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Dieser US-Sportwagentraum ist "Made in NRW"

WELT-Logo WELT 15.12.2018
Petrolhead Bastian Ebener, Inhaber von American Muscle Cars © Fabian Hoberg Petrolhead Bastian Ebener, Inhaber von American Muscle Cars

Schon während seines Ingenieurstudiums schraubte Bastian Ebener nebenbei in einer Oldtimer-Werkstatt. Inzwischen hat er seinen eigenen Betrieb – und hat sich einen eigenen Shelby Daytona gebaut.

Diese Motorhaube, dieser Hüftschwung. Bastian Ebener kommt immer noch ins Schwärmen, wenn er das Daytona Coupé berührt. "Für mich ist es das schönste Rennauto überhaupt, ein Traumwagen", sagt er. Nur leider viel zu selten und viel zu teuer.

Nur sechs Fahrzeuge baute Entwickler Carroll Shelby zwischen 1964 und 1965 von dem Shelby Daytona Coupé. Die Autos basieren auf der offenen Shelby Cobra und sollten bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft der GT-Fahrzeuge die bis dato unschlagbaren Aston Martin, Ferrari und Jaguar in Grund und Boden fahren.

Der Plan geht auf: 1965 gewinnt das Shelby Daytona Coupé als bis heute einziges amerikanisches Auto eine Weltmeisterschaft, die FIA-WM für GT-Fahrzeuge. Im gleichen Jahr stellt das Coupé auf dem Salzsee in Bonneville 23 Weltrekorde auf.

Originale Fahrzeuge sind nicht nur selten, sondern auch sehr teuer – auf bis zu 20 Millionen Dollar werden Exemplare geschätzt.

Die Nachbau-Kits waren nicht gut genug

Einige Tuner bieten deshalb Nachbau-Kits an, sogenannte Replicas, die an die originalen Fahrzeuge aber selten heranreichen. Für den detailverliebten Bastian Ebener keine Alternative. Also baute er sich ein Auto selbst – mit professioneller Hilfe.

Der 31-Jährige kennt sich seit Jugendzeiten mit amerikanischen Fahrzeugen aus. Sein Vater fuhr eine Cobra, mit 15 Jahren restaurierte Bastian Ebener einen Jeep CJ6 von 1975 – von Grund auf. Pünktlich zur bestandenen Führerscheinprüfung ist das Auto fertig, und er fährt es sechs Jahre im Alltag.

Dann folgt der erste Ford Mustang. Den Fastback baut er zwei Jahre lang aus einem verunfallten Stufenheck-Coupé. "Durch die Arbeit am Mustang bin ich tiefer in die US-Car-Szene gerutscht", sagt er. "Für mich ist es der schönste Straßensportwagen, vor allem in der grünen Bullitt-Lackierung", sagt er. Steve McQueen jagte als Lieutenant Frank Bullitt im gleichnamigen Film Verbrecher 1968 quer durch San Francisco.

2006 macht Ebner sein Abi, fängt 2007 sein Studium der Ingenieurwissenschaften an. Die Liebe zu amerikanischen Autos verfliegt auch nicht während seines Studiums. Nebenbei schraubt er in einer Werkstatt für amerikanische Klassiker und historische Rennwagen bei Düren, darunter an vielen Corvette und Ford Mustang.

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Eine Halle voller Muscle-Cars

Zwei Jahre später wechselt er als Mechaniker in einen Oldtimer-Betrieb für US-Cars und Rennboliden in Aachen. Als sein Chef 2011 aufhört und ihm die Halle zur Miete anbietet, überlegt er nicht lange. "Ich wollte die Selbstständigkeit ausprobieren und habe dann geschraubt und nebenbei noch studiert", sagt er.

Ebener gründet seine Firma American Muscle Motorsports & Services und spezialisiert sich auf historische amerikanische Fahrzeuge sowie Rennwagen, in denen ein amerikanisches V8-Herz schlägt. 2012 schließt er sein Studium ab, ein Jahr später zieht er mit seiner Firma nach Stolberg bei Aachen, auf ein ehemaliges belgisches Militärgelände, in die eigenen vier Wände.

Die Halle seiner Firma steht derzeit voll mit Ford GT40, Ford Mustang, Chevrolet Corvette und dem Daytona Coupé. Mit drei Mitarbeitern und einer Aushilfe repariert er seit sieben Jahren Rennwagen, baut sie komplett um und auf, betreut sie zudem am Wochenende bei historischen Rennen.

Auch Wartungen, Inspektionen und Motorrevisionen führen seine Mechaniker bei klassischen Fahrzeugen bis etwa 1975 durch. Sie haben sich bundesweit einen Namen gemacht, vor allem aber mit aufwendigen Karosseriearbeiten.

Die Maße vom Original abgenommen

"An US-Oldtimern faszinieren mich der Klang der Motoren und der große Hubraum. Dazu kommt die überschaubare und robuste Technik. Ich bin generell aber kein US-Car-Fan, amerikanische Straßenkreuzer interessieren mich nicht", sagt er. Ebener begeistert sich dagegen für Autos mit Rennhistorie, wie Cougar, Mustang oder eben Shelby.

Sein Meisterstück parkt vor ihm, das Daytona Coupé. Quasi aus dem Nichts baut er den Rennwagen. "Mein heutiger Partner Mikael Tarne hatte einen Kontakt zum Besitzer eines originalen Autos, des zweiten jemals gebauten Daytona Coupé. Mithilfe einer britischen Firma haben wir das Auto komplett in 3 D vermessen lassen, um so die exakten Maße zu bekommen", sagt Ebener. Außerdem kontaktierten sie Peter Brock, den Designer des Daytona, um restliche Fragen zu klären.

In nur drei Tagen entwarf Brock damals den Rennwagen – Skeptiker erwarteten ein Fiasko. Doch bei den ersten Tests 1964 zeigt sich, dass das Coupé deutlich schneller und stabiler fährt als die offene Cobra. Ford als Motorenlieferant und Sponsor lässt weitere fünf Autos fertigen, allerdings diesmal nicht in den USA, sondern in Italien bei Carozzeria Gran Sport in Modena.

Ebeners Maße stammen vom zweiten fertiggestellten Auto mit der Nummer CSX2299. Es unterscheidet sich vom ersten Fahrzeug unter anderem an der Windschutzscheibe, der Front und in der Dachform. Spitzname: "the Unnormaly". "Es sieht zwar anders aus als das erste Fahrzeug, aber es ist dennoch schön. Außerdem hatte ich noch keine so große Erfahrung im Alu-Karosseriebau, da wollte ich mich nicht gleich mit dem beliebtesten Modell anlegen", sagt er.

Der Bau verschlang 3500 Arbeitsstunden

In fast acht Monaten, rund 3500 Arbeitsstunden, hat der Werkstattinhaber mit seiner Mannschaft das Renncoupé erschaffen – Recherche, Planung und das Scannen nicht eingeschlossen. Alle Alu-Bleche wurden handgedengelt und verschweißt, Motor und Getriebe liefen vorher in anderen Fahrzeugen, sie wurden vor dem Einbau ins Projekt überholt. Außerdem wurden Bremsanlage und Fahrwerk mit Neuteilen aufgebaut.

Lackier- und Sattlerarbeiten sind ebenfalls an das Original angelehnt. Aus dem rund 1100 Kilogramm leichten Rennwagen macht ein 4,7-Liter-V8 mit 420 PS ein sehr schnelles Auto, vier Weber-Doppelvergaser versorgen den Motor mit Benzin, durch ein manuelles Viergang-Getriebe fließt die Kraft zu den Hinterrädern. In knapp 4,5 Sekunden fährt der Rennwagen von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 300 km/h.

Rund 425.000 Euro ist das Einzelstück wert, eine größere Serienproduktion hat Ebener nicht geplant. Aber: "Wir wissen jetzt, wie ein Neuaufbau mit einer selbst gebauten Karosserie funktioniert, deshalb wollen wir einen Schritt weiter." Als Nächstes will er mit seinem Team das erste Daytona Coupé angehen, das in den USA gebaute Exemplar mit der Nummer CSX2287.

Das Original steht unrestauriert in einem Museum in Philadelphia. Mit dem Nachbau haben die Stolberger bereits angefangen, mit den gescannten Maßzahlen aus den USA.

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