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Marktstart verzögert sich, kein IAA-Debüt - Neuer VW Golf VIII (2020)

auto motor und sport-Logo auto motor und sport vor 5 Tagen Holger Wittich, Jens Dralle, Gerd Stegmaier
© Stefan Baldauf

Erinnern wir uns: 2012 kam der VW Golf VII auf den Markt, das erste Modell von VW mit dem sogenannten Modularen Querbaukasten (MQB). Auf dieser hochflexiblen Architektur basieren künftig alle Modelle von Polo bis Passat samt ihrer Derivate. Die Vereinheitlichung verschiedener Baugruppen wie Antrieb, Fahrwerk, Assistenz- und Infotainmentsysteme soll unter anderem die Komplexität und Kosten senken.

Die Bandbreite des Golf VII umfasste Erdgas-, Elektro- und Plug-in-Hybrid-Versionen, der SUV-Verwandte mit MQB-Technik, der Tiguan, verkauft sich inzwischen ähnlich gut wie das Kompaktwagen-Original und hat den Mittelklasse-Ableger Passat eingeholt. Nahezu alle Technik-Features, die der gerade facegeliftete Passat dem Golf noch voraushat, kommen dank MQB ohne großen Mehraufwand dem VW Golf VIII zugute. Zum Teil hat er sie schon beim Facelift bekommen – wie etwa das frei programmierbare Instrumentendisplay. Die nächste Generation bekommt in der Mitte ein größeres Infotainmentdisplay und für den Fahrer ein echtes Head-Up-Display sowie die gleiche Vielzahl an Assistenzsystemen wie der überarbeitete Passat.

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Golf-Debüt verschoben – Technik macht Probleme?

Debütieren sollte der neue Golf VIII im Herbst 2019, die Publikumpremiere war für die IAA geplant. Nun kommt der Golf erst Anfang 2020 auf den Markt. Dies erklärte Marketing-Vorstand Jürgen Stackmann gegenüber der Automotive News Europe. „Wir denken, es ist besser, nächstes Jahr mit Vollgas in die Offensive zu gehen. Das hat aber nichts mit technischen Problemen zu tun, sondern ist eine Marketing-Entscheidung“. Einen Start in der traditionell schlechten Neuwagenverkaufsperiode in der Vorweihnachtszeit will VW vermeiden.

Volkswagen bestätigte indes technische Probleme mit dem digitalen Cockpit, weist jedoch Berichte zurück, diese Pannen seien der Auslöser für die Verschiebung des Marktstarts. So sieht das Bedienkonzept im Golf ein digitales Cockpit vor, dass auf wenige Schalter und Bedientasten reduziert ist. Touchscreens und Gestensteuerung sowie ein Head-Up-Display kommen stattdessen zum Einsatz. Nach VW-Angaben soll der Golf 8 ständig online sein und seine Assistenzsysteme sollen in der Klasse ein Maßstab für Konnektivität und Sicherheit sein.

Volkswagen wird darüber hinaus den neuen VW Golf 8 nicht wie ursprünglich geplant auf der IAA im Herbst präsentieren. Stattdessen wollen die Ingolstädter dem Bestseller einen eigenen Event ein paar Wochen nach der Frankfurter Messe gönnen, auch um den Messe-Fokus auf die Serienversion des VW ID. Neo, Volkswagen erstes reines Elektroauto, zu lenken. Dieser erhält noch eine eigenen Modellbezeichnung. ID. Golf wäre nicht abwegig, denn ab 2040 will VW keine Verbrennungsmotoren mehr verkaufen und dann wäre der elektrische ID. der neue Golf.

VW Golf VIII ist leichter und sparsamer

Die neuesten Bilder unseres Erlkönigfotografen zeigen, dass sich Generation 8 optisch deutlich stärker vom aktuellen VW Golf unterscheidet als dieser von seinem Vorgänger. Vor allem die veränderten Proportionen (etwas breiter und flacher) und markanteren Details (etwa Scheinwerfer) sorgen dafür. Dass der Neue geduckter aussieht als der Golf VII (rund 1,47 Meter hoch), fällt vor allem auf, wenn der ID. in der Nähe ist, der mit seiner 14 Zentimeter hohen Batterie im Fahrzeugboden sicher über 1,55 Meter hoch wird. Neben den weiter umlaufenden Rückleuchten fällt vor allem das Profil der Seitenlinie von hinten auf. Verläuft die Linie der C-Säule beim aktuellen Modell von hinten gesehen ziemlich senkrecht und gerade, wird das Heck bei der Generation 8 nach unten hin breiter, ab der Fensterlinie sogar mit einem Knick – der neue Golf hat quasi Schultern. Trotzdem ist auch der Golf 8 vor allem wegen der bekannten Proportionen problemlos als Golf erkennbar.

Der Neue muss natürlich sparsamer werden, schließlich sinkt das Limit für den CO2-Ausstoß ab 2020 auf 95 g/km. Gerade der VW Golf als wichtiges Volumenmodell muss bei den Wolfsburgern für dieses Ziel einen kräftigen Beitrag leisten. Mit Modellgeneration acht will VW zudem das Fahrzeuggewicht noch mal um rund 50 Kilogramm senken. Außerdem wurde die Aerodynamik nochmal angepasst, Bisher unterbieten zwar einzelne Varianten wie der e-Golf, der GTE-Hybrid, der TGI (Erdgas) und der Bluemotion-TDI diese Marke, aber mit dem Einliter-Dreizylinder kommt nur ein Benziner im Golf als TSI Bluemotion unter die 100-Gramm-Schwelle. Aber, einen Golf-e wird es nicht mehr geben, stattdessen wird VW den I.D. in der Kompaktklasse anbieten. Auch die im Polo eingesetzten Dreizylinder-TDI und der 1,4-Liter-TSI halten nicht mehr Einzug in den Golf.

Mild-Hybrid im neuen Golf 8

Dafür gibt es aber jede Menge andere Antriebs- und Hybridvarianten. So markiert ein neuen 48V-Mildhybrid als Niedervolt-Hybridsystem (mHEV) im VW Golf 8 ab 2019 den Start zur Elektrifizierung konventioneller Antriebe. Der neue Antriebsstrang wird zunächst im Golf und eingesetzt und dann sukzessive über die gesamte Modellpalette ausgerollt. Das System kombiniert den Verbrennungsmotor mit einem 48V-Riemenstarter-Generator (RSG) und einer 48V-Batterie. Das erlaubt durch „segeln“ mit abgestelltem Motor rund 0,3 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer einzusparen. Gleichzeitig bietet der Mild-Hybrid durch den elektrischen Boost beim Anfahren eine verbesserte Dynamik. Die per Rekuperation gespeiste 48V-Lithium-Ionen-Batterie gibt ihre Energie an den Startergenerator ab, aber auch über einen DC/DC-Wandler an der nach wie vor vorhandenen 12V-Bordnetz.

Ob auch der mHEV plus schon im nächsten Golf den Sprung in den Serieneinsatz schafft, steht derzeit noch nicht fest. Diese Antriebsvariante besitzt ebenfalls einen 48-Volt-RSG, verfügt zusätzlich aber über einen 48-Volt-Achsantrieb. Das Modell kann damit also im niedrigen Lastbereich – wie beim Parken – rein elektrisch fahren. Zudem erweitert der Achsantrieb die Möglichkeiten beim Segeln und kann sowohl an der Vorder-, als auch an der Hinterachse angreifen – womit also auch eine Art elektrischer Allradantrieb realisierbar ist.

Audi-Motor und TGI-Aggregat mit 160 PS

Es wird aber auch reine Ottomotoren im Golf 8 geben. Diese sollen zum Großteil auf dem neuen Motor EA 211 evo basieren. Das neue Aggregat ist in aktuellen Modellen bereits in der Version mit 1,5 Liter Hubraum bekannt. Es bietet aber viele Möglichkeiten, mit höheren Leistungen, kleineren Hubräumen und weniger Zylindern – beispielsweise als Einliter-Dreizylinder – eingesetzt zu werden. Besonderheiten, die Verbrauch und Emissionen senken, sind unter anderem das Miller-Brennverfahren sowie ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie. Zudem sollen alle Ottomotoren zukünftig einen Benzinpartikelfilter bekommen. Der 2.0 TSI aus dem Audi-Regal wird voraussichtlich noch weiter im Portfolio bleiben.

Weiterhin ist für den Golf 8 wieder ein Erdgasantrieb geplant, im Gegensatz zum aktuellen Modell dann auf Basis des neuen EA 211 evo. In einem Prototypen als 1,5 Liter TGI mit 160 PS (118 kW) und 250 Newtonmeter Drehmoment gab VW schon 2018 die Möglichkeit zu ersten Probefahrten. Details zu den für die Serie vorgesehenen Motorleistungen verrieten die Entwickler dabei zwar noch nicht, der Antrieb wirkte aber sehr vielversprechend und erfreute vor allem mit guten Durchzug. Doch das beste Argument für CNG dürfte die Möglichkeit sein, den Kraftstoff synthetisch und nahezu CO2-neutral herstellen zu können.

NOx-Kat und SCR-Kat ab 2019 in Golf 8-Diesel

Bis solche Verfahren auch für Diesel serienreif sind, wird es wohl noch dauern. Trotzdem wird es verschiedene Selbstzünder im Programm geben. Allerdings wird sich VW nach eigenen Aussagen auf die größeren Motoren beschränken. Um bei den verbleibenden Motoren das Abgas zu reinigen, sollen alle Modelle zukünftig einen SCR-Kat mit AdBlue-Einspritzung bekommen. Da dieses System aber vor allem in der Kaltlaufphase, im Kurzstrecken- und Stadtbetrieb nicht optimal arbeiten kann, plant VW ab der Zulassung nach Euro 6d ein Kombisystem aus NOx-Speicherkat und SCR-Katalysator einzusetzen. Ab 2019 soll es in allen Dieselmodellen zum Einsatz kommen.

Neuer Golf 8 wird schlanker

Rein wirtschaftlich betrachtet muss VW natürlich sämtliche Assistenzsysteme und Technologien am besten schnell über die gesamte Modellpalette ausrollen. Und ein zuverlässig und clever agierendes Navigationssystem kann den VW-Golf-Alltag ebenso vereinfachen, wie ihn der Notbremsassistent sicherer machen kann. Ob nun eine 360-Grad-Rundumsicht wirklich nötig ist, sei dahingestellt. Wichtig ist aber, dass die Golf-Käufer die Extras auch bestellen. Ob das die kostengetriebenen Fuhrpark-Manager machen? Wohl kaum. Und für Privatkunden sind viele Systeme schwerer greifbar als etwa schicke Räder, wie Ford lernen musste, als der Focus mit neuen Assistenzsystemen auf den Markt kam. Dennoch, der neue VW Golf VIII erhält ein aktives Lichtsystem, Adaptive Cruise (ACC) sowie ein Head-up-Display.

VW Golf bekommt Druck von Premium-Konkurrenz

Der Golf 8 trifft auf starke Konkurrenz: Die Mercedes A-Klasse hat vor allem bei Innenraumgestaltung und dem Bediensystem MBUX vorgelegt, BMW stellt ebenfalls noch 2019 mit dem neuen 1er auf Frontantrieb um und dürfte daher bei der Raumökonomie einen großen Schritt nach vorn machen. Außerdem drücken die Premiummarken teure Oberklasse-Extras mit Wucht in 2er und A-Klasse – weil sich so gut Kasse machen lässt.

Die Bedeutung des neuen Golf 8 macht sich auch schon in der Vorserienphase bei VW bemerkbar. So lud das Unternehmen zu einem „Golf 8 Supplier Summit“ in die Volkswagen Arena ein. 180 Top-Manager der 120 wichtigsten Zulieferer erhielten erste Einblicke und Informationen zum Golf 8 von Beschaffungsvorstand Ralf Brandstätter. „Die Produkteinführung der kommenden Golf-Generation ist neben der I.D.-Familie die strategisch bedeutsamste für die Marke.“ Im Anschluss an die Lieferantenauswahl startet nun die nächste Phase der gemeinsamen Arbeit mit den Lieferanten, um einen stabilen Anlauf des Golfs zu gewährleisten. „Wir sind in der entscheidenden zweiten Hälfte des Projektes,“ so Brandstätter. Positiv sei für Volkswagen und Zulieferer gleichermaßen, dass 80 Prozent aller Golf 8-Lieferanten bereits beim aktuellen Golf unter Vertrag stehen, erklärte Brandstätter: „Das ist ein Zeichen für große gegenseitige Loyalität, schafft eine breite Vertrauensbasis und mehr Planungssicherheit.“ Das Unternehmen investiert 1,8 Milliarden Euro in die Modellfamilie der neuen Golf-Baureihe.

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