was der Gruppe heute abgeht: Die Unberechenbarkeit, die Blackmore als Musiker und Mensch mitbrachte (und die den anderen gehörig auf die Nerven ging). Deep Purple sind ohne ihn eine bessere und gleichzeitig, paradoxerweise, ein bisschen fadere Band. Oder statt fadere besser: bravere.

Das machen sie aber durch starkes Spiel wett. Im Unterschied zu anderen Bands setzen sie nicht nur auf Nostalgie, sondern spielen vier Titel vom guten aktuellen Album "Infinite" und zwei von "Now What?!" von 2013. Natürlich werden die Biedermänner am Ende vorschriftsmäßig zu Brandstiftern, fackeln das Casino von Montreux ab und lassen den Rauch übers Wasser wehen. Aber man hat den Eindruck: Selbst dieser totgespielte Song macht ihnen Spaß.

Lidia Baich

Apropos Spaß: Die österreichische Geigerin Lidia Baich stieg drei Mal zum Jammen ein, und es war wirklich ein Vergnügen, zuzuhören.

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