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Mein Bobbycar hat 180 PS und fährt 119 Sachen

WELT-Logo WELT 15.08.2018

Wie gut, dass Dirk Auers Tochter schon älter ist. Sonst müsste sie mit ihrem Vater heftig um das Bobbycar streiten. Denn der Extremsportler rast auf dem Spielzeug schneller, als manche Auto fahren.

Wenn der Mann in seiner Jugend mal nicht zu lang mit den Figuren von Evel Knievel gespielt hat. Denn irgendwie ist Dirk Auer aus Groß-Gerau genauso ein Draufgänger wie der amerikanische Stuntman. Nur dass der 46-jährige Hesse seine Sucht nach Speed nicht auf dem Motorrad auslebt, sondern auf einem Gefährt, das für gewöhnlich von Kindern bewegt wird: einem Bobbycar.

Damit hat er Anfang August 2018 sogar einen Weltrekord aufgestellt und als erster Mensch ein Spitzentempo von 119 km/h erreicht. Und da wäre sogar noch mehr drin gewesen, denn Auer wurde durch einen technischen Defekt eingebremst, sonst hätte es für 150 bis 200 km/h gereicht, da ist er sich ganz sicher.

Mit dem Bobbycar, mit dem früher seine Tochter gespielt hat, hat Auers Rennversion freilich nicht mehr viel gemein. Die Karosserie ist aus Carbon, das Fahrwerk wurde verstärkt, das Lenkrad ragt weiter aus dem Wagen und der Sitz trägt den ausgewachsenen Mann.

Vor allem aber hat das Bobbycar jetzt einen Antrieb – und was für einen: Eine kleine Jetturbine im Wagen und zwei, die sich Auer an die Arme schnallt, leisten zusammen 180 PS und ermöglichen Beschleunigungswerte, bei denen selbst für einen Lamborghini die Luft dünn wird: "Viel mehr als 2,5 Sekunden von 0 auf 100 sollte ich nicht brauchen, wenn alles glatt läuft", sagt Auer.

Dummerweise ist bei seinem Rekordversuch nicht alles glatt gelaufen. Eine Turbine hat beim Training nicht gleich gezündet, ist dann abgesoffen und am Ende mit einem großen Feuerball doch noch angegangen. Das sah zwar spektakulär aus, hat Auer aber zwei Drittel seiner Leistung gekostet, und er musste den Rekord mit einem Triebwerk brechen.

Und so ganz ungefährlich war es auch nicht. Aber darauf kommt es dann wohl auch nicht mehr an, wenn er sich beinahe auf dem Rücken liegend und nur mit einem Motorradanzug bekleidet mit 120 Sachen zwei handbreit über den Asphalt schießen lässt und nichts als die Fußsohlen zum bremsen hat.

Weltrekorde mit dem Auto? Das ist zu teuer!

German extreme athlete Dirk Auer drives on his jet-powered Bobby car to set a new world record at 119.68 km/h during an airport racing event in Bottrop-Kirchhellen, western Germany, August 5, 2018. REUTERS/Wolfgang Rattay © REUTERS German extreme athlete Dirk Auer drives on his jet-powered Bobby car to set a new world record at 119.68 km/h during an airport racing event in Bottrop-Kirchhellen, western Germany, August 5, 2018. REUTERS/Wolfgang Rattay

Angst hat Auer dabei keine. Der Ingenieur ist gefährliche Aktionen mit hoher Geschwindigkeit gewöhnt. Schließlich hat er sich auch schon mit seinen Raketen auf Inlineskates schnallen lassen oder sich an einen über 300 km/h schnellen Sportwagen gehängt. Und Fallschirmsprünge mit Turbinenantrieb am Arm und Bobbycar unter dem Hintern macht man auch nicht alle Tage.

Zwar kann er es kaum erwarten, bis er in ein, zwei Monaten einen neuen Anlauf nehmen kann. Im normalen Straßenverkehr ist er jedoch eher gesittet unterwegs. Und wenn er nicht gerade irgendwelche irrwitzigen Rekorde bricht, arbeitet der Ingenieur für einen Spritzgussspezialisten, der zum Beispiel Kleinserienteile für die Motorsportabteilung von Porsche herstellt.

Trotzdem ist er noch nie auf die Idee gekommen, auch Autos zu tunen und damit Rekorde zu fahren. Auf der Straße reicht ihm sein 300 PS starker Jaguar F-Type. "Denn wer da was reißen will, muss schon einen Raketenantrieb bauen oder einen Bugatti tunen", hat er gelernt. Und beides ist für den Hessen finanziell nicht darstellbar.

Selbst wenn jede Turbine 7000 Euro gekostet hat, war der Umbau des Bobbycar dagegen ein Schnäppchen, sagt Auer. Und mehr Aufmerksamkeit ist ihm damit auch noch sicher. Denn wenn mit 120 Sachen und einem gewaltigen Feuerschweif ein Bobbycar an einem vorbeirast, dreht sich selbst nach einem Bugatti keiner mehr um.

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