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Hypercar "Project One" mit 4 Elektromotoren - Mercedes-AMG Supersportwagen R50 (2017)

auto motor und sport-Logo auto motor und sport 29.05.2017 Holger Wittich, Jens Dralle, Andreas Haupt
Mercedes-AMG Project One: Project One, so heißt das Hypercar vom Mercedes-AMG. Hypercar "Project One" mit 4 Elektromotoren - Mercedes-AMG Supersportwagen R50 (2017)

Für Mercedes-AMG bildet die IAA 2017 den Höhepunkt des 50-Jahr-Firmenjubiläums. Das größte Geburtstagsgeschenk macht man sich selbst. Mit dem Project One Hypercar X1, das aus einem Formel 1-Motor und vier E-Maschinen über 1.000 PS bezieht. Mercedes-AMG baut insgesamt 275 Exemplare auf.

AMG-Supersportler Project One mit F1-Antriebsstrang

Die Affalterbacher sind mit ihrem Hypercar „R50“ – so der interne Name – nicht alleine. Bugatti hat den Chiron, Ferrari den La Ferrari – Aston Martin will mit dem RB001 ein Supersportler mit bis zu 1.300 PS auflegen und auch McLaren will 2019 mit einem Dreisitzer das Konzept des legendären F1 fortschreiben.

Der Verbrennungsmotor des Mercedes-AMG Hypercars entspricht eins zu eins dem aus der Formel 1. Heißt: Der schwäbische Überflieger bezieht seine Leistung aus einem 1,6-Liter-V6-Turbo. Kunden werden also von sich sagen können: Ich fahre ein Auto mit einem F1-Motor. Wie in der Formel 1 verstärken zwei Elektromaschinen den Verbrenner – genannt MGU-H und MGU-K.

Die MGU-H arbeitet sowohl als elektrischer Antrieb mit einer Leistung von 80 kW, um das Turborad im Abgasstrom mit an zu feuern, um das Turboloch auszumerzen, als auch als Generator. Sie sitzt auf der Turboladerwelle mitten im heißen V. Die Welle verbindet das Verdichterrad, welches an der Stirnseite des Motors sitzt, und die Turbine im Abgasstrang. Überschüssigen Abgasdruck nutzt die MGU-H als Generator, um entweder direkt Leistung an den zweiten E-Motor, die MGU-K, zu übertragen, oder um Energie direkt in die Batterien zu transferieren.

Die MGU-K, die Strom im Schleppbetrieb generiert, leistet wie in der Formel 1 120 kW – also 163 PS. Die Elektromaschine ist direkt an die Kurbelwelle angeflanscht. Der Formel 1-Hybridantrieb befeuert ausschließlich die Hinterachse.

Zwei weitere Elektromotoren an der Vorderachse

Jetzt kommen die großen Unterschiede zur Königsklasse des Motorsports. An die Vorderachse heftet Mercedes-AMG zwei weitere Elektromotoren. Im Prinzip handelt es sich um zwei weitere MGU-K mit jeweils 120 kW. Das erlaubt Mercedes-AMG auch Torque Vectoring an der Vorderachse. Es soll mit dem AMG-Hypercar möglich sein, rein elektrisch zu fahren. Dafür wird der Mittelmotor mit den zwei E-Maschinen abgekoppelt. Die zwei E-Maschinen an den Vorderrädern sollen das Project One rund 25 Kilometer elektrisch tragen.

Die Batteriepakete lassen die Ingenieure im Unterboden ein. Aufbau, Zellen und Packaging entsprechen dem Formel 1-Pendant. Unterschied: Die Speicherkapazität wird für den Straßengebrauch vervierfacht. Die Batterien liegen in der Formel 1 zwischen 20 und 25 Kilogramm. Das schreibt das Reglement vor. Der komplette Antriebsstrang muss mindestens 145 Kilogramm wiegen. Die Eckdaten für das Hypercar sind andere: rund 100 Kilogramm für die größeren Batterien, rund 420 Kilogramm für den gesamten Antriebsstrang. Das geht auf das Gesamtgewicht, an dem Mercedes-AMG noch arbeitet. Ob man ein Leistungsgewicht von 1:1 hinbekommt?

Offiziell heißt es bei Mercedes: „Der hocheffiziente und leistungsstarke Formel 1 Weltmeister Hybrid-Antriebsstrang gepaart mit einem vollelektrischen radselektiven Vorderachsantriebskonzept erzeugt eine kombinierte Systemleistung von voraussichtlich mehr als 1.000 PS (735 kW)“. Zum Gewicht macht man keine An- oder Aussage. Auch mit Beschleunigungsdaten rückt man nicht heraus. Kann das neue Hypercar den Bugatti Chiron ausbeschleunigen, der in 2,5 Sekunden auf Landstraßentempo hetzt? „In dieser Größenordnung werden wir uns schon bewegen“, verrät ein Ingenieur. Topspeed? Den scheint Mercedes-AMG eher zu vernachlässigen. Vielmehr soll das Hypercar durch atemberaubende Fahrdynamik glänzen.

Mercedes Project One mit extremer Performance

Der Formel 1-Rennwagen kommt auf eine Leistung von rund 950 PS – heißt es offiziell. Bei maximalen Drehzahlen, die sich aus Effizienzgründen bei maximal 13.500/min einpendeln. Die Leistung muss mit einem Fahrzeuggewicht von 728 Kilogramm (inklusive Fahrer) jonglieren muss. Nur: Allein die Anlassprozedur des Motors dauert rund zehn Minuten, und der erforderliche Sprit ist an keiner öffentlichen Tankstelle erhältlich. Wie also soll diese Technologie auch nur ansatzweise auf Alltagstauglichkeit getrimmt werden?

Schließlich zählt zu den wichtigsten Entwicklungszielen, dass das Hypercar für alle relevanten Absatzmärkte homologiert wird, also im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden kann. Mit einer Laufleistung von 4.000 Kilometern, auf die ein F1-Antrieb ausgelegt ist, dürfte sich ebenfalls kaum ein Hypercar-Kunde zufriedengeben. Dennoch: AMG-Geschäftsführer Tobias Moers verspricht „extremste Effizienz bei extremster Performance“. Im Supersportler wird der V6-Mittelmotor, der eine Verbrennungseffizienz von 43 Prozent erreichen soll, auf 11.000/min. begrenzt, so dass er Laufleistungen von 50.000 km schaffen kann. Danach wird der Verbrennungsmotor überarbeitet. Für den Straßeneinsatz müssen die Ingenieure die Abgase nachbehandeln und den Lärm etwas dämmen.

Das Achtganggetriebe aus der Formel 1 übernimmt Mercedes-AMG nicht. „Es ist von der Laufleistung begrenzt. Außerdem sind unsere Kunden einen anderen Geräuschkomfort gewöhnt“, sagt Philipp Eckert, der im AMG-Team für das Hypercar mitwirkt. Die Affalterbacher entwickeln ein komplett neues Achtgang-Automatikgetriebe. Ein Doppelkupplungsgetriebe würde den Belastungen des Antriebs nicht standhalten, heißt es bei Mercedes-AMG.

Insgesamt werden von dem AMG Hypercar 275 Exemplare aufgelegt. Man führe bereits eine Liste mit potentiellen Käufern heißt es bei AMG und das Modell sei ausverkauft. Mit dieser Stückzahl „sind wir hart an der Produktionskapazitätsgrenze“, so Moers gegenüber britischen Medien. Und, „es ist ein beeindruckendes Auto, es gibt nichts vergleichbares auf dem Markt.“ Beeindrucken ist auch der Preis, der für den Project One aufgerufen wird: 2,275 Millionen Euro plus Steuern. Erste Kunden sollen 2019 in den Genuss ihres Spielzeugs kommen.

Derzeit arbeiten er und sein Team zusammen mit Andy Cowell, dem Verantwortlichen für die F1-Antriebe, an der Umsetzung. Immerhin: Im Straßenbetrieb spielt die bei der Formel 1 vorgeschriebene Durchflussmengenbegrenzung des Sprits keine Rolle. So könnte beispielsweise ein höherer Ladedruck (F1: 4,0 bar) erzielt werden.

Auch beim Fahrwerk setzt AMG auf Motorsport-Knowhow. Sowohl an der Vorder- als auch an der Hinterachse aktivieren Pushrods die Feder- und Dämpfereinheiten.

Für eine entsprechende Fahrbarkeit sorgen die aktive Aerodynamik sowie eine Allradlenkung.

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