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Wie ein 3D-Drucker einen historischen Grand-Prix-Wagen rettete

Michelin-LogoMichelin 14.07.2017
© ABC Radio Melbourne/Fiona Pepper

Wenn man ein Problem mit seinem Auto hat, bringt man es normalerweise in die Werkstatt. Wenn aber dieses Auto ein unbezahlbarer, 103 Jahre alter Grand-Prix-Rennwagen ist, dann ist die Sache nicht ganz so einfach.

Das war genau das Problem von Stuart Murdoch, einem pensionierten australischen Anwalt und Richter, als er bemerkte, dass Wasser aus dem Auspuff seines 1914er Delage Typ S austrat.

„Die Mechaniker fanden heraus, dassdie Zylinderkopfdichtung hinüber war.. Ich musste in diesem Moment die Entscheidung treffen, ob der Wagen - nun ein Museumsstück werden sollte oder ob ich in den sauren Apfel beißeund einen neuen Motorblock anfertigen lasse“, erzählt Murdoch dem australischen Sender ABC.

Einen Ersatzmotorblock mithilfe der traditionellen Gießverfahren herzustellen wäre unglaublich schwer und kostspielig gewesen. Also habe ich mich auf Empfehlung des Oldtimer-Restaurierungsspezialisten Grant Cowie für einen anderen Ansatz entschieden.

© ABC Radio Melbourne/Fiona Pepper

„Ich wusste, dass die in Frage kommende Methode, die auf der Verwendung eines Holzmodells basiert, zu teuer wäre und mit einem so komplizierten Gießverfahren hätte es womöglich mehrerer Versuche bedurft, um es richtig hinzubekommen“, sagt Cowie dem ABC.

Cowie kam die Idee, stattdessen einen 3D-Druck zu verwenden, um den Ersatzblock anzufertigen. Der 3D-Druck, ein Herstellungsverfahren, bei dem dreidimensionale Werkstücke schichtweise aufgebaut werden, um eine gewünschte Form zu erhalten, kommt heutzutage häufig in der Automobilindustrie zum Einsatz.

Einen kompletten Motorblock mithilfe eines 3D-Drucks herzustellen ist jedoch etwas, was bisher noch selten jemand, wenn überhaupt, versucht hat.

© ABC Radio Melbourne/Fiona Pepper

Die Raffinesse des 4,5-Liter-Delage-Motors verkomplizierte den Prozess noch weiter. Er umfasst zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder und eine desmodromische Ventilsteuerung, wie bei einem Ducati-Motorrad, die für eine Leistung von mehr als 110 PS sorgt. Dieses damals sehr fortschrittliche Paket wurde durch Allradbremsen und einem Fünf-Gang-Getriebe abgerundet.

Murdochs Delage Type S war einer von vier identisch gebauten Wagen, die für des französischen Grand Prix im Juli 1914 konzipiert worden waren. Drei nahmen letztendlich am Rennen teil, aber nur einer beendete das Rennen und erreichte Platz acht.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges legte den Rennsport in Europa lahm und die Autos wurden in die USA verkauft. Mindestens einer wurde 1925 nach Australien verschifft, wo er eine Reihe von Besitzern hatte und bis in den 40er Jahren im Rennsport zum Einsatz kam, um dann vom berühmten australischen Rennfahrer Lex Davison aufgekauft zu werden.

Allerdings trat Davison mit dem Delage niemals in einem Rennen an, sondern parkte und ignorierte ihn stattdessen fast 30 Jahre lang. Murdoch kaufte ihm das Auto ab, als es sich im Prozess der Wiederherstellung befand, und bis zum Auftreten des Wasserlecks genoss er viele Jahre weitgehend störungsfreies Fahren.

© ABC Radio Melbourne/Fiona Pepper

Um seinen ehrgeizigen Restaurierungsplan in die Realität umzusetzen, wurde Industriedesigner Phillip Guilfoyle als Projektleiter ernannt und eine Gruppe von High-Tech-Unternehmen wurde zusammengestellt, die auf die Bereiche Herstellung, Scannen, Drucken, und Metallurgie spezialisiert waren.

Der ursprüngliche Block wurde von innen und außen gescannt, um ein digitales Bild von ihm zu erhalten. Dadurch sparte man Tausende von Stunden beim Modellbau und monatelange Arbeit konnte in wenigen Tagen erledigt werden.

Die gescannten Daten wurden dann verwendet, um das digitale Bild des kaputten Blocks auf dem Computer zu reparieren. Dieses Bild wurde dann zur Erstellung einer Sandform genutzt. Hierbei kam der 3D-Druck zum Einsatz, mit dessen Hilfe die Form erstellt wurde.

Ein neuer gusseiserner Block wurde in die Form gegossen und dann auf traditionelle Weise mit der Maschine bearbeitet.

„Meinem Verständnis nach wurde dies noch nie zuvor in der Welt bei einer Autorestaurierung versucht,“ sagt Guilfoyle zu ABC. „Wir wollten das Ding auf jeden Fall durchziehen, denn der Delage ist ein einzigartiges Erbstück für die Menschheit und muss bewahrt werden. Deshalb hatten wir keine andereWahl, wir mussten alles richtig machen.“

© ABC Radio Melbourne/Fiona Pepper

Im Dezember 2016, nur 12 Monate nach Beginn des Projekts, wurde der Wagen dann mit seinem neuen Motor angelassen.

Es war ein Triumph für Cowie, Guilfoyle und sein Team. Und natürlich eine Erleichterung für Murdoch.

„Was hier absolviert wurde, fällt in den Bereich der Wunder, der Motorblock ist ein echtes Klon des Originals“, schwärmt Murdoch. „Ich habe dem Team vertraut und wurde nicht enttäuscht. Es ist eine beachtliche Leistung für alle Beteiligten und, wenn ich so sagen darf, ein ermutigender Erfolg für das australische Ingenieurwesen.“

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