Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Kann der schlanke Integrierte im Test überzeugen? - Carthago C-Compactline I 143 LE (2021) im Test

Promobil-Logo Promobil 29.10.2020 Jürgen Bartosch
Wer Optik und Raumvorteile eines Integrierten schätzt, aber ein handliches Mobil fahren will, könnte den kleinen Carthago lieben. © Ingolf Pompe Wer Optik und Raumvorteile eines Integrierten schätzt, aber ein handliches Mobil fahren will, könnte den kleinen Carthago lieben.

Die Auswahl ist nicht gerade groß. Nur vier Marken bieten aktuell Modelle für Freunde schlanker Integrierter an – die Konkurrenzmodelle kommen von Dethleffs, Hymer und Knaus. Direkte Konkurrenten sind sie aber allenfalls zum Teil, da sie technisch wie preislich in einer tieferen Liga spielen. Der C-Compactline ist der einzige schmale Integrierte, der mit Alu-Alu-Aufbau und echtem Doppelboden auf Basis des Fiat Ducato mit Alko-Tiefrahmen zwei wichtige Oberklasse-Insignien ins schlanke Format überträgt.

Bis jetzt. Denn ganz aktuell tritt ein weiterer, namhafter Player auf den Plan. Niesmann + Bischoff mischt mit dem brandneuen iSmove erstmals in dieser Klasse mit. Stilistisch ganz anders und preislich noch etwas höher angesiedelt, könnte sich der iSmove trotzdem zum härtesten Konkurrenten für den C-Compactline entwickeln. Doch man muss kein Prophet sein, um diesem Integrierten-Segment insgesamt ein Wachstum vorherzusagen.

Das 3,5-Tonnen-Diktat wird immer schärfer und die per se schwerere integrierte Bauweise wird zunehmend damit zu kämpfen haben. Die reduzierte Breite ist eine mögliche Gegenmaßnahme. Mit der aktuellen Modellpflege stellt sich der kleine Carthago ganz selbstbewusst der Konkurrenz.

Wohnen

Führt die reduzierte Aufbaubreite zu spürbaren Einschränkungen im Wohnbetrieb? Schauen wir uns erstmal die Sitzgruppe an. Eckbank, Fahrerhaussessel und Seitensitz versammeln sich um den stabilen Tisch. Ein praktisches Fußpedal löst die Bremse für die dreh- und verschiebbare Tischplatte, die eine angemessene Größe aufweist. Mit zwei bis vier Personen hat man hier wirklich genug Platz.

Anders als beim kürzesten Einzelbettenmodell I 141 LE mit 6,67 Meter ist beim I 143 LE der kleine Seitensitz auch wirklich gut nutzbar – etwa um die Beine hochzulegen oder sich zum Schuheanziehen hinzusetzen. Dazu kann man praktischerweise gleich gegenüber aus der Querbanktruhe ein neugestaltetes Schuhfach ausschwenken. Ebenfalls neu ist der TV-Schrank, der über der Querbank hängt. Durch einen cleveren Ausziehmechanismus kann hier ein 32-Zoll-Gerät installiert und mit einem Griff in ideale Position gebracht werden.

Das Hubbett über der Sitzgruppe ist gewohnt komfortabel und solide ausgeführt. Immer wieder praktisch ist das am Kopfende befestigte Ablagebord mit LED-Lesespots – mit einer USB-Ladebuchse wäre die Ausstattung perfekt. Wenn hier allerdings groß aufgeschossene Teenies oder Erwachsene nächtigen sollen, setzt die Matratzenlänge mit 1,80 Meter Länge klare Grenzen. Da wird die reduzierte Aufbaubreite dann doch deutlich spürbar.

Die Längseinzelbetten im Heck dürfen sich etwas weiter strecken – 1,87 und 1,97 Meter Länge reicht vielen Paaren. Dazu gibt es dicke, bequeme Matratzen auf Lattenrosten, die am Kopfende aufstellbar sind. Der Zugang über die zweistufige Treppe gelingt einfach. Mit der ausziehbaren Betterweiterung samt Leiter kann flugs ein Doppelquerbett gebaut werden, das auf eine Liegefläche von 2,01 mal 1,65 Meter kommt.

Auf den großzügigen Ablagen in den Ecken, die neuerdings mit weißbeigen Rüttelkanten statt Chromrelings eingefasst sind, lassen sich Brille, Bettlektüre und Co. bequem ablegen. Knauserig gibt man sich allerdings auch hier mit USB-Anschlüssen. Lediglich eine Buchse ist über dem linken Kopfende zu finden, und selbst die gehört zu einem optionalen Paket.

Ein paar Optimierungen finden sich auch im Bad des Modelljahrs 2021. Werden die zwei Schiebe- und ein Klappflügel der festen Duschabtrennung geschlossen, kommen in der Wandverkleidung neuerdings praktische Ablagenischen zum Vorschein. Simpel, aber in der Praxis sehr hilfreich ist außerdem die in den Rahmen der Mini-Heki-Dachhaube eingefügte Handtuchstange, besonders auch zum Trocknen feuchter Jacken.

Ansonsten passt die Ausstattung rundum. Für Kinder ist die Toilette etwas hoch eingebaut. Einfach, aber wirkungsvoll zeigt sich die Ausführung der doppelt nutzbaren Badtür. Schließt man sie über den Gang hinweg, entsteht ein blickgeschützter Umkleideraum. Die Kleider- und Hängeschränke sind dazu gleich in der Nähe platziert.

Bleibt noch die Küche, die sich rechts zwischen Einstieg und Schlafzimmer längs erstreckt. Ein Hängeschrank und sechs solide Schubladen kümmern sich um Kochgeräte und Essensvorräte – zudem der sich anschließende 139-Liter-Kühlschrank. Den zweiten, schmalen, wellenförmigen Hängeschrank kann man optional mit einer Kapselkaffeemaschine samt Auszug ausstatten lassen. Kocher und Spüle sind abdeckbar. Letztere Platte hat auf der Rückseite ein praktisches Schneidebrett integriert und kann als weitere Ablage in eine Aufnahme an der Kühlschrankwand gesteckt werden – ganz pfiffig. Trotzdem ist echte Arbeitsfläche eher Mangelware.

Beladen

Neun Hänge- und zwei Kleiderschränke sollten mit den Habseligkeiten von zwei bis vier Reisenden gut zurechtkommen. Der Kleiderschrank unter dem rechten Bettende kann mittels beigelegten Zwischenbodens in einen Wäscheschrank verwandelt werden. Dazu gesellen sich zwei Treppenstufen- und ein Doppelbodenfach sowie das bereits erwähnte Schuhfach. Durch die große Bodenluke im Eingangsbereich erreicht man außerdem das Durchladefach unter der Sitzgruppe mit Außenzugängen rechts und links. In einer abgesenkten Bodenwanne können darin sogar mehrere Sixpacks mit 1,5-Liter-Wasserflaschen gebunkert werden.

Ein weiteres, kleineres Außenfach, das sich rechts zwischen Einstieg und Hinterrad findet, ist ideal, um übliches Zubehör wie Kabeltrommel, Schlauch und Auffahrkeile zu lagern. So bleibt die stattliche Heckgarage ganz dem Sperrgepäck vorbehalten. Das ist auch das einzige kleine Manko des üppigen Laderaums: Es gibt keinerlei Fächer für Kleinteile, obwohl rechts in der Nische, wo sich auch der Kasten mit der Bordelektrik findet, noch Platz wäre für zwei, drei Regalfächer.

Bleibt die Frage nach der Zuladung? Ein Fahrzeug, das den Schriftzug "Super-Lightweight" trägt, weckt gewisse Erwartungen. Die werden mit rund 3200 Kilo promobil-Leergewicht nicht so ganz erfüllt. Rechnet man aber die Extras und das Mehrgewicht des voll- und nicht nur auf Fahrstellung gefüllten Wassertanks ab, landet man bei 2950 Kilo. Dann reicht es auch mit der 3,5-Tonnen-Serienzulassung.

Technik

Am bekannt soliden Aufbau hat sich zum neuen Modelljahr nichts geändert. Die Sandwichplatten sind außen wie innen mit Alu verkleidet. Dach und Boden hüllen sich dagegen in GfK und schützen sich somit gegen Hagel- und Steinschlag. Fenster, Türen und Klappen sind sauber eingesetzt. Letztere tragen Doppeldichtungen gegen Schwallwassereinbruch. Die Garagentüren sind mit zwei Griffplattenschlössern mit Vorschließfunktion versehen – in der Praxis manchmal etwas hinderlich, weil man zum Öffnen zwei freie Hände braucht.

Neben neuen Dekoraufklebern ist der überarbeitete C-Compactline an der Front durch elegant integrierte LED-Tagfahrlichter und am Heck durch einen neugestalteten Rahmen aus aufgesetzten Kunststoffteilen zu erkennen. Sie sind nun konkav geformt und wirken so weniger wuchtig als zuvor, was gerade die schlanke Linie des Integrierten betont.

Wirklich großzügig ausgelegt sind die Wassertanks mit 150 Liter Frisch- und 140 Liter Abwasserfassungsvermögen.Eine Druckpumpe fördert das Wasser zu den Einhebelmischarmaturen. Die Ablassventile sind wie gewohnt im Staufach unter der Klappe am Einstieg zusammengefasst. Neuerdings findet sich hier genau gegenüber neben ein paar 12-Volt-Sicherungen auch der Batteriehauptschalter, mit dem man beim Stilllegen des Fahrzeugs alle Verbraucher abtrennen kann, um eine Tiefentladung während längerer Standzeiten zu vermeiden.

Die serienmäßige 80-Ah-Gel-Batterie versteckt sich hingegen in einer abgesenkten Wanne unterhalb des Doppelbodenstaufachs vor der Küche. Hier ist auch noch Platz für einen zweiten Bordakku. Ladegerät, Netzsicherung mit FI und weitere Flachsicherungen sind in einem Kasten in der Heckgarage gut zugänglich installiert. Zudem entdeckt man noch einen Ladebooster, allerdings nur wenn das Chassis-Paket mitbestellt wurde.

Die gut bestückte Beleuchtungsanlage hat mit zusätzlichen indirekten Lichtbändern am Sitzbank- und Küchensockel nochmals an Ambiente hinzugewonnen. Auch die Helligkeit ist tadellos – außer im Bad: beim Blick in den Spiegel wäre etwas mehr Licht wünschenswert.

Nicht auf der Höhe der Zeit ist die Ausstattung mit USB-Buchsen. Neben zwei im Cockpit gibt es nur noch eine im Heck und selbst die ist optional. Das Kontrollbord kann gefallen, zeigt für den Abwassertank aber keinen Füllstand, sondern lediglich eine Überlaufwarnung an.

Lichtcheck

Im Mittel kommt die Sitzgruppe auf 285 Lux, Spitzenwert ist fast 400 – gut. Die Küchenarbeitsplatte kommt im Schnitt auf über 300 Lux, teils sind es 525. Etwas magerer fällt die Beleuchtung im Bad aus, 160 Lux im Mittel, 205 für das Gesicht im Spiegel. "Grüne Welle" für das Hub- und die Heckbetten. Die mittlere Helligkeit liegt bei über 100 bzw. 200 Lux, unter den Lesespots sind es über 300 – bis zu 580 Lux.

Fahren

Positive Auswirkungen des schmalen Aufbaus verspricht man sich natürlich beim Fahren – und wird nicht enttäuscht. Während der normal breite Bruder C-Tourer I bereits zu den handlichsten und fahraktivsten Integrierten zählt, setzt der C-Compactline I noch einen drauf. Mit ihm wedelt man – wenn nötig – wieselflink durch Kreisverkehre, bis man vom ESP eingebremst wird, ohne dass dabei groß Unsicherheitsgefühle aufkommen würden. Die respekteinflößende Weite typischer Integrierten-Fahrerhäuser schrumpft beim C-Compactline auf ein so handzahmes Maß, dass selbst Einsteiger schnell damit vertraut sind. 15 Zentimeter weniger Breite helfen aber natürlich auch ganz praktisch, wenn es richtig eng wird.

Die markentypisch gute Übersichtlichkeit trägt ebenso ihren Teil dazu bei. Sie kämpft lediglich mit einem Dilemma: Je größer und besser die Außenspiegel und damit die Rücksicht, desto mehr ist der Blick in Kreuzungen und Kreisverkehre durch die Spiegelgehäuse behindert. Einziger Ausweg wären Kameraspiegelsysteme.

Der 160-PS-Motor hat mit dem schlanken Integrierten keinerlei Probleme. Der schmale, windschlüpfige Aufbau ermöglicht ein Spitzentempo von rund 150 Stundenkilometern – oder hilft bei entsprechender Fahrweise einen sparsamen Verbrauch von wenig über zehn Liter pro hundert Kilometer zu realisieren.

Preis des Carthago C-Compactline I 143 LE (2021)

Wer einen hochwertigen, schlanken Integrierten mit Doppelboden sucht, kommt am C-Compactline kaum vorbei – den neuen iSmove noch nicht mit betrachtet. Das Preisniveau ist dabei ganz schön happig und steigt zum aktuellen Modelljahr weiter um 2250 Euro. Zudem kommen das Chassis- und das Komfort-Paket praktisch obligatorisch obendrauf – macht mindestens 90.000 Euro. Wer es sich leisten kann, bekommt dafür einen Integrierten, der weniger durch äußere Größe als durch innere Stimmigkeit überzeugt.

Grundpreis: 85.650 Euro

(Fiat Ducato 35 L, Motor 103 kW/140 PS) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II

Testwagenpreis: 96.705 Euro

Das fiel uns auf

(+) Der Seitensitz ist zwar nicht riesig, aber bequem genug als Zusatzplatz und um die Füße hochzulegen.

(+) Gut zugängliche Bordtechnik mit der Elektrik und einem Frischwassertankzugang in der Garage.

(+) Das Mini-Heki bringt Licht, Luft und mehr Stehhöhe ins Bad und hat eine praktische Kleiderstange.

(+)(-) Echte Küchenarbeitsfläche gibt es nicht viel, dafür eine flexibel nutzbare Spülenabdeckung.

(+)(-) Der Gasflaschenwechsel ist relativ mühsam – der optionale Auszug ist wärmstens zu empfehlen.

(-) Im Schlafzimmer gibt es nur eine USB-Buchse und selbst die ist noch Teil eines Ausstattungspakets.

Nachgefragt

Florian Hofer, Produktmanager bei Carthago, nimmt Stellung ...

... zum fehlenden Auszug im Gaskasten, in dem die Flaschen hintereinander stehen. Wir bieten den Flaschenauszug optional an und lassen lieber den Kunden entscheiden, ob er diesen Komfort möchte.

... zu der mageren Bestückung mit nur einer, zudem optionalen USB-Ladebuchse im Wohnraum. Die Kundenwünsche zu Anzahl und Platzierung von Steckdosen sind sehr unterschiedlich. Darum bieten wir optional ein Steckdosenpaket und zudem kann der Händler ganz individuell weitere Buchsen nachrüsten.

... zu dem nicht rundum abgedichteten Schacht der Toilettenkassette. Da wir dazu keine Reklamationen aus dem Kundenkreis haben, erscheint uns hier keine Änderung nötig.

... zu den fehlenden Fächern für Kleinteile in der Garage. Da wir stets einen größtmöglichen Garagenraum bieten wollen, verzichten wir hier auf abgeteilte Fächer. Für Kleinteile stehen mehrere Außenstaufächer im Doppelboden bereit.

Konkurrenten

Dethleffs Globebus I 6

Grundpreis: 60.999 Euro

Basisfahrzeug: Fiat Ducato, 88 kW/120 PS

Länge/Breite/Höhe: 6950/2200/2810 mm

Leer-/zul. Gesamtgewicht: 2890/3500 kg

(+) Günstiger Grundpreis, attraktive GT-Version

(-) Fiat-Flachrahmen, kein Doppelboden, magerer Serienmotor, Aufbau mit Holzunterboden

Hymer Exsis-I 580

Grundpreis: 70.990 Euro

Basisfahrzeug: Fiat Ducato, 88 kW/120 PS

Länge/Breite/Höhe: 6990/2220/2770 mm

Leer-/zul. Gesamtgewicht: 2930/3500 kg

(+) Hochwertiger Alu-Alu-Aufbau mit PU-Schaumdämmung, Rahmenfenster

(-) Fiat-Flachrahmen, kein Doppelboden, magerer Serienmotor

Knaus Van I 650 MEG

Grundpreis: 73.680 Euro

Basisfahrzeug: Fiat Ducato, 88 kW/120 PS

Länge/Breite/Höhe: 7000/2200/2760 mm

Leer-/zul. Gesamtgewicht: 2870/3500 kg

(+) Ein Einzelbett mit zwei Meter Länge, Rahmenfenster

(-) Fiat-Flachrahmen, kein Doppelboden, magerer Serienmotor

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Promobil

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon