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Ans Kap klappt „e“ nicht? - Mit VW e-Crafter und Plugvan-Ausbau ans Nordkap

Promobil-Logo Promobil 27.11.2020 Heiko P. Wacker

Das Nordkap ist ein Sehnsuchtsziel, weiter nach Norden kann man in Europa nicht fahren. Aber geht das auch elektrisch, Mit einem e-Crafter von VW? Ja, das geht. Man muss es aber schon wollen.

© Frank Eusterholz/VW Nutzfahrzeuge

Die Idee, im Reisemobil ans Nordkap zu fahren, die reizt viele Camper. Frank Eusterholz ist jedoch auch Fan der E-Mobilität: Warum also nicht elektrisch ans Kap! "Eins kam zum anderen, und so ergab sich letzten Winter die Chance, die Reise in einem e-Crafter von Volkswagen, also mit Stil, anzugehen", berichtet Frank begeistert von der spontanen Unterstützung aus Hannover. Doch mangelte es dem großen Stromer noch an den Reisetalenten.

"Einfach einen Campingausbau ins Auto zu schrauben, das war natürlich kein Thema. Als Alternative kam Plugvan ins Spiel: Das Camping-Modul wird unkompliziert in den Laderaum geschoben." Natürlich war man bei Plugvan zunächst skeptisch: "Ich dachte, ich hab mich verhört", meint Florian Fey noch heute. "Andererseits war uns aber allen klar: Wann hat man schon einmal die Chance, bei so einer verrückten Aktion mitzumachen?" Damit war der zweite, wichtige Baustein geklärt und Frank konnte mit der Streckenplanung entlang diverser Strom-Zapfstellen beginnen: "Ich wollte pünktlich zur Mittsommernacht am Kap sein, das war die Idee." Und dann kam das Coronavirus ...

Schnitt! Einige Monate später, Mittsommer ist längst vorbei, die Grenzen wieder offen, der Weg zum Kap ebenso. "Anfang August fiel die Entscheidung: Wenn nicht jetzt – wann dann? Und alle spielten mit. Also ab nach Hannover, den e-Crafter abholen und direkt nach Norden – das Wohnmodul konnte ich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion bei Hamburg auf einem Rastplatz übernehmen. Das hat zum Glück gepasst."

Viele Ladepausen – nichts für Ungeduldige

Warum? Nun, der Laderaum des e-Crafter liegt 100 Millimeter höher als beim Diesel-Modell, die Akkus im Boden brauchen eben Platz. Den Raum im Wohnmodul selbst nutzte Frank, um noch eine Mikrowelle, eine Induktions-Herdplatte und eine Espressomaschine unterzubringen. "Mir war klar, dass ich angesichts der vielen Ladestopps Zeit für Pausen haben würde." Denn eigentlich ist der e-Crafter nicht für einen Marathon konzipiert, sondern für die letzte Meile in der Stadt. Hier reicht die 35,8 Kilowattstunden speichernde Batterie völlig aus, theoretisch liegt die Reichweite bei rund 170 Kilometern. "Faktisch sind es aber allerhöchstens 120, besonders mit Beladung. Zur Sicherheit hab ich immer 40 Kilometer Notreserve eingeplant."

Folglich lagen die "Hoops" zwischen 30 und 90 Kilometern: "Exakt 95 Mal stand ich auf der Tour an einer Ladesäule, meist fünf bis sieben Mal am Tag, wobei die Akkus sehr heiß wurden." Entsprechend verlängerte sich die Ladezeit immer mehr: "Nach dem dritten Ladevorgang verdoppelte sich die Wartezeit, dann tankt man zwei Stunden, um eine zu fahren. Und auch das meist nur mit Tempo 50 oder 60."

Ein Graus, gerade auch wegen der Laster, denn "die fahren in Skandinavien wie die Berserker". Die Route ab Hannover möchte man dennoch direkt nachreisen: Nach dem Stopp in Samsø, hier ist Frank seit einigen Jahren zu Hause, "ging es über Hirtshals, Kristiansand, Oslo, Trondheim und Alta bis ans Nordkap".

Acht Tage benötigte er für den Trip in den Norden: "Bei Alta in Nordnorwegen konnte ich ein letztes Mal an eine Schnellladestation. Auf den letzten hundert Kilometern gab es dann aber überhaupt keine Gelegenheit zum Nachfassen." Frank schaudert noch immer – und man fiebert mit ob seiner Erzählung zum plötzlichen Wetterglück. "Ich wusste, dass das Finale eine knappe Sache wird. Und wie ich da noch so nachdenke, welche Strategie nun angesagt wäre, kommt plötzlich ein Wind auf, so ein richtig heftiger Südwind. Und da war mir klar: Mit Rückenwind ziehe ich das jetzt durch!"

Regelrecht segelnd rollt der e-Crafter schließlich Richtung Kap: "Ich wusste ja, dass ich am Nordkap-Hotel Strom bekomme, das war mein großes Ziel am Horizont. Als ich schließlich dort stand, hatte ich gerade mal noch zehn Kilometer Restreichweite." Spannung pur sozusagen – Ankunft mit fast völlig leerem Akku.

Rückreise über die Lofoten

Tags darauf war der letzte Hopser zum Kap dann nur noch eine Fingerübung, eine Fußnote sozusagen zur gesamten Reise: "In acht Tagen war ich exakt 3333 Kilometer von Hannover bis zum Kap gefahren. Aber so recht glauben wollte ich das nicht. Realisiert habe ich das erst auf dem Rückweg über die Lofoten. Den Rat gab mir Peer Haupt, der organisiert ja auch die E-Nordkapp-Challenge für die ganz Verwegenen", meint Frank schmunzelnd zu dieser rein elektrisch gefahrenen Tour ans Kap. Die nächste, für die es noch freie Plätze gibt, startet am 27. Dezember 2021.

"Die Leute der Challenge verfolgten auch meine Tour – und gaben mir nicht nur ein Mal wertvolle Tipps für kostenlose Stromquellen an der Strecke." Für den Rückweg via Lofoten, Bodøund Trollstigen, die legendäre Touristenstrecke, ließ sich Frank dann jedoch Zeit, "jetzt konnte ich die Reise richtig genießen, die Anspannung war weg. Aber losfahren würde ich trotzdem wieder. Sofort und auf der Stelle."

Die Reiseroute

Frank Eusterholz brauchte für exakt 3333 Kilometer von Hannover bis zum Nordkap – diverse Umwege zu den Ladestationen verlängerten den direkten Weg – acht Tage. Anschließend gönnte er sich weitere zwei Wochen und 4500 Kilometer für den Rückweg über die Lofoten und den Trollstigen, eine der bekanntesten Passstraßen in Norwegen. Der durchschnittliche Stromverbrauch lag bei 25 kWh/100 Kilometer, als Kosten notierte er rund 700 Euro für die Gesamtstrecke von ca. 8000 Kilometern. "Für Privathaushalte ist der Strom in Norwegen sehr günstig – an den Ladesäulen ist er jedoch sehr teuer." Mitunter konnte während der Reise aber auch kostenlos, zuweilen auch bei privaten Unterstützern der Fahrt, nachgeladen werden. Bei Youtube finden sich unter "Frank Eusterholz" auch Filme über die Nordkap-Reise mit dem e-Crafter.

Das ausgestattete Expeditions-Mobil

Plugvan

Die Campingbox des Berliner Unternehmens gibt es erst seit 2019. Konzipiert ist sie für gängige Transporter der 3,5-Tonnen-Klasse. Sie wird auf rollbaren Stelzen in den Laderaum geschoben, an Zurrösen fixiert und dann vergrößert, Seitenwände und Dach sind ausfahrbar. Dann stehen drinnen eine Küche und eine kleine Sitzgruppe parat, die zum Bett umbaubar ist. Leer bleibt aktuell der Raum zwischen Box und Fahrerhaus, hier soll später eine Nasszelle ihren Platz finden. Für das kommende Jahr plant das mutige Start-up hundert Einheiten, in der Basisausstattung ist das Wohnmodul ab 13.900 Euro erhältlich.

VW e-Crafter

Der e-Crafter von VW ist tauglich für den Ritt zum Nordkap, doch eigentlich wurde er für die klassische "letzte Meile" konzipiert. Hier fühlt er sich dank des beachtlichen Spurtvermögens – der Elektromotor leistet 136 PS und 290 Newtonmeter, die von einer Eingang-Automatik verwaltet werden – besonders wohl. Erhältlich ist der e-Crafter ab 62.524 Euro. Mehr Infos zum VW e-Crafter gibt es in unserem Praxistest aus dem letzten Jahr.

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