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Die neue Automode aus Paris

WELT-Logo WELT 24.10.2018
Pariser Automobilsalon 2018 © Stefan Anker Pariser Automobilsalon 2018

Die französischen Autohersteller sind zu großen Konzernen aufgestiegen – und müssen jetzt die richtigen Weichen für morgen stellen. Vor allem Renault scheint für die elektrische Zukunft gut gewappnet.

Was war denn das jetzt – freundliche Zurückhaltung oder doch eine verpasste Chance? Fest steht, dass die französischen Hersteller auf dem Pariser Salon 2018 von ihrer direkten Konkurrenz kaum behelligt wurden. VW, Ford, Opel, Fiat, Alfa, Nissan, Mazda, Mitsubishi – sie waren gar nicht erst zur Messe nach Frankreich gekommen. Doch Renault und PSA (Peugeot, Citroën, DS) unterließen es, den Ball ins leere Tor zu schießen. Statt die Messehallen zu dominieren, bestritten sie ihr Heimspiel reichlich defensiv.

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Man mag das vielleicht kaum glauben, wenn man den Auftritt der drei Roboter-Autos von Renault gesehen hat. EZ-Go, EZ-Pro und der ganz neue EZ-Ultimo sind so mächtig, dass sie den Blick auf den Messestand fast komplett verstellen. Doch auf der anderen Seite: Es gab bis auf das Facelift des kompakten SUVs Kadjar nichts Neues, was man heute schon gebrauchen könnte.

Und es ist noch nicht ausgemacht, dass das Robo-Taxi der Zukunft aussieht wie der EZ-Ultimo. Fünfeinhalb Meter lang und 2,20 Meter breit, bietet das seltsame Gefährt doch nur Platz für drei Personen, und die von außen undurchsichtige Karosserie dürfte den meisten anderen Verkehrsteilnehmern ein mulmiges Gefühl vermitteln. Vielleicht sollte man darüber noch mal nachdenken in Paris.

Dabei ist Renault gut aufgestellt für alles, was man sich unter elektrischer Mobilität vorstellen kann. Vorstandschef Carlos Ghosn hat viel früher als andere Konzernlenker auf den Batterieantrieb gesetzt. 2010 schon debütierte der Leaf der japanischen Schwestermarke Nissan und entwickelte sich zum meistverkauften Elektroauto der Welt hat. Drei Jahre später kam auf Basis des Kleinwagens Renault Clio der Zoe heraus, bis heute das erfolgreichste Elektroauto in Europa.

Für die nähere Zukunft folgt Renault-Nissan dem Plan "Drive the Future". Bis 2022 sollen acht weitere Elektroautos und zwölf Hybridfahrzeuge das Angebot bereichern, die Dieselmotorenpalette wird dagegen ausgedünnt. Zur französischen Elektrozukunft tragen nun auch weitere japanische Ingenieure bei – Ghosn hat 34 Prozent von Mitsubishi übernommen, vor allem wegen deren Erfahrung mit Plug-in-Hybridsystemen. 2020 soll eine neue Elektroplattform fertig sein, die die Basis für E-Mobile aller drei Marken sein wird und Akkupakete beherbergen kann, die 500 Kilometer Reichweite ermöglichen.

Weltweit ist Renault-Nissan mit etwa 9,6 Millionen verkauften Pkw im Jahr 2017 die Nummer drei. PSA, der andere französische Konzern, liegt mit 3,6 Millionen Neuzulassungen im weltweiten Ranking auf dem neunten Platz. In Europa belegt Renault aber nur Platz drei, während PSA hinter Volkswagen die Nummer zwei ist – was auch mit der Einverleibung von Opel und seiner britischen Zwillingsschwester Vauxhall zu tun hat.

Opel zählt nicht viel

Opel allerdings durfte in Paris nicht ausstellen – wie sich auch abzeichnet, dass die Entwicklungen der deutschen Traditionsmarke im französischen Verbund nicht sehr viel zählen. Zukünftig jedenfalls werden alle Konzernmodelle auf zwei unterschiedlichen Peugeot-Plattformen entstehen.

Während Renault schon in die Zukunft investiert, ist PSA also noch dabei, zu konsolidieren. Seit 2016 heißt das offizielle Konzernmotto "Push to Pass" (Gas geben, um zu überholen). Bis 2021 erwartet der Vorstandsvorsitzende und Hobbyrennfahrer Carlos Tavares ein Umsatzwachstum um 15 Prozent im Vergleich zu 2015 und eine Rendite von sechs Prozent.

Vielleicht hat sich Peugeot aus Kostengründen die eigentlich obligatorische Pressekonferenz beim Pariser Salon gespart. Außer einer Kombiversion des Mittelklassemodells 508 hatte man aber nicht viel Neues zu verkünden. Dass Peugeot die Weiterentwicklung des Dieselmotors stoppt, erfuhr man nicht auf der Messe, sondern aus einem Bericht des englischen Magazins "Autocar". Demnach werde Peugeot vorerst keine neuen Dieselmotoren konstruieren und das Geschäft damit notfalls auch ganz aufgeben – eine Folge des Betrugsskandals und der immer schärferen CO2-Grenzwerte, die ohne den Verkauf elektrifizierter Autos nicht zu erreichen sind.

Citroën zeigte keine Weltpremieren, allerdings gab es das SUV C5 Aircross als Concept Car mit Plug-in-Hybrid. Der Wagen wird 2020 in Serie gehen, und natürlich gelten die PSA-Strategien auch für Citroën. Hier heißt der Elektrifizierungsplan "Low Emission Vehicle", und danach sollen bis 2025 alle Citroën-Modelle als Elektro- oder Plugin-Hybridversion im Handel sein.

Das ist bei Peugeot, Opel und DS Automobiles nicht viel anders. Bei DS wird das Elektrothema – gemäß dem progressiven Ansatz der Marke, die aus Citroën hervorging – nur offensiver gespielt. Das Kompakt-SUV DS3 Crossback hatte auf dem Salon Weltpremiere und wird 2019 in Serie gehen, die Kunden haben die Wahl zwischen einer Variante mit Verbrennungsmotor und einem Elektromodell.

Die weiteren Messeneuheiten sind ebenfalls mit Elektroantrieb gesegnet: eine Plug-in-Version des großen DS7 Crossback und das Concept Car DS X E-Tense, ein luxuriöser Elektrosportwagen für das Jahr 2035. DS zählt auch den Rennwagen für die Formel E zu seinen Weltpremieren, aber da dieses Auto kein Serienprodukt ist und außerdem auch nur eine neue Lackierung bekommen hat, ist er womöglich doch nicht die Neuheit, die man auf einer Autoshow erwartet.

Peugeot e-Legend Concept © Peugeot Peugeot e-Legend Concept

Dafür steht eines der schönsten Autos des Salons am PSA-Stand: Der Peugeot e-Legend ist eine Weltpremiere, wie sie im Buche steht, gespickt mit Technologie, die sich niemand leisten kann, aber gestylt im allerschönsten Retro-Look. Weit zeigt das Design dieses Concept Cars in die Vergangenheit – kein Besucher, der in dem eleganten Wagen nicht einen Wiedergänger des Peugeot 504 aus den frühen 70er-Jahren erkannte.

2018 - Genese Z35.3 © Renault 2018 - Genese Z35.3 Ausblick ins Jahr 2035: So stellt sich Renault das Robotertaxi EZ-Ultimo vor © Renault Ausblick ins Jahr 2035: So stellt sich Renault das Robotertaxi EZ-Ultimo vor

Das Innenleben allerdings beschwört eine ferne Zukunft herauf, auf 16 Displays kommuniziert das Auto mit dem Fahrer, und natürlich fährt es elektrisch und autonom. Der e-Legend soll eine Reichweite von 600 Kilometern haben, und man kann ihn an speziellen Schnellladestationen in 25 Minuten auf 500 Kilometer Reichweite nachladen.

Das übertrifft alle Ankündigungen der Konkurrenz, die allerdings schon Serien-Elektroautos auf dem Markt hat oder damit kurz vor dem Verkaufsstart steht. Auch die autonomen Funktionen der Autos dürften bei Peugeot länger auf die Serienproduktion warten als etwa bei Daimler oder BMW. Das liegt am Geld, wie Automobilwirtschaftler Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach sagt. "PSA muss gerade die Integration von Opel verkraften. Dennoch haben sie die Zukunftsthemen schon im Visier."

Das Ende einer Ära

Die Schwierigkeit bei PSA und Renault, auf dem Weg zum autonomem Fahren auf denselben Stand zu kommen wie die deutschen Hersteller, sieht Bratzel unter anderem darin begründet, dass die Franzosen keine echten Premiummarken haben. "Premiumhersteller haben es in dieser Hinsicht leichter, weil sie für ihre Fahrzeuge höhere Preise verlangen können. Bei den Kunden der Volumenmarken ist der Geldbeutel etwas kleiner. Darum werden Renault und PSA zunächst vernünftige und günstige Fahrzeuge realisieren."

Ein schönes Beispiel für diese Strategie ist auch Citroëns Verzicht auf eine Technologie, die das Image der Marke geprägt hat: Die hydropneumatische Federung hat mit dem Auslaufen des Mittelklassemodells C5 ausgedient – das Ende einer Ära. Limousine und Kombi werden nicht wieder neu aufgelegt, stattdessen soll nun das SUV C5 Aircross die Käufer größerer Autos bei der Stange halten.

Es stehe dem früheren C5 beim Fahrkomfort in nichts nach, heißt es, denn als Ersatz für die Hydropneumatik, die der amerikanischen Citroën-Chefin Linda Jackson weniger historisch als vielmehr teuer vorkam, gibt es nun die Advanced-Comfort-Federung mit hydraulischem Anschlag.

Die Technik ermöglicht längere Federwege und insgesamt mehr Komfort als ein herkömmliches Fahrwerk. Im Gegensatz zur Hydropneumatik soll Advanced Comfort nach und nach in jeden Citroën eingebaut werden, auch in Modelle der Kleinwagenklasse. Zudem ist die neue Federung deutlich billiger.

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