Durch Nutzung dieses Diensts und der damit zusammenhängenden Inhalte stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu.
Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Puristisches Luxus-SUV: Range Rover Velar im Test

AutoNEWS-Logo AutoNEWS 10.08.2017 AutoNEWS

Alesund (Norwegen), 9. August 2017 - Aller guten Dinge sind vier. Und aus diesem Grund erweitert Jaguar Land Rover nun die Range-Rover-Palette und schiebt zwischen Evoque und Range Rover Sport ein neues SUV-Modell ins Programm … den Velar. Ob bald alle neuen Range-Rover-Modelle so aussehen und sich so fahren wie das neue Midsize-SUV? Nach unserem Test hoffen wir das ...

Versteckte Türgriffe, schmale Scheinwerfer

Die Grundlage für den Velar liefert mit dem Jaguar F-Pace ein anderes SUV aus dem Konzern. Deshalb ist der Radstand von 2,87 Meter auch identisch. Die Länge beträgt 4,80 Meter. Der Jaguar ist sieben Zentimeter kürzer. Außergewöhnliche Abmessungen sehen jedenfalls anders aus. Doch die muss der Velar auch nicht haben. Das Design ist nämlich schon außergewöhnlich genug. Okay, der Velar hat auch vier Räder, spricht größtenteils die Range-Rover-Gestaltungssprache und zitiert obendrein die wichtigsten SUV-Merkmale, trotzdem sind ein paar Details an dem Wagen ziemlich einzigartig. Das Credo lautet "optische Reduktion". Heißt: Die Türgriffe fahren erst aus, wenn sie benötigt werden, die Scheinwerfer (serienmäßig mit LED-Licht, optional mit Matrix-Laser-LED-Technik) sind "die schmalsten, die Land Rover jemals in ein Serienmodellen integriert hat". Was daraus resultiert? Ein schönes, futuristisches, elegantes und sehr cleanes Auto.

Innen(t)raum: Aufgeräumt ...

Auch im Innenraum wurde auf eine möglichst einfache Optik geachtet. Schalter und Bedieneinheiten finden Sie im Cockpit so gut wie keine. Stattdessen sorgen zwei 10,2-Zoll-Touchscreens (Touch Pro Duo nennt die Marke dieses System) für Unterhaltung und Kontrolle. Und weil zwei Bildschirme zu wenig wären, packt der Hersteller für 728 Euro noch einen dritten Monitor mit 12,3 Zoll hinters Lenkrad. Wie sich dieser Display-Overkill bedienen lässt? Erstaunlich gut. Etwas gewöhnungsbedürftig zu Beginn zwar, aber wenn Sie mit einem Smartphone klarkommen, werden Sie sich auch in das neue Bedienungskonzept des Velar fuchsen können.

… und äußerst nobel. Mit einem Abstrich ...

Materialwahl und Verarbeitung? Sagen wir es so: Selbst als britischer Landlord dürften Sie nicht enttäuscht sein und wir würden mindestens ein Volvo-Niveau attestieren. Leider hatte Land Rover aber keinen Testwagen mit dem fantastischen Stoff-Interieur vom dänischen Hersteller Kvadrat im Gepäck, in dem wir auf dem Automobilsalon in Genf Anfang März 2017 schon Probesitzen durften. Eine tolle und sogar vegane Alternative zum Leder. So gibt es eigentlich nichts, was uns in dem avantgardistischen Cockpit nicht gefällt. Okay, fast nichts. Bei der verschiebbaren Mittelarmlehne müssen Sie sich nämlich entscheiden, ob Sie lieber hinten die Hartplastikführung sehen möchten, oder ob Sie einen ständigen Blick auf offenliegende Cupholder (ebenfalls aus Hartplastik) genießen wollen.

Wie sieht es mit der Praktikabilität aus?

Kommen wir zu den eher pragmatischen Innenraum-Funktionen: Die vorderen Sitze sind bequem, Platz ist genug und der Seitenhalt ist okay. Massieren, heizen und kühlen kann das Gestühl auf Wunsch. Im Fond sieht es mit dem Platz nicht viel schlechter aus. Und selbst die Kopffreiheit leidet nicht unter der schnittigen Dachlinie. In den SUV-Coupés von BMW fühlt man sich hier etwas beengter. Noch weiter hinten, im Kofferraum, bietet der Velar 673 Liter Platz. Ist die Rückbank umgelegt, wächst dieses Volumen auf bis zu 1.731 Liter. F-Pace-Niveau … und knapp 100 beziehungsweise 200 Liter mehr, als ein X6 aufnehmen kann.

Sechs Antriebe mit zwei oder drei Liter Hubraum

Blicken wir vor unserer Abfahrt noch schnell unter die Haube. Hier bleibt es konventionell. Einen Elektro-Antrieb oder Hybrid-Systeme bietet der Jaguar-Land-Rover-Konzern nicht für das so zukunftsfähig aussehenden SUV an. In diesem Segment will man erst dem I-Pace von Jaguar das Feld überlassen. Stattdessen kommen beim Velar normale Verbrenner zum Einsatz, die stets mit einer Achtgang-Automatik und Allradantrieb gekoppelt werden. Die Vierzylinder-Diesel leisten 180 oder 240 PS, die Vierzylinder-Benziner kommen auf 250 PS oder 300 PS. Ihnen steht eher der Sinn nach einem Sechszylinder? Dann haben Sie die Wahl zwischen einem V6-Twinturbo-Diesel mit 300 PS und einem V6-Kompressor-Benziner mit 380 PS.

Gefahren: V6-Benziner und V6-Diesel

Uns jedenfalls steht der Sinn nach einem Sechszylinder und deshalb krallen wir uns zuerst das Topmodell. Der Kompressor-Benziner kommt nicht nur mit 380 PS und 450 Newtonmeter Drehmoment, er kommt auch im F-Type zum Einsatz. Gute Voraussetzungen für Spaß im Velar. Das Aggregat klingt gut, ist aber intensiver weggedämmt als im sportlichen Jag. Trotzdem ist die Drehfreudigkeit (die maximale Leistung liegt bei 6.500 Touren an) enorm und das dezente Pfeifen des Kompressors sorgt für gute Laune. Der große Diesel mit seiner Twinturbo-Aufladung klingt ähnlich gut (für einen V6-Diesel) und schiebt mit seinen "nur" 300 PS aber den gewaltigen 700 Newtonmeter Drehmoment ab 1.500 Umdrehungen noch beeindruckender nach vorne als der untenrum etwas schwächelnde Dreiliter-Benziner. Der Selbstzünder drückt den Velar in 6,5 Sekunden auf Tempo 100, der Ottomotor erledigt diese Disziplin in 5,7 Sekunden. Laut Datenblatt versteht sich, denn ausprobieren konnten wir das nicht. Auf norwegischen Landstraßen herrscht striktes Tempo 80. Wer schneller fährt, wird von Trollen heimgesucht. Und zwar denen, die drakonische Geldstrafen verhängen.

Im Test: Der neue Range Rover Velar Puristisches Luxus-SUV: Range Rover Velar im Test

Und die Vierzylinder?

Ja, so ein Sechsender macht schon Eindruck, aber muss es überhaupt ein V6 sein? In Skandinavien ist er jedenfalls ziemlich sinnlos und selbst in Deutschland kommen Volvo XC90 und Co. selbst eine Fahrzeuggröße über dem Velar noch prima mit einem Vierzylinder zurecht. Fahren konnten wir noch keinen, gehen aber davon aus, dass gerade der 240 PS starke Diesel dem Range ausreichen dürfte. Und zwar bei geringerem Verbrauch und weiterhin akzeptablen Leistungsdaten. Apropos Verbrauch: Auch wenn wir mit den V6-Derivaten nicht einmal 100 km/h schnell fahren konnten (danke, Norwegen) liefen beim Diesel 8,7 und beim Benziner 11,4 Liter laut Bordcomputer durch die Spritleitungen. Aber 1,9 bis 2,0 Tonnen Leergewicht machen nunmal durstig.

Fahrverhalten: Offroad und Onroad

Eigentlich bringt der Velar mit verwindungssteifem Alu-Chassis, einem intelligenten Allrad und Luftfederung (optional) die besten Voraussetzungen mit, um auf der Straße einen guten und auch etwas sportlichen Eindruck zu hinterlassen. Tatsächlich setzt Range Rover aber eindeutig auf gelassenen Komfort und weniger auf beinharte Performance. Zwar kann man beherzter als in einem Volvo-SUV um Kurven fahren, X4 oder X6 lassen sich aber mit weniger Wankbewegungen und einer direkteren Lenkung bewegen. Wo der Range aber allen Premium-Luxus-SUVs voraus ist? Im Gelände. Mit der Luftfederung beträgt die Bodenfreiheit 25 Zentimeter, die Wattiefe gibt der Hersteller mit 65 Zentimeter an. Dazu gesellen sich Böschungs- und Rampenwinkel, die die meisten Wohlfühlgrenzen der künftigen Besitzer deutlich überschreiten dürften. Einfach den passenden Modus wählen und schon sperrt und regelt der Velar alles alleine. Wir sind jedenfalls schon lange nicht mehr so entspannt eine schneelose Skipiste hinaufgefahren und haben Flussläufe durchquert. Ein typisches Range-Rover-Szenario ...

Markteinführung, Ausstattungen und Preise

Verkaufsstart war am 22. Juli 2017. Die Preise beginnen bei 56.400 Euro. Doch diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen. Für einen Velar mit Topmotorisierung und Vollausstattung kann auch gut und gerne das Doppelte bezahlt werden. Und auch wenn Sie nur behutsam Häkchen setzen (Metallic-Lack für 963, Leder ab 2.268 Euro, 1.353 Euro für das Head-up-Display, das Fahrassistenz-Paket mit den wichtigsten Helfern für teilautonomes Fahren für 1.990 Euro, das Offroad-Paket für 862 Euro) landen wir nach ausgiebigen Konfigurator-Simulationen nie unter 75.000 Euro. Ist das der Velar Wert? Auf jeden Fall. Der Grund: Wenn wir nach Stuttgart, München, Ingolstadt oder Göteburg blicken, und wir uns dort ein vergleichbares Fahrzeug zusammenstellen lassen, machen wir auch dort keine Schnäppchen.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von AutoNEWS

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon