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«Ich meide Parfümerien»

BZ Berner Zeitung-Logo BZ Berner Zeitung 06.10.2017 Melinda Bloch
«Ich meide Parfümerien» © (Berner Zeitung) «Ich meide Parfümerien»

Wie feiert ein Label, das mit Schlichtheit auftrumpft, einen neuen Duft? Und wer ist die Nase dahinter? Ein Gespräch mit dem französischen Parfümeur von Aesop bei der Lancierung des neusten Parfüms in London.

Bunte Verpackungen, skurril geformte Flaschen, kuriose Namen und prominente Gesichter als Werbeträger: Wer ein neues Parfüm sucht, wird normalerweise schon vor dem Kauf mit so vielen Reizen überflutet, dass einem auch ohne Parfüm ganz schwindlig wird.

Das kann einem auch im Aesop-Laden passieren. Aber nicht wegen des Drumherums: Die australische Marke, die dieses Jahr übrigens ihr 30-jähriges Bestehen feiert, reiht klassische, braune Flaschen auf ihre Regale. Was Parfüm ist, was Creme oder Shampoo, das ist auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich. Ak­tuell lanciert Aesop das dritte Parfüm, Hwyl. Wie also feiert eine Firma, die auf Schlichtheit setzt, eine neue Kreation?

Beim Unisex-Duft fällt jedenfalls als Erstes die Basisnote Weihrauch auf – ein Geruch, der Erinnerungen an die Sonntagsmesse weckt. Oder an Räucherstäbchen. Beides liebt oder hasst man, dezent ist das Parfüm also keinesfalls. Dazu kommen Zutaten wie Zypresse (riecht nach Wald) und Vetiver, tropisches Süssgras.

Wir treffen die Nase hinter Hwyl, den Pariser Parfümeur Barnabé Fillion, in London, wo das Parfüm in den Büroräumen von Aesop vorgestellt wird. Ein bisschen Pomp ist da aber schon: Dekoriert wurde mit reichlich Holz und Moos, und eine Art Nebelmaschine beweihräuchert die Besucher. Die sphärische Musik ist ganz schön laut.

Das Aesop-Team trägt unauffällige Gewänder, ähnlich einer Mönchskluft. Bei einem gemeinsamen Essen werden natürliche Gerichte wie Salat aus Bohnen, Pfirsichen und Haselnüssen oder Steinbutt auf Molkebutter serviert: eine Geschmacksexplosion, eingehüllt in den rauchigen, holzigen Duft des Parfüms. Etwas benebelt, treffen wir deshalb in der ruhigen Ecke ein, wo Barnabé Fillion mit einer Tasse Kaffee sitzt.

Herr Fillion, woher kommt Ihre Faszination für Düfte?Barnabé Fillion: Ich komme ursprünglich aus dem Bereich der Fotografie. Bei verschiedenen Projekten habe ich dabei zum Beispiel mit Architekten, Botanikern und eines Tages auch einem Parfümeur zusammengearbeitet. Dabei habe ich mich in die Welt der Düfte verliebt. Zu Anfang noch im Selbststudium, habe ich dann meine Passion für das Mischen verschiedenster Duftstoffe und Aromen entdeckt.

Wie halten Sie Ihre Nase fit?Ich meditiere viel und versuche möglichst viel Zeit in der Natur zu verbringen. Ich möchte die Dinge zuerst pur, draussen in der Natur riechen, bevor sie zur Kreation eines Duftes destilliert werden. Einen guten, gesunden Lebensstil bis hin zur Ernährung halte ich auch für wichtig. Ich sensibilisiere mich bewusst und übe auch konzentriert. Wenn ich zum Beispiel für einen Monat nicht mehr mit meinem Riechsinn gearbeitet habe, dann ist dieser eingerostet. Mit dem Riechen der immer selben Zutaten wärme ich mich dann langsam auf.

Was hat Sie zur Kombination dieser speziellen Zutaten bei Hwyl bewogen?Die Inspiration für den Duft bekam ich bei Reisen in Japan. Besonders die Urwälder, wo Bäume im Alter von 300 bis 7000 Jahren stehen, faszinierten mich. Diese Stille. Auch ein verlassener, mit Moos bewachsener Tempel zog mich in seinen Bann – daher der Weihrauch. Diese beiden Atmosphären wollte ich kombinieren.

Was bedeutet Hwyl überhaupt?Der Begriff stammt aus dem Walisischen und beschreibt eine starke Emotion, wie ein plötzliches Aufkommen von Gefühlen, eine Inbrunst oder Inspiration.

Wie wählen Sie persönlich Ihr Parfüm aus?Ich trage, woran ich arbeite und was mir ein gutes Gefühl gibt. Ich mag aber auch den Duft von nichts, dieser ist sehr kostbar für einen Parfümeur.

Und wie tragen Sie einen Duft?Ich trage Parfüm am liebsten auf der Haut und verfolge die Entwicklung.

Haben Sie im alltäglichen Leben einen Lieblingsduft?Ich bin ein Whiskyliebhaber und entdecke dabei gerne die verschiedenen Düfte und Aromen.

Ertragen Sie den öffentlichen Verkehr mit einer solchfeinen Nase?Ich überlebe es. Es stimmt schon, dass ich generell sensibler bin, ich meide die Welt aber deshalb nicht – ausser Parfümerien.

Wie bitte?
Wenn ich ein Parfüm entdecken will, dann lieber ganz für mich im Stillen.

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