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Kalifornien-Roadtrip entlang des Highway 1 - Jubiläumstour: 30 Jahre VW California

Promobil-Logo Promobil 14.06.2018 Ulrich Kohstall


Mit einem California nach Kalifornien – das klingt irgendwie logisch, ist es aber gar nicht. Der California wurde von VW niemals in den USA angeboten. Um genau zu sein, gelangen seit 2003 überhaupt keine VW-Busse mehr über den großen Teich. Der California Ocean TSI 4-Motion, mit dem wir uns gerade im Feierabendstau von Los Angeles in Richtung Küsten-Highway bewegen, kam eigens für unsere Jubiläumstour zum 30. California-Geburtstag per Schiff an die Westküste. Deshalb darf er vorne noch sein deutsches Kennzeichen vorzeigen, während ein provisorisches US-Nummernschild das Heck ziert. Die Multifunktionsanzeige im Cockpit wurde auf Meilen umgestellt.

Sonst ist alles so, wie man es kennt. Vielleicht mit der Ausnahme der neuen Ocean-Red-Ausstattung und des bei uns seltenen TSI-Benziners unter der Haube. Dass ein California in Kalifornien doch so etwas wie eine zweite Heimat hat, wird uns wenige Augenblicke später klar. Ein beiger VW T3 mit Westfalia-Ausbau hat sich auf die rechte Spur neben uns vorgeschoben. Sein Fahrer, jünger als der Bulli, kurbelt die Scheibe herunter, will alles über unseren Bus wissen und verabschiedet sich zuletzt mit den Worten: Wollen wir tauschen?

Der VW California steht für ein Stück Kultur

In den folgenden Tagen gewöhnen wir uns daran: Wo immer der California entlang des Highway 1 auftaucht, zieht er Blicke auf sich, sorgt für Begegnungen. Hier an der Westküste stehen VW-Busse für ein Stück Kultur. Sie sind eine Blech gewordene Unabhängigkeitserklärung der Surfer, die aus den weiten Stränden, kräftigen Pazifikwellen und dem nur selten von plötzlichem Küstennebel unterbrochenen Sonnenschein eine Lebenseinstellung gewonnen haben. Gleichzeitig retten alte Bullis einen sichtbaren Teil der Hippie-Bewegung in die Gegenwart.

Einige Ideen dieser Ära sind in Kalifornien erstaunlich lebendig: Wir entdecken Öko-Bauernhöfe und Bioläden, Mülltrennung und Fahrradwege. Kein Wunder, dass ikonenhafte Bilder der VW-Oldies heute mit wenigen Strichen das ganze Westküstengefühl transportieren – und deshalb in keinem Souvenirshop fehlen. Als der erste VW California vor 30 Jahren auf dem Caravan-Salon auftaucht, haben bereits drei Bus-Generationen ihre kalifornische Geschichte geschrieben. Doch auch auf dem deutschen Heimatmarkt ist es 1988 nicht zu übersehen: Der VW T3 mit seinem Heckmotor hat nach fast zehnjähriger Bauzeit den Zenit längst überschritten.

Dass er als California noch einmal so richtig in Schwung kommt, verdankt er einem simplen Rezept: VW sichert sich die Einrichtung des bewährten Westfalia Joker, kümmert sich mit seinem großen Händlernetz selbst um den Vertrieb und senkt den Grundpreis gegenüber dem Joker um 10.000 Mark auf 39.900 Mark. Der Verkaufserfolg des zunächst nur als Sondermodell angebotenen California bringt weitere Dach- und Ausstattungsvarianten hervor. Zwei Jahre später – beim Wechsel vom T3 zum T4 und damit vom Heck- zum Frontmotor – setzt VW die Idee nahtlos fort. Westfalia bleibt Ausbaupartner – bis VW für den T5 Einrichtung samt Dach selbst entwirft und baut. Auch das ist schon 15 Jahre her.

Das Gefühl in einem Pkw zu sitzen

Unser Volkswagen T6 California Ocean darf als bislang höchste Evolutionsstufe dieser Historie gelten. Der Grundriss hat sich seit Heckmotortagen nie verändert, nur dass er schon lange alles Behelfsmäßige weit hinter sich gelassen hat. Klar, in einem Auto, das weniger Fläche einnimmt als die gängigen Pickups auf US-Straßen, muss man auf Dusche und WC verzichten. Nicht aber auf das per Knopfdruck hochsurrende Aufstelldach oder überraschend bequeme Betten. Als eine Art Kernkompetenz vermittelt der aktuelle California aber vor allem das Gefühl, in einem Pkw mit gehobenem Anspruch zu sitzen, und zwar ansatzlos vom Lenkrad über den Ausbau bis zu den LEDs in der Innenverkleidung der Heckklappe.

Tipps zum Übernachten im Hinterland

Wo übernachtet man am besten mit einem California in Kalifornien? Unmissverständliche Verbotsschilder schließen attraktive Parkbuchten am Meer aus. Der Schlafplatz hoch über dem Highway 1 befindet sich auf dem Privatgrund einer Farm und soll nicht bekannt werden.Es gibt aber auch öffentlich zugängliche Reisemobilplätze mit Pazifikblick wie den Faria Beach Park in Ventura. Dort kommt man sich zwischen 15-Meter-Riesen mit enormen Slide-Outs aber ein wenig verloren vor. Geheimtipps liegen eher im Hinterland, wie etwa die Songdog Ranch am Ballinger Canyon, die größere und weniger geländegängige Mobile schon wegen der abenteuerlichen Zufahrt ausschließt.

Viel Komfort darf man hier nicht erwarten. Das muss auch nicht sein. Markise, Klappstühle und Tisch an Bord verlängern den Lebensraum des California wie selbstverständlich nach draußen. Wenn man an den Ausläufern der Sierra Nevada nachts die Sterne beobachtet, die ohne Streulicht der Städte erst richtig leuchten, hat man alles, was man braucht. Minimalismus, wie man ihn von frühen Bullis kennt, bleibt im California Ocean Red auf das Layout des Wohnraums beschränkt. Er rechtfertigt seinen Preis, der mit passenden Extras ganz locker die 80.000-Euro-Marke überspringt, nicht zuletzt beim Fahren.

Hat man in der Aufpreisliste die richtigen Häkchen gesetzt, steht das Ausstattungsarsenal ähnlich teuren Luxuslimousinen kaum nach. Doch die reine Aufzählung von Assistenzsystemen beschreibt nicht, was California-Touren wirklich ausmacht. Aus einer rundum entspannten Sitzposition erlebt man ein präzises Fahrverhalten und eine sauber abgestimmte Federung, die bei Reisemobilen keineswegs selbstverständlich ist. Das gilt umso mehr für den feinen Ausbau, der auch beim oft unvermeidlichen Überfahren übler Schlaglöcher auf vernachlässigten Nebensträßchen wohltuende Ruhe bewahrt.

Stressfrei ans Ziel dank Automatik

Der 204-PS-Benziner kommt mit dem hohen Eigengewicht unseres California 4-Motion erfreulich unangestrengt zurecht. Nicht zuletzt dank DSG-Automatik fährt man mit niedrigen Drehzahlen stressfrei dahin – ohne dass der wenig aufregende Vierzylinder jedoch echte Vorteile gegenüber TDI-Motoren vorweisen könnte.

Die stark tempolimitierten Küstenstraßen ermöglichen immerhin Verbrauchswerte unter 10 Liter. Doch spielt das hier beim Blick auf günstige Spritpreise und die vor der Küste sichtbaren Bohrinseln überhaupt eine Rolle? Auf der Route in Richtung San Francisco fällt uns der T3-Fahrer wieder ein, der seinen Westfalia-Oldie zum Tausch angeboten hatte. Cool wäre das schon. Schließlich haben drei Jahrzehnte Weiterentwicklung den California bis zu einer gewissen Nüchternheit perfektioniert – aber würden wir wirklich verzichten wollen? Sagen wir es lieber so: Die gefühlte Heimat des neuen California liegt auf jeden Fall in Kalifornien, und ein Klassiker ist er allemal, wahrscheinlich auch noch in 30 Jahren.

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