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Frontflügel-Falle abgebaut - Entschärfung der Spielberg-Zielkurven

auto motor und sport-Logo auto motor und sport vor 4 Tagen Andreas Haupt
© xpb

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: acht Rennen in zehn Wochen. Wenn Mugello wie erwartet in den GP-Kalender rückt und auf Monza folgt, werden es sogar neun Rennen in elf Wochen sein. Bei dieser Schlagzahl müssen die zehn Formel 1-Teams gewappnet sein.

Trotz des Lockdowns der Fabriken von 63 Tagen haben die Rennställe vorgesorgt und das Ersatzteilelager für den anstehenden Renn-Marathon aufgefüllt. Die Fahrer sind gefragt, Kleinholz zu vermeiden. Auch die FIA kommt ihnen entgegen. Um die Wahrscheinlichkeit möglicher Schäden kleinzuhalten, entschärfen die Regelhüter für die beiden Rennen auf dem Red Bull-Ring von Spielberg die Randsteine. "Soweit wir wissen, werden die hohen Kerbs in den Kurven neun und zehn abgebaut. Da gab es im letzten Jahr ja ein wahres Festival an Frontflügelschäden", erinnert sich McLaren-Teamchef Andreas Seidl.

Schleifen statt Sausage Kerbs

2019 gingen am Trainingsfreitag allein neun Frontflügel auf den etwa zehn Zentimeter hohen Stolpersteinen hinter den eigentlichen Randsteinen zu Bruch, die an mehreren Stellen verteilt waren. Es erwischte auch prominente Fahrer wie Lewis Hamilton und Charles Leclerc. Red Bull verzeichnete allein in den ersten 90 Minuten drei Schäden am Frontflügel.

Das geht ins Geld. Ein irreparabler Frontflügel reist ein Loch von rund 150.000 Euro in die Kasse. In einer Zeit, in der selbst bei den großen Teams das Geld nicht mehr locker sitzt, und Grand Prix auf Grand Prix folgt, muss die Formel 1 haushalten. Wenigstens die letzten beiden Kurven der 4.318 Meter langen Strecke werden deshalb entschärft. "Statt der hohen Kerbs messen Schleifen im Boden, ob ein Auto neben dem Randstein war oder nicht", erklärt Seidl.

McLaren denkt schon an 2021

McLaren wird den ersten Grand Prix der Saison mit einem weiterentwickelten Auto bestreiten. Es ist notwendig in einem Mittelfeld, das sich bei den Wintertestfahrten innerhalb weniger Zehntelsekunden befand. Da kann jeder noch so kleine Entwicklungsschritt einen großen Unterschied oder ein paar Positionen ausmachen.

Die Kurzarbeit und finanziellen Engpässe in der Corona-Hochphase hätten keine Auswirkungen auf die Performance oder das Entwicklungstempo gehabt, berichtet der Teamchef. "Wir führen unseren Entwicklungsfahrplan unverändert fort. Wir wollen über die Saison kontinuierlich Updates für das Auto bringen. Angefangen mit Österreich."

Parallel denkt McLaren bereits an das 2021er Auto. Um Kosten zu sparen, friert die FIA zwar nach und nach Fahrzeugteile ein. Doch McLaren erwartet dennoch ein großer Umbau. Der englische Traditionsrennstall wechselt von Renault-Motoren zurück auf Mercedes. So wie von 1995 bis einschließlich 2014.

Rennteilnahme nie in Gefahr

Die neue Antriebseinheit wird McLaren seine beiden verfügbaren Entwicklungstoken kosten. Die anderen Teams können sie einsetzen, um in zwei eigentlich homologierten Bereichen Fortschritte zu erzielen. "Wir stehen bereits in intensivem Austausch mit Mercedes. Die Integration der neuen Power-Unit wird eine Operation am offenen Herzen", berichtet Seidl. Der Umbau wird von der FIA überwacht werden. McLaren glaubt daran, dass man allein durch den Wechsel von Renault auf Mercedes ein schnelleres Auto haben wird. Und bei der Aerodynamik darf ja noch Weiterentwicklung betrieben werden.

Mit dem 2020er Auto scheint McLaren bereits ein guter Wurf gelungen zu sein. Seidl sieht viele positive Vorzeichen, dass der achtmalige Konstrukteurs-Weltmeisters den Aufwärtstrend der letzten Saison bestätigen kann. Rückenwind erhalte McLaren durch die Finanzspritze aus Bahrain. "Unsere finanzielle Situation ist geklärt. Das sollte uns einen Extra-Boost geben. Wir haben 2019 ein schönes Momentum aufgebaut. Bei den Testfahrten haben wir gesehen, dass uns noch einmal ein guter Schritt über den Winter gelungen ist", sagt Seidl.

Mit der Finanzspritze Bahrain in Höhe von 150 Millionen Pfund ist laut McLaren die kurz- und langfristige Zukunft gesichert. "Unsere Rennteilnahme 2020 und 2021 stand sowieso nie zur Diskussion", erklärt Teamchef Seidl. "Wir haben aber jetzt die Sicherheit, die nächsten beiden Jahre am Optimum zu bestreiten, ab 2021 den Budgetdeckel voll auszuschöpfen und uns voll auf das neue Auto 2022 zu stürzen."

Baustopp in Woking

Gewisse Einschränkungen gibt es aber noch. Der Bau des neuen Windkanals und Fahrsimulators sowie Updates der Produktionsanlagen in Woking sind noch immer gestoppt. "Es gibt noch Unabwägbarkeiten bezüglich des Rennkalenders und der Einnahmen. Diesbezüglich wollen wir erst einmal abwarten."

McLaren ist klar, dass die Topteams nicht nur wegen des Geldes vorne stehen, sondern sie auch die besseren Werkzeuge, die gefestigtere Infrastruktur und eingespieltere Abläufe haben. Dorthin will McLaren kommen. Seidl erwartet wegen der Bau-Verzögerungen keine großen Schäden für das Zukunftsprojekt, das spätestens ab 2023 wieder Siege abwerfen soll. "Ich bin zuversichtlich, dass wir bald wissen, wie es aussieht und wir nahtlos dort anknüpfen, wo wir vor Corona angefangen hatten."


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