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Plug-in-Hybrid-Coupé mit 600 PS - Polestar 1 (2019) von Volvo und Geely

auto motor und sport-Logo auto motor und sport 13.03.2018 Gerd Stegmaier
In Shanghai hat Volvos Elektro-Performance-Marke Polestar ihr erstes Auto gezeigt: Der "1", hier mit Polestar-Chef und oberstem Volvo-Designer Thomas Ingenlath, entspricht äußerlich weitgehend dem Volvo Concept Coupé von 2013.: Polestar 1 Plug in Hybrid Volvo © Bernhard Limberger Polestar 1 Plug in Hybrid Volvo

  • Antrieb und Technik
  • Fahrwerk unnd Bremsen
  • Sitzprobe

Insofern liegt Polestar auf einer Linie mit der von Volvo im Juli 2017 bekannt gegebenen Absicht, dass jedes ab 2019 neu eingeführte Volvo-Modell zumindest auch einen Elektromotor (aber nicht nur) haben soll. Die rein elektrische Reichweite soll bis zu 150 Kilometer betragen.

Der Polestar 1 hat also immer noch einen konventionellen Verbrennungsmotor, aber so Polestar-Chef (und Volvo-Chef-Designer) Thomas Ingenlath: „Mit der größten rein elektrischen Reichweite aller weltweit verfügbaren Plug-in-Hybridfahrzeuge betrachten wir ihn aber mehr als Elektroauto, das von einem Verbrennungsmotor unterstützt wird. Alle künftigen Polestar Modelle sind vollelektrische Performance-Fahrzeuge, aber der Polestar 1 verbindet die heutige Technik mit der Zukunft: Er bietet den perfekten Antriebsstrang für ein Grand Touring Coupé, das sowohl auf längeren Reisen als auch auf kurzen, schnellen Strecken unterwegs ist“.

2 Elektromotoren hinten, 1 Vierzylinder vorn

Beim Polestar 1 leisten zwei Elektromotoren an der Hinterachse zusammen 218 PS. In Kombination mit einem Vierzylinder aus Volvos Drive-E Motorenfamilie entwickelt der Polestar 1 eine Systemleistung von 441 kW (600 PS) und 1.000 Nm Drehmoment.

Der Zweitürer basiert auf der skalierbaren Produkt-Architektur (SPA) von Volvo. Allerdings sind laut Polestar rund 50 Prozent der Teile neu und von eigenen Ingenieuren maßgeschneidert. Der Polestar 1 ist 4,50 Meter lang. Zum Vergleich: der Volvo S90 L kommt mit der gleichen Plattform auf 5,15 Meter. Das neue Maß rührt unter anderem von einer Kürzung des Radstands um 32 und des hinteren Überhangs um 20 Zentimeter.

Neu und Polestar-spezifisch ist das Doppel-Elektromotoren-System an den Hinterrädern, die über ein Planetengetriebe miteinander verbunden sind. Im „Pure“-Modus fährt der Polestar 1 vollelektrisch mit Hinterradantrieb. Die bis zu 150 Kilometer Reichweite sollte vielen Kunden überwiegend den reinen Elektromodus ermöglichen. Für größere Entfernungen oder standesgemäße Beschleunigungsorgien arbeiten die beiden Elektromotoren an der Hinterachse mit einem 2,0 Liter großen Vierzylinder-Benziner zusammen, der die Vorderräder antreibt. Im so genannten Power-Modus stehen dann die erwähnten 441 kW (600 PS) und 1.000 Nm Drehmoment bereit. Die Batterien sitzen im „Kardan“-Tunnel, in dem natürlich keine Welle untergebracht ist sowie über der Hinterachse. Zusammen kommen die Akkus auf 34 kWh – soviel, wie ein rein elektrischer Renault Zoe (mit der kleineren Batterie). Interessant: Über dem hinteren Teil des Tunnels haben die Ingenieure als Deckel ein Formstück aus Karbon gesetzt, das sich über die ganze Karosseriebreite erstreckt und so die Steifigkeit in diesem Bereich um 60 Prozent verbessern soll.

Karosse aus Karbon, Fahrwerk von Öhlins

„Die meisten Elektroautos sind schnell – das ergibt sich aus den Eigenschaften eines Elektromotors. Doch für Polestar geht Performance über reine Geradeaus-Geschwindigkeit hinaus. Es geht natürlich um Beschleunigung, aber auch um Kurvenverhalten, Verzögerung, Federungs- und Fahrwerkskontrolle sowie Lenkgefühl. Dies ist, was Polestar unter progessiver Performance versteht“, erläutert Thomas Ingenlath den Aufwand, den man für die Querdynamik betrieben hat.

So besteht nicht nur das Strukturelement an der Hinterachse, sondern die ganze Karosserie des Polestar 1 weitgehend aus Karbonfaser, was das Gewicht laut Hersteller um 230 Kilogramm gesenkt und die Torsionssteifigkeit um 45 Prozent (von 22 Nmm-2 auf 32 Nmm-2) erhöht hat. Außerdem soll das verringerte Gewicht der oberen Karosserieteile den Schwerpunkt des Polestar 1 senken, was Handling, Performance und Fahrbarkeit verbessert. Insgesmat soll die Karbonkarosse den Polestar 1 um 240 Kilogramm erleichtern und so das Mehrgewicht der Batterien kompensieren. Mit Federungen von Öhlins hat Volvo bereits in konventionellen Performance-Straßenfahrzeugen Erfahrungen gesammelt. Auch der Polestar 1 bekommt eines vom schwedischen Spezialisten – erstmals mit neu entwickeltem, aktiv gesteuerten Dämpfersystem (Continuously Controlled Electronic Suspension – CESi). Jeder Stoßdämpfer verfügt hierbei über ein neues elektronisches Ventil. Es überwacht permanent die Befehle des Fahrers und die Fahrbahnoberfläche und passt die Fahreigenschaften innerhalb von zwei Millisekunden an die neuen Bedingungen an. Die Fahrwerkseinstellung lässt sich auch im Fahrzeug verändern.

Torque Vectoring und kräftige Bremsen

Außerdem erlaubt das Planetengetriebe der Elektromotoren die radselektive Drehmomentverteilung an der Hinterachse, ohne das kurveninnere Rad abzubremsen, was das Fahrzeug verlangsamt.

Auch beim Bremsen macht Polestar keine halben Sachen: 6-Kolben-Bremssättel von Akebono und 400-Millimeter-Scheiben sorgen für ordentliche Verzögerung. Die Gewichtsverteilung liegt handlingfreundlich bei 48:52 zwischen vorn und hinten.

Erstkontakt mit dem Polestar 1 – ein alter Bekannter

Die erste physische Begegnung mit dem neuen Plug-in-Hybrid-Coupé erinnert an die IAA 2013. Denn äußerlich ist der Polestar 1 ganz nah am damals präsentierten Concept Coupé – von Volvo. Die Differenzierung kommt also vor allem durch die Technik. Optisch ist das Coupé immerhin die Erfüllung eines vielfach gehegten Wunsches: Nicht nur Volvo-Fans wünschten sich das 2-türige Coupé seinerzeit dringend in Serie.

Im Interieur erinnert daran schon vieles. Vorbild und technische Basis hierfür war ganz klar der Volvo S90. Großer Touchscreen über der Mittelkonsole, Instrumente, skandinavisch zurückhaltende Gestaltung und der sparsame Umgang mit Bedienelementen – alles erinnert an die aktuelle Linie großer Volvos.

Hinter dem Steuer erfreut die tiefe, ergonomisch ausgewogene Sitzposition, die dennoch eine gute Übersicht ermöglicht. Die vorderen Passagiere dürfen sich geborgen fühlen in den bequemen Sitzen neben der recht hohen Mittelkonsole, ohne dass es irgendwo eng wäre. Ganz anders im Fond: Der ist eher für Kinder geeignet. Bei 4,50 Metern Außenlänge darf man sich raussuchen, was das wenig raumökonomische Packaging verursacht hat: Die optisch attraktiven Proportionen mit langer Hauber und flach stehender Windschutzscheibe oder die Batterien im Tunnel und hinter den Rücksitzen. Im Kofferraum sieht man davon noch schick inszenierte, dicke Kabel in Orange, die auf der Schottwand hinter eine Plexiglasscheibe drapiert sind – womit sich allerdings auch die Frage nach einer Durchlademöglichkeit erübrigt haben dürfte. Für die Mitnahme von Gepäck lassen sich die hinteren Polster zwar wegklappen, aber nur die. Damit soll dann der Fond zum zusätzlichenKofferraum werden, mit Haltegurten fürs Gepäck. Und das schöne weiche Leder nimmmt dann auch keinen Schaden, wenn kantige Koffer hinter den Vordersitze verstaut werden sollen.

Preis – Was kostet der Polestar 1?

Aber profane Transportaufgaben standen bei der Entwicklung des Polestar 1 sicher nicht im Vordergrund. „Ein schöner GT spricht immer eine recht konstante Zahl von Kunden an, die solche Autos einfach schön finden und sich für ihre Technik begeistern“, so Thomas Ingenlath. Wenn solche GT-Liebhaber einen Polestar 1 unbedingt besitzen und kaufen wollen, würde man wohl auch Ausnahmen vom Flatrate-Konzept machen. Zur Orientierung: Ingenlath sieht den Polestar 1 in einer Preisklasse von 130.000 bis 150.000 Euro. Nicht wenig für ein Coupé einer zunächst unbekannten Marke, aber vermutlich nicht genug, um auf die die Kosten von Karbon-Karosse und innovativem Antriebsstrang mit 34-kWh-Batterien zu kommen.

Starten wird der Polestar 1 ab Mitte 2019 zunächst auf den Märkten in China, den USA, Deutschland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Großbritannien, Spanien, Polen, Frankreich, Portugal, Schweiz, Belgien, Kanada und den Niederlanden. Die Auftragsbücher wurden jetzt geöffnet. Wer einen Polestar 1 reservieren möchte, muss 2.500 Euro anzahlen.

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