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Grammys fest in Frauenhand – Ex-First-Lady als Überraschungsgast

Tages-Anzeiger-Logo Tages-Anzeiger 11.02.2019

Bei den Grammys 2019 haben Musikerinnen wie Alicia Keys oder Lady Gaga den Männern die Show gestohlen. Michelle Obama setzte noch einen drauf.

Hat mit ihrem Song «New Rules» im letzten Jahr überzeugt: Dua Lipa. (10. Februar 2019) © Matt Sayles/Keystone Hat mit ihrem Song «New Rules» im letzten Jahr überzeugt: Dua Lipa. (10. Februar 2019)

Die US-Country-Musikerin Kacey Musgraves hat bei der diesjährigen Grammy-Verleihung den Königspreis für das beste Album gewonnen. Ausgezeichnet wurde ihr Werk «Golden Hour», das bei der Gala in Los Angeles zuvor in der Kategorie bestes Country-Album triumphiert hatte.

In ihrer Rede dankte Musgraves ihrem Mann, der dabei geholfen habe, das Album möglich zu machen. Sie würdigte zudem die ebenfalls nominierten Künstler. «Zu gewinnen, macht mein Album nicht besser als jenes von irgendeinem anderen.»

Musgraves überschreitet in ihrem von der Kritik gepriesenen Album die Grenzen des Country-Genres und verbindet es mit Elementen der psychedelischen Musik. Sie gewann insgesamt vier Grammys. Ausgezeichnet wurde sie auch in der Country-Sparte für die beste Solo-Darbietung, den besten Song und das beste Album.

Rapper Childish holt wichtigen Preis

Ein weiterer grosser Gewinner des Abends war der Rapper Childish Gambino – das Musik-Pseudonym des Schauspielers Donald Glover. Auch er holte vier Preise. Für seinen mit Sozialkritik aufgeladenen Song «This Is America» gewann er die ebenfalls besonders prestigeträchtigen Grammys für den besten Song und die beste Aufnahme des Jahres.

Vor allem das dazugehörige Musikvideo, das voller Metaphern rund um Rassismus und Waffengewalt in den USA steckt, hatte für Gesprächsstoff gesorgt. Childish Gambino rappt über die Widersprüche eines Lebens als Afroamerikaner in den Vereinigten Staaten und tanzt im Video mit nacktem Oberkörper, während um ihn herum Gewalt und Chaos ausbrechen.

Die Menschen könnten sich unabhängig von ihrer Herkunft mit «This Is America» identifizieren, sagte Göransson über den Song. «Er prangert Ungerechtigkeit an, feiert das Leben und vereinigt uns gleichzeitig.» Glover erschien nicht zu der Verleihung. Auch Beyoncé und Jay-Z, Taylor Swift und Kendrick Lamar blieben der Gala fern.

Von Frauen beherrscht

Mit dem Song-Preis wird der Komponist geehrt, mit dem Aufnahme-Preis der Künstler sowie die Produzenten und Tontechniker. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Grammys, dass diese beiden Preise für einen Rap-Song verliehen werden.

Der von Sängerin Alicia Keys moderierte Abend wurde über dreieinhalb Stunden klar von Frauen beherrscht. Unter anderem waren Auftritte von Lady Gaga, Janelle Monáe, Jennifer Lopez und H.E.R. zu sehen. Besonders gefeiert wurden Soul-Sängerin Diana Ross und Country-Musikerin Dolly Parton.

Als Überraschungsgast im Staples Center trat die ehemalige First Lady der USA, Michelle Obama, auf. Die Frau von Ex-Präsident Barack Obama erschien am Sonntag im graugrünen Glitzerkleid auf der Bühne, zusammen mit den Sängerinnen Lady Gaga, Jada Pinkett Smith und Jennifer Lopez sowie Alicia Keys.

«Ob wir Country, Rap oder Rock mögen: Musik hilft uns dabei, uns selbst, unsere Würde und unser Leid, unsere Hoffnungen und Freude zu teilen», sagte die 55-Jährige. «Musik hat mir immer geholfen, meine Geschichte zu erzählen.»

Obama hatte während der Amtszeit ihres Mannes von 2009 bis 2017 im Weissen Haus gelebt und während dieser Zeit unter anderem für gesunde Ernährung geworben.

«Haben uns gesteigert»

Auch viele wichtige Preise gingen an Frauen: Neben der Trophäe für das beste Album des Jahres wurde Rapperin Cardi B zur ersten Frau, die als Solo-Künstlerin den Grammy für das beste Rap-Album gewann. Als beste neue Künstlerin des Jahres wurde die britische Sängerin Dua Lipa («New Rules») ausgezeichnet. Die 23-Jährige verwies in ihrer Dankesrede darauf, dass dieses Jahr viele grossartige Künstlerinnen für Preise in den insgesamt 84 Kategorien nominiert worden seien.

«Offenbar haben wir uns richtig gesteigert», sagte Dua Lipa. Ihr Kommentar war ein Seitenhieb auf Neil Portnow, scheidender Präsident der für die Grammys zuständigen Recording Academy. Portnow hatte vor einem Jahr gesagt, Frauen müssten sich «steigern», wenn sie bei der Verleihung stärker vertreten sein wollten. Nach Kritik von Fans und Musikerinnen erklärte er, den falschen Ton getroffen zu haben, und kündigte Massnahmen an, um «eindeutige Hürden und unbewusste Vorurteile» gegenüber Frauen in der Musikindustrie abzubauen.

Die meisten Preise waren schon vor Beginn der grossen Show in einer kleineren Zeremonie ohne Fernsehübertragung verliehen worden. So erhielt Superstar Lady Gaga bereits vorab zwei Preise. Ausgezeichnet wurde sie für den besten Solo-Auftritt in der Popsparte für ihren Song «Joanne (Where Do You Think You're Goin'?)» und als Komponistin für die Ballade «Shallow» aus dem Film «A Star Is Born».

Greta Van Fleet sicherten sich den Preis für das beste Rockalbum.

Ex-Präsident Carter bekommt dritten Grammy

Ariana Grande heimste einen Grammy für das beste Pop-Gesangsalbum für «Sweetener» ein. Der Rapper Childish Gambio wurde ebenfalls für das Video zu seinem Song «This Is America» geehrt. In dem Clip prangert er Schusswaffengewalt und Rassismus in den USA an. Der experimentierfreudige und die Genregrenzen überschreitende Sänger, Instrumentalist und Komponist Beck gewann mit «Colors» den Preis für das beste Album in der Kategorie «Alternative Music».

Dreimaliger Grammy-Preisträger ist nun Ex-US-Präsident Jimmy Carter. Bei der Verleihung gibt es auch eine Sparte für das beste Album mit gesprochenem Wort, in der sich Carter mit seiner Produktion «Faith – A Journey for All» durchsetzte. 2016 hatte er in der gleichen Kategorie bei den Grammys mit «A Full Life: Reflections at Ninenty» reüssiert, im Jahr darauf mit dem Audiobuch «Our Endangered Values: America's Moral Crisis».

Die Grammy-Kategorie umfasst neben Audiobüchern auch gesprochene Gedichte und Geschichten. Der 94-jährige Carter nahm nicht an der Zeremonie vor der Hauptshow teil.

Die komplette Liste der Grammy-Gewinner finden Sie hier.

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