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Das Problem mit dem Ferrari-Motor - Haas arbeitet an Bremskühlung

auto motor und sport-Logo auto motor und sport 09.07.2020 Andreas Haupt
© xpb

Den Saisonauftakt würde Haas am liebsten aus den Köpfen streichen. Kevin Magnussen kam nur 24 Runden weit. Romain Grosjean erwischte es im 49. von 71 Umläufen. Beide Piloten scheiterten an Bremsproblemen, die sich in dieser verschärften Form nicht angekündigt hatten.

Grosjean berichtet: "Ich hatte zwar schon im Training meine Probleme. Aber im Rennen war es schlimmer. Ab der zweiten Runde musste ich vor den Kurven früh vom Gas, um in die Kurven zu rollen." Im Fachjargon nennt sich das "lift and coast", was man nur betreibt, um Benzin zu sparen oder wie im Fall der Haas-Piloten, um die Bremsen zu entlasten.

Haas sucht Lösung mit CFD

Es ist nicht das erste Mal, dass der US-Rennstall in seiner noch jungen Formel-1-Geschichte mit den Bremsen hadert. Doch die Piloten beteuern, dass die neuen Probleme nichts mit den alten zu tun hätten, die Haas schon öfters einbremsten. "Das Problem hatte allein mit den Temperaturen zu tun. Die Bremsen überhitzten."

Auf eine schnelle Runde machten sie das nicht. Doch je länger die US-Renner fuhren, je länger sie hinter anderen Autos steckten, desto schlimmer wurden die Probleme. Für den zweiten Grand Prix in der Steiermark hoffen Grosjean und Magnussen, dass die Techniker in der kurzen Zeit die richtigen Lösungen gefunden haben. "Unsere Bremskühlung war nicht effizient genug. Speziell im Verkehr. Wir haben uns verschiedene Optionen angeschaut. So weit ich weiß haben wir noch eine Notfallstufe in der Hinterhand", erzählt Grosjean.

Die allerdings würde die Aerodynamik empfindlicher treffen und Rundenzeit kosten. Die Ingenieure suchten zwischen den Grands Prix nach Lösungen im CFD-Programm – also mit Strömungssimulation am Computer. Es geht um den Luftstrom hinter dem Frontflügel und wie die Kühlluft in die verschiedenen Kanäle eindringt. Die Kühlschächte auf der Innenseite werden in die Aerodynamik einbezogen. "Spielberg ist eine harte Strecke für die Bremsen. Wir haben uns angeschaut, wie wir um das Problem herum arbeiten können, ohne zu viel Abtrieb zu verlieren", erklärt Teamchef Guenther Steiner.

Hat das Vertrauen der Piloten in ihr Auto gelitten? Magnussen verneint: "Wenn du eine schlechte Bremse hast, ein langes Pedal zum Beispiel, stört dich das schon. Aber wenn mir die Jungs sagen, alles sei in Ordnung, nehme ich an, dass es so ist."

Haas-Saisonziel Platz acht

Haas scheiterte mit einem Auto bereits im ersten Qualifikationsteil. Und der zweite Haas mit Grosjean am Steuer war das langsamste Auto im Q2. "Ich hoffe, dass es nicht so bleibt über die Saison hinweg", sagt Magnussen. Der Däne hat Hoffnung. "Wir sind nicht so weit weg. Es sind nur ein paar Zehntel." Einen Teil davon will Haas an diesem Wochenende über das Setup gutmachen. Es geht um das Feintuning. Auf neue Teile müssen die Fahrer verzichten. Haas fährt einen Sparkurs, bis klar ist, wie die Saison nach dem GP Italien Anfang September tatsächlich weitergeht.

Ein Hemmschuh ist ganz offenbar der neue Ferrari-Motor. Magnussen drückt sich um eine klare Antwort: "Wir sehen, dass wir langsamer sind auf den Geraden. Warum genau kann ich nicht sagen." Der Teamkollege wird deutlicher, ohne den Motorenpartner an den Pranger zu stellen. "Wir merken, dass der Qualifikationsmodus nicht mehr ganz so leistungsstark ist wie noch im Vorjahr." Der Teamchef ergänzt: "Wir kämpfen mehr in der Qualifikation als im Rennen."

Mit dem neuerdings im Vergleich zur Konkurrenz schwächeren Ferrari-V6-Turbo werden das Werksteam und die Kunden Haas und Alfa Romeo leben müssen. Der Entwicklungsspielraum ist eingeschränkt. Im Zuge der neue Sparmaßnahmen der Formel 1 gilt für den Motor ein Entwicklungsstopp bis Ende des Jahres.

Um auf den Geraden nicht ganz so viel zu verlieren und nicht einfach von der Konkurrenz überholt zu werden, muss Haas Kompromisse bei der Aerodynamik eingehen. Weniger Flügel für mehr Top-Speed, was allerdings die Kurvengeschwindigkeiten verlangsamt.

Haas erwartet deshalb in Österreich vermutlich ein weiteres schwieriges Wochenende. In Ungarn wird man dann sehen, wie gut der VF-20 tatsächlich ist, wenn die Motorleistung in den Hintergrund rückt. Der Hungaroring ist eine kurvenreiche Strecke mit kurzen Geraden. "Uns werden die Strecken besser liegen, auf denen die Geraden nicht so lange sind und es weniger DRS-Zonen gibt", glaubt Steiner. Das Saisonziel fällt bescheiden aus. "Im Moment ist es Platz acht."


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