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Kleine Teams fordern Perspektive - Streit über Budget-Obergrenze

auto motor und sport-Logo auto motor und sport 06.04.2020 Michael Schmidt
© Stefan Baldauf

Die Lage ist ernst. Den Formel 1-Teams brechen die Einnahmen weg, und sie bleiben auf ihren Kosten sitzen. McLaren hat als erstes der sieben in England stationierten Teams unbezahlten Urlaub für seine Mitarbeiter beantragt. Der Staat bezahlt die Löhne bis zu einer maximalen Höhe von 2.500 Pfund pro Mitarbeiter.

Haas will dem Beispiel folgen. Racing Point überlegt noch: "Das Team prüft derzeit eine Reihe kostensparender Maßnahmen. Wir können nichts ausschließen, da es im Moment immer noch eine große Unsicherheit darüber gibt, wann der Rennbetrieb wieder beginnt", heißt es in einem Team-Statement.

Es ist bezeichnend, dass McLaren als erster diesen Schritt getan hat, der mit dem deutschen Instrument der Kurzarbeit vergleichbar ist. McLaren zählt in der Formel 1B mit einem geschätzten Budget von 210 Millionen Euro und einer Belegschaft von rund 750 Mitarbeitern zu den reicheren Teams.

Die Maßnahme zeigt, wie stark die Auswirkungen der Corona-Krise die Teams bereits in die Enge getrieben haben. Weiter unten im Feld befürchtet man noch Schlimmeres, wenn nicht schnell Sparmaßnahmen für die Gegenwart und eine Perspektive für die Zukunft geschaffen werden.

Spielraum von 100 bis 150 Millionen Dollar

Genau um die Zukunft geht es in einer großen Video-Konferenz am Montag (6.4.). Dann wollen die Teamchefs mit FIA-Präsident Jean Todt und Formel-1-Chef Chase Carey über eine Absenkung der Budgetdeckelung sprechen.

Im Reglement sind derzeit 175 Millionen Dollar vereinbart. Insgesamt 20 Posten zählen nicht zu dieser Summe. Unter anderem die Fahrer-Gehälter, die Lohnkosten der drei teuersten Angestellten, die Reisespesen und das Motoren-Leasing.

Der Moment ist günstig. In der Stunde der Not sind alle Beteiligten für Kostensenkungen empfänglich. Sollte man zumindest meinen. In einer letzten Bestandsaufnahme der Teamchefs am Freitag (3.4.), wurde versucht noch einmal auf eine gemeinsame Linie zu kommen. Die Fronten bleiben jedoch verhärtet.

Ferrari, Red Bull und Mercedes wollen beim Budget-Cap nicht unter 150 Millionen Dollar gehen, und das auch nur unter Bedingungen, wie zum Beispiel den Aufschub der neuen Regeln auf 2023. Die restlichen sieben Teams fordern 100 Millionen Dollar Maximum.

Man hofft, sich irgendwo in der Mitte zu treffen. Etwa bei 130 Millionen Dollar, der von den F1-Bossen ursprünglich mal angedachten Summe. Allerdings mit viel weniger Ausnahmen.

Ziel der Reform war es ja, das Feld enger zusammenzurücken. Seit nun mehr fast sieben Jahren haben nur Mercedes, Ferrari und Red Bull einen Grand Prix gewonnen. Der letzte Sieger, der nicht aus diesem Trio kommt, war Kimi Räikkönen im Lotus beim GP Australien 2013.

Ruf nach Chancengleichheit

Die großen Teams warnen vor einer Entlassungswelle. Aber sie wollen sich natürlich auch ihre Privilegien sichern. Sie haben kein großes Interesse daran, dass die Zahl der Siegkandidaten größer wird.

Ihre Gegenspieler kontern damit, dass noch viel mehr Jobs verloren gehen, wenn zwei oder drei Teams Pleite gehen. Selbst wenn die Saison im Juli oder August beginnen sollte, rechnen die Teams je nach WM-Position mit Mindereinnahmen von 30 bis 70 Millionen Dollar aus den Formel-1-Prämien.

Große Teams können das Loch in der Kasse leichter stopfen. Die kleinen Teams hingegen werden noch in den nächsten beiden Jahren unter den Verlusten von 2020 leiden und ihre Budgets entsprechend nach unten korrigieren müssen.

Dabei geht es den sieben Rebellen aber nicht nur um den Spareffekt. Die von privater Hand finanzierten Teams wollen eine Perspektive. Wenn Ferrari, Red Bull und Mercedes 150 Millionen ausgeben, der Rest sich aber auf 100 Millionen gesundschrumpfen muss, bleibt die Kluft zwischen Arm und Reich bestehen.

"Wir müssen den Besitzern der kleinen Teams eine Perspektive geben. Es muss das Ziel sein, dass sie unter annähernd gleichen Bedingungen mit den Großen konkurrieren können. Von denen will keiner mehr den Clown spielen und einfach nur chancenlos teilnehmen", fordert einer aus dem Kreis der Kleinen.

Teams vor dem Ausstieg aus der Formel 1

Sechs der zehn Teams werden von Milliardären geführt. Sie sind das Rückgrat ihrer Rennställe und fangen aus Eigenmitteln die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben auf. Dazu zählt auch McLaren, die vom Wohlwollen ihrer arabischen Geldgeber abhängig sind. Und die investieren nur Geld, wenn sie in absehbarer Zeit eine Chance sehen, wieder Rennen zu gewinnen.

Das Lager der Rebellen kalkuliert so: Je weiter die Budgetdeckelung fällt, desto größer die Chancengleichheit und desto größer die Motivation für Teambesitzer wie Lawrence Stroll, Finn Rausing, Gene Haas oder McLarens Aktionäre aus Bahrain bei der Stange zu bleiben.

Die Top-Teams dagegen setzen lieber auf sofortige Spareffekte. Sie wollen beim Budget-Gipfel am Montag weitere Sparvorschläge präsentieren, um eine drastische Absenkung des Kostendeckels zu verhindern.

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