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„Pace über Nacht weg“ - Enttäuschung bei Racing Point

auto motor und sport-Logo auto motor und sport vor 1 Tag Tobias Grüner
© Wilhelm

Racing Point steht schon die ganze Saison im Fokus der Aufmerksamkeit. Die beim Design eng an den Vorjahres-Mercedes angelehnten Rennwagen ließen in den ersten Rennen immer wieder großes Potenzial aufblitzen. Vor allem in schnellen Kurven zeigte der RP20 seine Stärken, weshalb sich die Ingenieure für Silverstone auch ein starkes Ergebnis ausrechneten.

"Wir haben uns das Streckenlayout angeschaut und gedacht, da sollte für uns viel möglich sein. Doch dann sind wir heute mehrere Zehntel von der Rundenzeiten entfernt geblieben, die wir uns eigentlich ausgerechnet hatten", erklärte Technikchef Andy Green enttäuscht. "Über Nacht haben wir irgendwie Pace verloren. Dafür suchen wir gerade eine Erklärung."

Nach einem starken Freitag gingen die Techniker davon aus, dass man im Q2 locker mit den Medium-Reifen in das Q3-Finale einziehen kann. Doch nach einem schwachen ersten Run verpasste Nico Hülkenberg die entscheidende Marke selbst auf den weicheren Softs im zweiten Anlauf. Der Rückkehrer blieb auf Position 13 hängen.

Racing Point hinter den Erwartungen

Lance Stroll im Schwesterauto schaffte es ins Q3, schrammte allerdings haarscharf am Ausscheiden vorbei. Der Kanadier setzte im zweiten Run exakt die gleiche Zeit wie Pierre Gasly auf Rang 11, und kam nur deshalb weiter, weil er seine Runde einen Tick früher beendet hatte als der Alpha Tauri. Im Q3 war dann aber auch nicht mehr drin als der sechste Startplatz.

"Die Fahrer hatten das Gefühl, dass im Auto noch ein paar Reserven stecken, wenn sie mehr Gas geben. Doch als sie das Tempo erhöhten, war die Pace einfach nicht da", zuckte Green ratlos mit den Schultern. "Vielleicht lag es an den im Vergleich zum Freitag veränderten Bedingungen. Dabei war die Balance gar nicht mal so verschieden. Wir müssen das jetzt auch im Hinblick auf das nächste Wochenende analysieren und verstehen."

Hülkenberg selbst wollte die enttäuschenden Startplätze nicht einfach auf das Auto schieben: "Ich bin einfach nicht in einen guten Rhythmus gekommen. Die Quali-Prozeduren sind bei jedem Team ein bisschen anders. Der Wechsel mit Medium- und Soft Reifen im Q2 hat den Rhythmus auch etwas durcheinandergebracht. Am Ende lief es nicht optimal. Aber es wäre auch utopisch, das zu erwarten."

Hülkenberg-Probleme erwartet

Technikchef Green wollte den Ersatzmann nicht kritisieren: "Nico hat sich sofort gut eingefügt und einen guten Job abgeliefert. Das Auto hat auch einigermaßen gepasst. Lance ist ja nicht einmal zwei Zentimeter größer. Ich denke von der Technik war die Umstellung gar nicht so schlimm. Sein größtes Problem ist, dass er einfach neun Monate nicht gefahren ist. Man kann sicher sagen, dass er etwas eingerostet war."

Das Technik-Team hatte versucht, die Aufgabe für den Rückkehrer so einfach wie möglich zu gestalten: "Als klar war, das Checo ausfällt, haben wir unser geplantes Wochenend-Programm komplett umgebaut. Wir haben sichergestellt, dass sich Nico gut eingewöhnen kann. Er sollte zum Beispiel keine komplizierten Setup-Vergleiche fahren."

Green glaubt, dass Hülkenberg am Sonntag leiden wird. Am Ende werde ihm das erste Rennen seit dem GP Abu Dhabi Anfang Dezember aber auch weiterhelfen: "Nico ist körperlich noch nicht bei 100 Prozent. Das wird er auch selbst zugeben. Es wird im Rennen sicher hart für ihn, aber er wird sich durchbeißen. Und er wird in den 52 Rennrunden sicher viel über das Auto lernen, was ihm für nächste Woche hilft."

Hülkenberg gab zu, dass er die Belastungen ordentlich spürt: "Der Nacken streckt mir etwas die Zunge raus. Die Maschinen sind hier schon abartig schnell. Das ist Wahnsinn. Wenn man über acht Monate diese G-Kräfte nicht gewohnt war, dann ist klar, dass das nicht ganz passen kann. Wir werden im Rennen kämpfen. Die Konkurrenz ist ja nicht weit weg. Ich kann natürlich noch kein Ergebnis prophezeien. Aber ich will eine gute Leistung abliefern und hoffentlich kommt am Ende etwas Zählbares bei rum."


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