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10 Japaner zum Liebhaben - Youngtimer und Oldtimer aus Japan

auto motor und sport-Logo auto motor und sport 04.07.2020 Peter Michaely

Kopieren geht über Studieren, hieß es einst über japanische Autohersteller. Doch ab den 60ern zündeten sie ein Technik- und Marketing-Feuerwerk. Wir erzählen die Geschichte und präsentieren zehn Trendsetter.

© Archiv

Das erste japanische Auto, das auto motor und sport testet, lässt das Herz von Autor Gert Hack 1967 im Takt der Drehzahl seines 791-Kubikzentimeter-Motörchens höherschlagen. Ein "kleiner Knüller" sei dieser Winzling, der Drehzahlen bis 10.000/min mühelos verkrafte, schreibt Hack. Seine Elastizität, die sportlichen Fahreigenschaften und die hoch entwickelte Motortechnik machten ihn auch für deutsche Autobauer zum Vorbild – zumal angesichts des günstigen Preises: "Es lohnt sich, einen Blick unter seine Motorhaube zu werfen", urteilt Gert Hack. Womöglich haben Sie’s gewusst: Die Rede ist vom Honda S800.

Der "Rappelrutsch"

Nur ein Jahr später folgt unter der Überschrift "Der Rappelrutsch" die eiskalte Dusche. Diesmal geht es um den Honda N360, ebenfalls ein Kei-Car, wie die beliebten, weil steuerbegünstigten Kleinwagen in Japan heißen. Motorcharakteristik und Komfort seien eine Zumutung, schimpft Tester Reinhard Seiffert, das Auto tauge bestenfalls zum Stadtmobil. "Ein Citroën 2CV ist im Vergleich dazu ein komfortabler Straßenkreuzer." Das hat gesessen!

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die japanischen Hersteller damals wandeln, bis sie ab Anfang der 70er-Jahre auf dem deutschen Markt Fuß fassen. Der Rückstand scheint riesig. 1919, als sich Stuttgart bereits zu einer Auto-Metropole entwickelt hat, erlässt Japans Regierung eine erste Straßenverkehrsordnung – wobei von "Straßen" kaum die Rede sein kann, die Pisten im Land der aufgehenden Sonne sind bestenfalls für Pferdekarren geeignet. Mitsubishi etwa, groß geworden mit Schiffen, Banken, Bergwerken und einer Brauerei, hat sein erstes Auto erst zwei Jahre zuvor gebaut und ungeniert von Fiat abgekupfert. Toyota verdankt seinen Aufstieg dagegen dem mechanischen Webstuhl, den Sakichi Toyoda entwickelt hat. Autos werden erst ab 1936 gebaut.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg die großen Firmenverbünde zunächst zerschlagen werden, kann von einer nennenswerten Autoindustrie immer noch keine Rede sein. Zudem ist der japanische Markt durch hohe Importzölle abgeschottet. Im Land selbst sind Kleinwagen, Lastendreiräder und Lkw für den Wiederaufbau gefragt. Infolge des Korea-Kriegs (1950–1953) setzt ein Aufschwung ein, unterstützt durch Finanzspritzen aus den USA. Aber erst nach einer nationalen Wirtschaftskrise 1963 betreiben die japanischen Hersteller eine zunehmend auf Ausfuhr gerichtete Vertriebspolitik: Exportierten sie 1961 nur 11.000 Autos, sind es 1975 schon fast drei Millionen.

Bahnbrechende Technik

Dass Studieren über Kopieren geht, finden japanische Ingenieure schnell heraus. Bereits in den 1970er-Jahren entwickelt Mitsubishi zum Beispiel die sogenannte Silent-Shaft-Technologie für Vierzylinder-Benziner. Zwei Ausgleichswellen mit Gegengewichten rotieren dabei mit doppelter Kurbelwellendrehzahl. Die Folgen: vorzügliche Laufruhe und überrumpelte Konkurrenten wie Porsche, Saab und Fiat, welche die Technik in Lizenz nutzen.

Die Silent-Shaft-Technik kommt unter anderem im 1982 präsentierten Starion zum Einsatz, der dem Turbolader in der japanischen Großserie zum Durchbruch verhilft. Mit elektronisch gesteuerter Einspritzung und Anti-Schleuder-Brems-System ASBS, das einen G-Sensor zur Bremsdrucksteuerung verwendet, wirkt der Starion so modern wie eine zeitgenössische Atari-Spielekonsole.

Technik-Innovationen: VTEC, 4WS, usw.

Honda wiederum führt 1983 – zunächst für Motorräder – die variable Ventilsteuerung VTEC ein. Sie kommt später auch in einer Vielzahl von Autos zum Einsatz. Entwickelt wird sie ursprünglich für die Formel-1-Motoren von Honda, die bis in die frühen 90er Siege in Serie einfahren. Mitsubishi, Subaru und Toyota sind dagegen im Gelände erfolgreich: In den 90er-Jahren gewinnen sie unermüdlich auf den Rallyepisten rund um den Globus.

Mit dem Ende 1978 in Deutschland eingeführten Colt zielt Mitsubishi sogar mit Erfolg ins Golf-Segment. Highlight der GLX-Version ist ein spezielles Vorgelege, mit dessen Hilfe zwischen einer Spar- und einer sogenannten Spurtstufe gewechselt werden kann.

Die Konkurrenz staunt auch, als Toyota als Extra für die Mittelklasse-Limousine Corona 1982 auf dem Heimatmarkt die erste Ultraschall-Einparkhilfe der Welt vorstellt. Das "Sonar-System" verfügt über Sender in der hinteren Stoßstange und ein nach vorne gerichtetes Warngerät auf der Hutablage, das an den Kopf von E.T., dem Außerirdischen, erinnert, allgegenwärtig im Kinoknüller des Jahres. Doch das ist reiner Zufall.

Auch Subaru lässt in jener Zeit mit ungewöhnlicher Technik aufhorchen: Für den Allrad-Zwerg Justy ist ab 1987 ein stufenloses ECVT-Getriebe erhältlich. Allrad-Erfahrung hat Subaru da schon lange. 1972 kommt im Leone Station Wagon ein zuschaltbares 4x4-System zum Einsatz, in Verbindung mit einem Boxermotor. In Deutschland gibt es die Kombination erst ab 1980 im Leone II (1800 4WD), mit dem die Subaru-Erfolgsgeschichte hierzulande beginnt. Mit Forester und Outback mausert sich der Hersteller in den späten 90ern folgerichtig zum Vorreiter bei den Gelände-Kombis. 2008 folgt im Forester III auch der weltweit erste Boxer-Diesel, der jedoch mit technischen Problemen nervt.

Der erste japanische Vergleichstest-Sieger

Vom Test des Honda S800 bis zum ersten Vergleichstest-Sieg eines Japaners in auto motor und sport dauert es 20 Jahre. Nicht dem MX-5, mit dem Mazda 1989 eine weltweite Roadster-Renaissance auslöst, gebührt diese Ehre, sondern dem biederen 626. Er setzt sich 1987 gegen Audi 80, Ford Sierra, Peugeot 405 und Renault 21 durch. Und zwar aufgrund seiner Ausgewogenheit. "Bis auf kleine Fahrwerksschwächen gibt sich der Japaner keine Blöße. Er ist geräumig, funktionell, gut verarbeitet, ordentlich motorisiert und bei besserer Ausstattung deutlich billiger als die Konkurrenz." So sind sie eben, die Japaner.


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