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Der McLaren ist der schärfste offene Supersportler

DIE WELT-Logo DIE WELT 10.08.2017

Wer ohne Dach so richtig, richtig schnell unterwegs sein will, der kommt am 570S Spider nicht vorbei. Gegen ihn wirken die Cabrios von Porsche und AMG irgendwie weichgespült.

Man muss sich nur einmal das Lenkrad des neuen McLaren 570S Spider anschauen, dann weiß man, wie hier der Hase läuft. Es ist klein, es ist griffig, und vor allem ist es nackt und leer. Wo die Speichen bei anderen Supersportwagen überladen sind mit Schaltern und Wippen für alle möglichen Funktionen und beim Porsche 911 sogar noch ein Bediensatellit herauswächst, ist das Volant des offenen Engländers nicht als Spielwiese für die Fingerkuppen konzipiert.

Sondern: Wenn sich die Hände einmal um den harten Kranz geschlossen haben, dann interessiert man sich nicht mehr für Radio oder Telefon. Man will auch keinen Tempomaten einstellen oder einen Bordcomputer durchklicken. Man fühlt sich nur noch dem Fahren verpflichtet.

Und das ist auch gut so.

Denn mehr als jeder andere Zweisitzer in dieser Liga ist der 570S ein Auto, das man nicht zum Ankommen fährt und auch nicht zum Angeben, sondern weil der Weg das Ziel ist.

McLaren 570S Spider © McLaren McLaren 570S Spider

Kein anderer macht es einem so leicht

McLaren 570S Spider © McLaren McLaren 570S Spider

Ja, stark, schnell und stürmisch sind die Cabrioversion des Porsche 911 Turbo oder der neue AMG GT Roadster auch. Der McLaren wird mit seinem 3,8 Liter großen V8-Motor, mit 570 PS, 600 Newtonmeter Drehmoment und einem Spitzentempo von 328 km/n nicht jeden Stich gegen die anderen machen. Und die beiden Schwaben sind ganz sicher komfortabler, bieten mehr Luxus, das bessere Infotainment und die intelligenteren Assistenten.

Aber wenn es um die reine Lehre des schnellen Fahrens geht, ist der neue McLaren Spider für mich in diesem Sommer die erste Wahl. Keiner der beiden anderen bewegt sich so leichtfüßig um die Kurven, bei keinem fällt es so leicht, ihn mit höchstem Tempo über einsame Landstraßen zu hetzen.

Fast könnte man das Lenkrad nur mit den Kuppen von Daumen und Zeigefinger anfassen, so leicht lässt sich der Spider auch um Kehren zwingen, in denen einem am Steuer vieler anderer Sportwagen schon die Fingerknöchel weiß werden. Das Fahrwerk schafft eine schier unerschütterliche Verbindung zwischen Piste und Popometer. Und die Bremsen haben so viel Biss, dass man nur ans Verzögern denken muss, schon hängt man schwer im Gurt und ringt nach Atem.

Porsche und Mercedes können das zwar alles auch, machen es aber bei ihren offenen Modellen nicht. Denn es sind nur die GT-Serien aus Zuffenhausen oder der GT-R von AMG, die ähnlich scharf geschliffen und spitz zugeschnitten wurden. Und die gibt es eben nur als Coupé mit festem Dach.

Tunnel schlägt Sonnenschein

Der McLaren dagegen fährt auch offen so, wie man es früher mal von einem Porsche erwartet hat. Und wem das auf Dauer zu anstrengend wird, der kann mit zwei kleinen Drehschaltern Fahrwerk und Triebstrang eine Nummer zurückschrauben und trotzdem gemütlich cruisen.

Natürlich fährt sich auch der Spider nicht anders als das 570er Coupé oder der eigenwillige GT mit seiner großen Heckklappe. Denn das Open-Air-Modell kann nichts besser als die geschlossenen Autos. Aber es ist, und darauf können die Briten stolz sein, auch kein bisschen schlechter.

Die um eine Zelle aus Karbon aufgebaute Karosserie ist auch ohne zusätzliche Streben nicht weniger steif als mit festem Dach. Die gerade mal 42 Kilo Mehrgewicht durch die beiden elektrisch bewegten Hartschalen über dem Haupt kosten den V8-Motor nicht mal ein Lächeln. Die Beschleunigung von 0 auf 100 in aberwitzigen 3,2 Sekunden ist absolut identisch, und selbst an der Höchstgeschwindigkeit ändert sich nichts – zumindest so lange das Dach zu ist. Wer offen Vollgas gibt, muss sich mit 315 Stundenkilometern Spitze begnügen. Aber auch das schützt einen nicht vor einer Sturmfrisur.

Und die Spider-Version ist gemessen am Coupé das reizvollere Auto. Das liegt natürlich an ihrem versenkbaren Verdeck. Selbst wenn einen das Öffnen dazu zwingt, 15 Sekunden lang langsamer als 40 km/h zu fahren.

Mit dem Wind und der Sonne kommt auch mehr Sound ins Auto, und der Klang des Achtzylinders kitzelt gewaltig das Trommelfell. Wenn man dann noch einen Tunnel findet, dann kann einem in diesem Spider auch der blaue Himmel gestohlen bleiben. Besser Sounddusche als Sonnenbad. Erst recht bei acht Zylindern und 570 PS.

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