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Die besten Reifen für die Mittelklasse - Sommerreifen-Test 2017 (245/45 R18)

auto motor und sport-Logo auto motor und sport vor 4 Tagen Thiemo Fleck
Sommerreifen-Test 2017, Titelbild: Zehn Sommerreifen im Format 245/45 R 18 Y im Test. Nach Reifentests für Kompaktmodelle und SUV ist jetzt die Mittelklasse an der Reihe. Hier zählen Fahrsicherheit, Rollwiderstand und Komfort. Welche Pneus machen das Rennen? Die besten Reifen für die Mittelklasse - Sommerreifen-Test 2017 (245/45 R18)

Zehn Sommerreifen im Format 245/45 R 18 Y im Test. Nach Reifentests für Kompaktmodelle und SUV ist jetzt die Mittelklasse an der Reihe. Hier zählen Fahrsicherheit, Rollwiderstand und Komfort. Welche Pneus machen das Rennen?

Die Reifenwelt sortiert sich neu. Junge Marken sind hinzugekommen, haben zu den bekannten Premium-Herstellern aufgeschlossen und schicken sich an, das Feld der Altvorderen aufzumischen. Wie sich dieses Feld etwa im Bereich der Premium-Sportreifen für die obere Mittelklasse derzeit neu aufstellt, soll dieser Test zeigen.

Mailand, November 2016, Nieselregen, 16° C. Ein BMW 5er Touring läuft sich bereits vor der Schranke zum Nasshandling-Kurs warm. Noch ist die Strecke nicht freigegeben, die Kehrmaschine bürstet und wäscht wild spritzend herbstlich-hübsche, aber rutschige Blätter vom Asphalt. In der Montagehalle nebenan türmen sich die Reifenstapel. Zehn Produkte sollen heute im Nasshandling verglichen werden. Noch sind sie frisch, das Profil in einer exakt definierten 100-km-Runde gerade eingefahren. Das ist nötig, damit mögliche Trennmittelreste aus der Produktion die Messergebnisse nicht verfälschen.

Premium-Marken mit neuen Modellen

Mit dabei sind der neue Continental PremiumContact 6, der ebenso neue Michelin Pilot Sport 4, der aktuell eingeführte Pirelli P Zero, Vredesteins neues Top-Produkt Ultrac Satin, der günstige Maxxis Premitra HP5, der Falken Azenis FK510 und der Toyo Proxes Sport. Zu messen haben sich die Newcomer zunächst am Vorjahressieger Goodyear Eagle F1 Asymmetric 3 wie auch an dem in der Mischung etwas überarbeiteten Hankook Ventus S1 Evo² und dem Dunlop Sport Maxx RT 2.

Jetzt ist die Schranke offen, in dem gleichmäßig bewässerten Areal fieser Kurven müssen die Kandidaten zeigen, was sie draufhaben. Zuerst der Goodyear. Er hat als Vorjahressieger die Ehre, als Referenzreifen in jedem Versuch gleich dreimal antreten zu dürfen: am Anfang, in der Mitte und auch am Ende jeder Messreihe. So können mögliche Veränderungen durch Temperatur oder Fahrbahn einkalkuliert werden und die gefahrenen Rundenzeiten geben Aufschluss darüber, wie präzise und reproduzierbar der Tester am Volant arbeitet.

Entscheidung im Nasshandling

Nach seiner brillanten Vorjahresvorstellung auf dem frontgetriebenen Opel Mokka liefert der Goodyear in 245/45 R 18 auf dem heckgetriebenen BMW 5er keine wirkliche Glanzleistung ab. Er bleibt zwar harmonisch und sicher fahrbar, kann jedoch im Gripniveau mit den Führenden nicht mehr mithalten. Einen schlechten Tag scheint er auch beim Nassbremsen erwischt zu haben. Mit durchschnittlich 33,5 Metern Bremsweg – aus mehr als 30 Einzelbremsungen ermittelt – braucht der Goodyear fast fünf Meter länger bis zum Stillstand als der Bestplatzierte.

Schon damit ist die Aussicht auf einen der vorderen Testplätze dahin. Den aus demselben Haus stammenden Dunlop Sport Maxx RT 2 ereilt das gleiche Schicksal, auch hier sind bei ordentlicher Balance die Bremswege zu lang. Auf ähnlich geringem Nassgrip-Niveau rangiert der Maxxis Premitra, der zudem im Handling zu stark untersteuernd über die Vorderachse rutscht und damit auf Nässe nur noch bedingt empfehlenswert ist. Bei guten Nassbremsleistungen haben auch Toyo und Vredestein Defizite im Kurvengrip, während Falken, Hankook und Pirelli hier gut abschneiden.

Auch Contis neuer PremiumContact 6 ist auf Nässe eine Empfehlung wert: Bei eindeutiger Untersteuerneigung und softem Anlenkverhalten lässt er sich kaum aus der Ruhe bringen, knickt nur in Seitenführung und Aquaplaning etwas ein. Ist das der Preis für seinen vorbildlich niedrigen Rollwiderstand? Bislang war der Conti oft Garant für besten Nassgriff. Nun aber übernimmt der neue Michelin Pilot Sport 4 mit kürzesten Bremswegen, sicherer Seitenführung und überlegenem Handling die Führung. Lediglich im Kurven-Aquaplaning führt ein frühes Aufschwimmen zu Punktverlust.

Trockentests auf dem Racetrack

Nieselregen auch am nächsten Tag, wir aber brauchen trockene Strecken. Die wird es um Mailand zumindest in dieser Woche nicht mehr geben – also umziehen. Der Circuito Tazio Nuvolari, ein privater Rundkurs nahe Genua, meldet passende Temperaturen und trockenen Asphalt. Noch am Abend wird der Lkw mit den Radsätzen beladen, in der Nacht startet der Testtross gen Süden. Früh um acht herrscht auf dem kleinen, aber selektiven Racetrack absolute Stille. Letzte Nebelfetzen verziehen sich. Noch ist die Strecke zu kalt, doch zunächst müssen ohnehin Messpunkte definiert und die Box ausgerüstet werden. Die Ampel signalisiert Grün: Schon rollt der 5er das erste Mal aus der Boxengasse. Seine Mission: Analyse des Fahrverhaltens und Ermitteln von Rundenzeiten. Auch im Trockenen gibt es gewaltige Unterschiede zwischen den Reifen, die weniger der Laptimer offenbart als der Fahreindruck des erfahrenen Testpiloten. Überragend: der neue Pirelli P Zero, der mit direktem Lenkverhalten, bester Präzision, hoher Fahrstabilität und letztlich auch schnellen Rundenzeiten die Pace vorgibt.

Nur einen Hauch weniger direkt, dazu mit minimal schwächerem Komfort präsentiert sich der Michelin PS 4, der auch auf schnellem Geläuf jederzeit Herr der Lage ist. An diesen beiden kommt auf trockener Piste so schnell keiner vorbei. Mit dynamischem, ausgewogenem Handling folgt mit fast einer Note Abstand im Mittelfeld der offensichtlich trockenoptimierte Goodyear, dann der brave und ausgewogene Conti, der harmonische Hankook, der spontane Dunlop sowie der aktive und exakte Toyo.

Auch Vredestein, Falken und Maxxis geben sich in den sicherheitsrelevanten Trockendisziplinen keine Blöße. Es sind letztlich dynamische Aspekte wie das Anlenken oder die Lenkpräzision, aber auch der schwächere Abrollkomfort und ein höheres Innengeräusch, die hier zum Punktabzug führen. So ist etwa beim Abrollversuch des Maxxis-bereiften BMW ein gut hörbares, geschwindigkeitsabhängig tiefes Heulen zu vernehmen. Das sollte so nicht sein, und so gibt es für ihn bei Abrollkomfort/Innenraumgeräusch deutlich weniger Punkte.

Testabbruch bei Dauerregen

Abrollgeräusche, Nassbremsen, Aqua-planing, Nasshandling und das Handling sind endlich im Kasten, es fehlen nur noch die Bremsversuche auf trockenem Asphalt. Der Nuvolari-Kurs bietet dazu keine Möglichkeit. Mailand? Regen! Und keine Aussicht auf Wetterbesserung. Ein Wochenende in Italien ist keine Option. Also zurück, in Stuttgart wartet schließlich auch reichlich Arbeit. Doch schon in der darauffolgenden Woche meint es der piemontesische Wettergott wieder gut mit uns. Die Streckenbedingungen sind top, nach acht Stunden selektiven Beintrainings am Bremspedal stehen die Ergebnisse auch dieser letzten Disziplin fest. Ganz vorn mit 34,2, 34,6 und 34,8 Metern: Michelin vor Goodyear und Pirelli. Dann im Mittelfeld zwischen 35 und 35,7 Metern: Conti, Hankook, Dunlop und Maxxis, dann Falken mit 36,4; zuletzt Vredestein und Toyo mit 36,9 und 37,2 Metern. Mit Ausnahme der letztgenannten sind das recht ordentliche Werte.

Und das Gesamtergebnis? Klarer Sieger ist der neue Michelin PS 4. Sehr ausgewogene Nässe- und Trockeneigenschaften auf hohem Niveau, verbunden mit kurzen Bremswegen und bester Fahrsicherheit – das ist nicht zu toppen. Drangegeben haben die Franzosen wohl etwas von ihrer sprichwörtlichen Langlebigkeit. Auf Platz zwei: Pirellis neuer P Zero, der vor allem durch seine Dynamik und Präzision in trockenen Kurven überzeugt. Bei Nassbremsen und Aquaplaning knickt er etwas ein und verliert dabei wichtige Zähler.

Und Conti? Der in dieser Klasse als Ablöse des recht sportiven SportContact 5 gedachte PremiumContact 6 zeigt, dass Kompromisse auch für die Hannoveraner gelten. Die laut Conti gesteigerte Laufleistung des Reifens, der gegenüber dem SportContact 5 höhere Komfort und besonders der sehr niedrige Rollwiderstand erfordern eben Zugeständnisse im Nässeverhalten und in der Dynamik. Auf Leichtlauf und wenig Spritverbrauch pfeifen Hankook und Falken, positionieren sich so sogar noch vor Vorjahressieger Goodyear, dem letztlich Defizite im Nassbremsen zum Verhängnis werden. Noch empfehlenswert sind auch Toyo, Vredestein und Dunlop, lediglich der preisgünstige Maxxis wird nur bedingt die berechtigt hohen Ansprüche von Fahrern gehobener Mittelklassemodelle erfüllen können.

Michelin Pilot Sport 4

Preis pro Reifen: 211 Euro

  • Pro: Ausgezeichnete Dynamik und Performance auf nasser und trockener Fahrbahn. Sehr präzise und berechenbar ohne signifikante Schwächen.
  • Contra: Leichte Defizite beim Quer-Aquaplaning
  • Fazit: Sehr empfehlenswert (9,4)

Pirelli P Zero

Preis pro Reifen: 179 Euro

  • Pro: Insbesondere auf trockener Piste sehr exakter, spontaner und sicherer Reifen. Hohe Lenkpräzision. Angenehmer Abrollkomfort.
  • Contra: Leichte Defizite im Nassbremsen und beim Quer-Aquaplaning, erhöhtes Abrollgeräusch.
  • Fazit: Empfehlenswert (8,8)

Continental PremiumContact 6

Preis pro Reifen: 187 Euro

  • Pro: Sehr einfach kontrollierbarer, komfortabler Reifen mit sicherer Untersteuertendenz. Weitgehend homogene Leistungen auf hohem Niveau.
  • Contra: Schwache Seitenführung auf Nässe, hier zu ausgeprägtes Untersteuern
  • Fazit: Empfehlenswert (8,4)

Hankook Ventus S1 Evo²

Preis pro Reifen: 159 Euro

  • Pro: Harmonische, sehr ausgewogene Fahreigenschaften ohne ausgeprägte Stärken und Schwächen. Angenehm leises Abrollgeräusch.
  • Contra: Wenig sportlicher Charakter
  • Fazit: Empfehlenswert (8,2)

Falken Azenis FK510

Preis pro Reifen: 144 Euro

  • Pro: Kurze Bremswege und überzeugend sicheres Fahrverhalten auf Nässe, ordentlicher Abrollkomfort
  • Contra: Etwas träges Lenkansprechen beim Handling und Spurwechsel trocken.
  • Fazit: Empfehlenswert (8,0)

Goodyear Eagle F1 Asymmetric 3

Preis pro Reifen: 188 Euro

  • Pro: Stabil fahrbarer, leicht kontrollierbarer Reifen auf nasser und trockener Bahn. Kurze Bremswege trocken, leises Abrollen.
  • Contra: Schwaches Nassbremsen, etwas indifferentes Handling.
  • Fazit: noch empfehlenswert (7.9)

Toyo Proxes Sport

Preis pro Reifen: 165 Euro

  • Pro: Sicheres Bremsen und sichere Längsperformance auf Nässe. Exakt und reaktionsschnell, dazu hoher Kurvengrip beim Trockenhandling.
  • Contra: Defizite im Kurvengrip auf Nässe beim Quer-Aquaplaning und beim Trockenbremsen.
  • Fazit: noch empfehlenswert (7,8)

Vredestein Ultrac Satin

Preis pro Reifen: 174 Euro

  • Pro: Auf etwas reduziertem Performance-Niveau vornehmlich trocken recht ausgewogener, Fehler verzeihender und überwiegend leicht beherrschbarer Reifen mit sicheren Bremsleistungen.
  • Contra: Wenig sportlicher, eher träge Lenkeigenschaften, ausgeprägtes Untersteuern, Schwächen im Aquaplaning.
  • Fazit: noch empfehlenswert (7,7)

Dunlop Sport Maxx RT 2

Preis pro Reifen: 188 Euro

  • Pro: Besonders auf trockener Bahn recht fahraktiver Reifen mit spontanem Einlenkverhalten und guter Lenkpräzision.
  • Contra: Lange Bremswege, schwache Seitenführung und Untersteuern auf Nässe. Rubbelt bei großen Lenkwinkeln. Etwas prellig.
  • Fazit: noch empfehlenswert (7,6)

Maxxis Premitra HP5

Preis pro Reifen: 124 Euro

  • Pro: Ordentliche Bremswege trocken. Kräftig, aber sicher untersteuerndes Handling auf Nässe.
  • Contra: Indifferentes, wenig exaktes Fahrverhalten bei Trockenhandling. Lange Bremswege und kräftiges Untersteuern auf Nässe. Tiefes, heulendes Laufgeräusch.
  • Fazit: bedingt empfehlenswert (6,9)

Info: So wurde getestet

Der Test wurde ausschließlich mit auch für BMW zulässigen, nicht pannenlaufsicheren Standardreifen durchgeführt. Das Mitführen eines Reifendichtsets wird empfohlen. Um bestmögliche Genauigkeit und Ergebnissicherheit zu gewährleisten, werden – soweit machbar – sämtliche Versuche in diesem Test mehrfach durchgeführt. Angewendet wird ein progressives Bewertungsschema, das gleichermaßen für die objektive Bewertung durch Messgeräte wie auch für die subjektive Benotung durch die erfahrenen Testfahrer zum Tragen kommt. Beim Handling auf nasser oder trockener Bahn führt ein ausgewogenes, sicheres und den Erwartungen der mutmaßlichen Zielgruppe entsprechendes Fahrverhalten zu einer Optimalbenotung. Die Aquaplaning-Tests, jeweils getrennt in Längs- und Querrichtung, geben Auskunft über die Reaktion der Reifen – etwa beim Durchfahren von tiefen Spurrinnen.

Die Höhe der kritischen Aufschwimmgeschwindigkeit bei Geradeausfahrt oder die erreichbare Querbeschleunigung bei Wasserdurchfahrt nach VDA-Kriterien sollen jeweils die Sicherheitsreserven der Reifen aufzeigen. Ihr Rollwiderstand wird grundsätzlich in jeweils zwei unterschiedlichen Testlaboratorien auf Rollenprüfständen ermittelt. Die Ergebnisse fließen in Form eines Mittelwerts in die Bewertung ein. Grundlage der Beurteilung ist die auch für das Reifenlabel relevante europäische Gesetzgebung zur Reifenkennzeichnung. Bereits seit Jahren werden zur langfristigen Absicherung der Ergebnisse die getesteten Produkte mit Reifen aus nachgelagerten Testkäufen in stichprobenartigen Nachtests verglichen. Im Fokus: die besten drei des Tests sowie Produkte mit atypisch guter Performance oder ungewöhnlichen Verschleißerscheinungen. Abweichungen oder Auffälligkeiten führen zum Testausschluss, verbunden mit entsprechender Berichterstattung.

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