Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Der Vormarsch der E-Scooter: Mehrwert oder Wahnsinn?

bbx.de-Logobbx.de 04.08.2019 Charlotte Bodinek
E-Scooter: Der neuste Fortbewegungshype. © FXQuadro / iStock E-Scooter: Der neuste Fortbewegungshype.

Endlich! Es ist wie ein erleichtertes Raunen durch Deutschland gegangen: Ab dem 15. Juni 2019 sind E-Scooter in Deutschland zugelassen. Die E-Version des Tretrollers wird als die ökologische Alternative zum Autoverkehr in den Innenstädten gehypt. Mit ihren bis zu 20 km/h gelten sie als der ideale Ersatz zum Auto für Kurzstrecken: Sie machen keinen Lärm, sind emissionsärmer und brauchen weniger Platz als ein PKW. Und da die Straßen der Innenstädte ohnehin notorisch verstopft sind, kommt man mit den kleinen Flitzern unter Umständen sogar schneller ans Ziel als mit dem Auto.

Strenge Vorschriften sollen Sicherheit gewährleisten

Dabei kann man mitnichten mit jedem E-Scooter durch die Stadt flitzen: E-Scooter brauchen eine offizielle Zulassung. Um diese zu bekommen braucht der Roller einen Haltegriff, zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen, eine Klingel und Licht. Außerdem muss er eine vorgeriebene Größe und ein vorgeschriebenes Gewicht einhalten und darf maximal 20 km/h schnell sein.

Die Top-Themen der MSN-Leser:

Giftiger Trend:  Kinder werfen E-Scooter in Hafenbecken

Honda ADV 150:  Geschrumpfter Adventure-Roller

Norwegen:  Der Wal, der allen Rätsel aufgab

Um einen E-Scooter fahren zu dürfen, braucht man zwar keine besondere Fahrererlaubnis, muss aber mindestens 14 Jahre alt sein. Bei Leihscootern, wie sie in Großstädten angeboten werden, liegt das Mindestalter meist bei 18 Jahren.

Auch eine Haftpflichtversicherung ist verpflichtend. Sie wird durch eine Plakette am E-Scooter markiert. Wer ohne eine solche Versicherung (die pro Jahr zwischen 50 und 60 Euro kostet) fährt, riskiert ein empfindliches Bußgeld.

Der Schein vom ungefährlichen Roller trügt

Doch der Schein vom umweltfreundlichen und ungefährlichen Fortbewegungsmittel trügt. Seit die Elektroroller bei uns erlaubt sind, haben sich schon zahlreiche Unfälle damit ereignet. Problematisch ist dabei vor allem, dass die Roller mit ihren recht kleinen Rädern leicht unkontrollierbar werden; Kopfsteinpflaster und kleine Schlaglöcher werden daher zu potentiellen Gefahrenstellen. Die kleine Standfläche und der kurze Lenker machen die Sache dabei nicht besser.

Außerdem fällt es ungeübten Fahrern (und das sind derzeit wohl die meisten) bei hohem Tempo schwer das Gleichgewicht zu halten. Kommt es dann zu einem unerwarteten Hindernis, endet das abrupte Bremsen oft in einem Unfall. Ein großes Problem stellt dabei die Tatsache dar, dass für die Fahrzeuge keine Helmpflicht besteht. Dabei sollten sich E-Scooterfahrer allerdings darüber im Klaren sein, dass ein Sturz auf den Kopf bei Tempo 20 sogar lebensgefährlich sein kann.

Zahlreihe Unfälle auch im Ausland

Die Zahlen von Städten im Ausland, in denen E-Scooter schon länger das Stadtbild prägen, bestätigen den Trend, der sich auch bei uns schon nach knapp zwei Wochen E-Scooter-Zulassung zeigt: Die elektronischen Tretroller bergen ein extrem hohes Unfallpotential.

So sind sie in Paris inzwischen zu einem regelrechten Problem geworden und auch US-amerikanische Großstädte wie Los Angeles haben mit den E-Scootern zu kämpfe und verzeichnen zahlreiche Unfälle, die eine Bandbreite von leichten Gehirnerschütterungen bis hin zu schweren Knochenbrüchen aufweisen, sogar zu Todesfällen soll es durch E-Scooter-Fahrer schon gekommen sein.

Der umweltfreundliche E-Scooter ist Auslegungssache

Das Hauptargument, mit dem E-Scooter angepriesen werden, ist ihre vermeintlich großartige Ökobilanz. Doch diese erscheint bei genauem Hinsehen schnell als Augenwischerei. Denn zum einen kann dieses Argument nur gelten, wenn der Roller tatsächlich als Ersatz für eine Autofahrt genutzt wird. Anzunehmen bleibt aber eher, dass er als Ersatz für Stecken verwendet wird, die man sonst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt hätte. Also jeweils mit Fortbewegungsmitteln, die in ihrer Ökobilanz nicht zu toppen sind.

In Hinblick auf die Tatsache, dass sich die allermeisten Deutschen ohnehin schon zu wenig bewegen, ist die Wahl des E-Scooters anstelle eines Fußmarsches nochmals problematischer zu sehen.

Chaos auf öffentlichen Plätzen

Neben der hohen Unfallbilanz zeigt sich in vielen Städten, in denen schon länger E-Scooter fahren noch ein ganz anderes Problem: Die Roller werden nach der Nutzung von vielen so abgestellt, dass sie nicht nur eine Behinderung sondern oft sogar eine Gefahr auf öffentlichen Plätzen und Gehwegen darstellen.

So haben viele Städte damit zu kämpfen, dass das unsachgemäße Abstellen der Leih-E-Scooter zu einer regelrechten Vermüllung von öffentlichen Plätzen und Grünflächen wird. In Paris werden so auch immer wieder E-Scooter aus Flüssen und Kanälen gezogen.

Wie sich die Situation in deutschen Städten entwickelt, bleibt abzuwarten. Dass aber ein gewisses Chaos nicht ausbleiben wird, ist aufgrund der hohen Zahl der Miet-Roller anzunehmen, die bereits jetzt in deutschen Großstädten stehen oder in den kommenden Monaten angeboten werden.

Mehr auf MSN

Video wiedergeben
| Anzeige
| Anzeige

Mehr von bbx.de

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon