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Ursprünglich campen fernab vom Massentourismus - Mit dem Campingbus durch Serbien

Promobil-Logo Promobil 23.11.2020 Carolin Hlawatsch

Serbien als Urlaubsziel? Warum eigentlich nicht, denn bis auf Meeresstrände hat das Balkanland überraschend viel zu bieten. Eine dreiwöchige Campingtour abseits der Touristenströme.

Serbien als Urlaubsziel? Warum eigentlich nicht, denn bis auf Meeresstrände hat das Balkanland überraschend viel zu bieten. Eine dreiwöchige Campingtour abseits der Touristenströme © Carolin Hlawatsch Serbien als Urlaubsziel? Warum eigentlich nicht, denn bis auf Meeresstrände hat das Balkanland überraschend viel zu bieten. Eine dreiwöchige Campingtour abseits der Touristenströme

Mit einem Knöllchen fängt alles an. Das ist ja nicht gerade der Empfang, den man sich wünscht, denke ich, als ich mit unserem Van auf einem Randstreifen am Flughafen in Belgrad stehe. Ich warte auf meinen Freund Maik, der mit dem Flieger nachkommen muss, während ein strenger Polizist mit Hilfe des Google-Übersetzers auf dem Handy erklärt, was ich falsch gemacht habe. 2900 Dinar (rund 25 Euro) Strafe sind fällig, bevor Maik und ich endlich aus dem Gewusel hinausrollen können. Nicht dass Belgrad keinen Besuch wert wäre, ganz im Gegenteil, diese Metropole boomt. Aber als Wohnmobilisten mit Hund zieht es uns doch eher in die Natur.

Wir fahren entlang der Donau gen Osten. Für einen entspannten Start in Serbien bietet sich der Ferienort Beli Bagrem nahe Veliko Gradište an. Hier, wo ein Seitenarm der Donau zum Srebrno Jezero (glitzernder Silbersee) stillgelegt wurde, reihen sich moderne Restaurants an der Promenade hinter den Badestränden aneinander.

Es ist Ende Mai, die Hochsaison hat noch nicht begonnen. Wohl auch deswegen finden wir, wenn auch keine offiziellen Wohnmobil-Stellplätze, doch gute Parkmöglichkeiten. So, jetzt aber kurze Hose an, Campingstühle raus und den Espresso-Kocher auf den Herd. Unser Hund János ist froh, sich die Pfoten vertreten zu können. Es dauert nicht lange und er schnüffelt in Gesellschaft um den Van. Streunende Hunde gehören in Serbien oft zum Straßenbild.

Geschichtsträchtig und naturbelassen

Das serbische "Bier mit dem Hirsch" (Jelen Pivo) zum Cevapcici sitzt uns noch leicht im Schädel, als wir am nächsten Morgen zu einem Tag voller Serbien-Höhepunkte aufbrechen. Wir vermeiden die Hauptstraße und suchen uns Nebenstraßenentlang der Donau. Das ist teilweise schwierig, da diese schlecht beschildert und holprig sind. Doch wir erreichen sie dennoch: die imposante Festung Golubac.

In der seit 2014 renovierten Burg informiert eine Ausstellung zu ihrer bewegten Historie. Über steile Stiegen klettern wir auf verschiedene Burgebenen, was sehr aufregend ist und tolle Ausblicke liefert, da Golubac an einen steilen Berghang gebaut ist. Gleichzeitig treiben Warnschilder vor Giftschlangen den Puls in die Höhe.

In unmittelbarer Nähe der Festung Golubac liegt das größte Durchbruchstal an der Donau, das Eiserne Tor. Man kann es mit dem Schiff durchfahren, aber auch auf einer wunderschönen Straße, an der es immer wieder Aussichtspunkte mit Parkplätzen gibt, aber auch viele unangenehm enge Tunnel. Häufige Fotostopps sind angesagt.

Am anderen Donauufer liegt Rumänien. Weiß leuchtet uns von dort das Kloster Mraconia entgegen und von einem Felsen in den Wäldern guckt Decebalus zu uns herüber. Diese 55 Meter hohe Statue des letzten Königs von Dakien, einem Land, das Teile des heutigen Rumäniens umfasst, gilt als höchste Felsskulptur Europas.

Dreiländereck von Serbien, Rumänien, und Bulgarien

Wir sind ganz im Osten des Landes angekommen und befinden uns im Dreiländereck von Serbien, Rumänien, und Bulgarien. Dort will es uns einfach nicht gelingen, einen befahrbaren Weg zum Kloster Vratna zu finden. Inzwischen wissen wir es besser. Unseren Straßenkarten aus dem Internet können wir in Serbien nicht immer trauen. Besser orientiert man sich an den braun-weißen Schildern, die zu touristisch interessanten Orten führen. So auch dieses Mal. Auf einer schmalen, aber gut geteerten Straße, auf der man schon einmal für eine Landschildkröte stoppen muss, gelangen wir nach Vratna.

Das kleine Kloster wurde im 17. Jahrhundert am äußersten Ende des Vratna-Tals gebaut, direkt vor eine Felswand, die das Tal begrenzt. Was für eine Idylle: Neben der Straße grasen Damhirsche, dahinter Wald- und Felslandschaft. Direkt vor der Klosterpforte gibt es einen Park- und Picknickplatz, Wanderwege sind ausgeschildert. Wir schnüren unsere Stiefel. Steil geht es bergauf zu den drei Steinbrücken Mala Prerast (klein), Velika Prerast (groß) und Suva Prerast (trocken).

Der Fluss Vratna, der sich seinen Weg durch die Schlucht bahnt, hat diese bis zu 26 Meter hohen Tore geschaffen. Noch immer plätschert er unter den Brücken dahin, heute aber eher als Bach. An heißen Tagen kann man sich hier unter den Felsbögen im flachen Wasser erfrischen.

Weindorf Rajac mit historischen Kelleranlagen

Südlich der Stadt Negotin liegt ein uraltes Weinanbaugebiet. Das Dorf Rajac ist berühmt für seine historischen Weinkeller. Mit unserem Campingbus fahren wir über Rumpelstraßen in das Dorf hinein und finden eine nicht ganz so ideale Parkmöglichkeit direkt neben dem Dorfbrunnen.

Wir können niemanden fragen, denn die Straßen sind leer. Nur János hat bereits Kontakt zu einem Dorfbewohner aufgenommen: Das dicke rosa Schwein mampft in einem zerfallenen Hinterhof Gartenabfälle. Von den Weinkellern noch keine Spur, aber sie sollen ja auch oberhalb des Dorfes liegen. Wir wandern die Serpentinen hinauf und stellen fest: Auch mit dem Wohnmobil könnte man hier gut hochfahren und oben parken.

So kommen wir leicht erhitzt im Weindorf an. Darauf jetzt eine Weinverkostung? Es ist wie im Film: Kaum haben wir das Eingangsschild passiert, schauen lauter hutzelige Männer aus den runden Holztoren ihrer Weinkeller hervor und winken uns herbei. Wir landen zuerst bei einem sehr herzlichen älteren Herrn, der uns stolz seine Medaillen zeigt, die er als Auszeichnung für seinen Wein bekommen hat. Die Unterhaltung mit Händen und Füßen fällt nach dem zweiten Glas zunehmend leichter.

Ein besonders schönes Weingut führt Perić Željko. Er gibt uns sogar eine private Führung durch das sehenswerte Dorf mit seinem uralten Friedhof und einem schönen Aussichtspunkt. Željko vermietet übrigens auch Gästezimmer unten im Dorf Rajac, eine Option für alle, die zu viel Wein verkostet und keinen guten Stellplatz gefunden haben.

Nach Zwischenstopps am schönen Bor-See (Borsko Jezero) und dem Geschichte atmenden Wehrkloster Ravanica erreichen wir das quirlige Vrnjačka Banja im Süden. In Serbiens beliebtestem Kurort können wir auf der unendlich langen Promenade, umgeben von Parkanlagen, mal wieder richtig dem Touristendasein frönen: Pizza essen, Eis schlecken, dabei die flanierenden, schicken serbischen Touris beobachten, Postkarten kaufen und in kitschigen Souvenirläden stöbern. Auch das macht mal Spaß, uns aber nur für einen Abend und so verlassen wir Vrnjačka Banja nach dem Frühstück.

Landschaft zum Staunen, aber Probleme mit Umweltverschmutzung

Auf Fahrstress am Morgen in der Stadt Kraljevo folgt eine Enttäuschung in der Ibar-Schlucht. Dort oben thront sie, die riesige Burgruine Maglič, doch wir können sie nicht erreichen. Starkregen hat den Fluss Ibar so ansteigen lassen, dass er die klapprige Brücke, die wir queren müssen, beschädigt hat.

Stattdessen klappen wir die Campingstühle auf der Wiese an der Brücke auf und beobachten dann erschrocken, wie viel Plastikmüll der reißende Fluss mit sich treibt. Auch in der Schlucht der Klöster schwimmen auf dem Fluss Morava Müllteppiche und verschandeln die hier so herrliche Landschaft. Ebenfalls vielerorts noch präsent sind die Spuren der Jugoslawienkriege und die daraus resultierende schlechte Wirtschaftslage des Landes.

Trotz vieler Umweltprobleme gibt es aber einmalig schöne, dünn besiedelte und geschützte Naturgebiete, wie das Uvac-Reservat, Refugium für Gänsegeier, oder den Tara-Nationalpark, beide im gebirgigen Westen an der Grenze zu Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro liegend.

Wir stoßen über die Stadt Užice in diese Region vor und wechseln in Mokra Gora für ein paar Stunden das Gefährt. In der nostalgischen Schmalspurbahn Šarganska Osmica werden wir auf einer Serpentinenstrecke durch 22 Tunnel bergauf geschraubt. Der Dampf der schnaubenden Lok hängt in den Nadelbaumspitzen. Immer wieder heißt es die aus den Schiebefenstern herausgestreckten Köpfe einziehen – so dicht fährt man an Felswänden vorbei. Rund drei Stunden dauert die Fahrt einmal hinauf, wieder hinab, mit Zwischenstopps zum Gucken, Snacken, Fotografieren.

Von hoch oben entdecken wir das Ethno-Dorf Drvengrad (Küstendorf), das der Filmregisseur Emir Kusturica in dieser Berglandschaft anlegen ließ – sein Rückzugsort zwischen den Dreharbeiten und ein Förderzentrum für junge Filmemacher. Und tatsächlich sehen wir ihn mit dem Hubschrauber einfliegen, als wir durch sein Holzdorf mit Disneyland-Charme schlendern, in dem er angeblich schon Hollywood-Größen wie Johnny Depp empfangen hat.

Ursprünglicher wirkt da das Ethno-Dorf Vrhpolje, in das wir auf unserer Fahrt gen Norden, entlang des Flusses Drina, einkehren. Ethno-Dörfer sind Freilichtmuseen mit touristischen Ambitionen und typisch für Serbien. In Vrhpolje sitzen wir auf rustikalen Holzbänken unter Ulmen am Fluss und genießen eine serbische Grillplatte und einen herrlichen Abend. Wir dürfen mit dem Van über Nacht auf dem Parkplatz zwischen Feldern und Ethno-Garten bleiben und können so auch noch ein Frühstück mit bestem Kaffee auf der urigen Wirtshausterrasse genießen.

Über die flache Vojvodina, in der es das Naturreservat Bara Zasavica mit schützenswerten Nutztierrassen oder den Kurort Palić mit mondänen Villen zu entdecken gibt, verlassen wir das Land. Nach drei Wochen treten wir den Heimweg über Ungarn und Österreich an. Wir haben gesehen, dass es in Serbien kaum Massentourismus, aber oftmals auch keine westlichen Standards gibt. Woran es bestimmt nicht fehlt, sind jedoch Thermen und Badeseen, vielfältige Naturlandschaften und uralte Kulturstätten, herzliche Gastfreundschaft und ein wenig Abenteuerflair.

Campingplatz-Tipps in Serbien

Camping Zip im Dorf Kremna, ca. 20 km von Mokra Gora entfernt. Der Platz wurde erst im Sommer 2019 eröffnet. 30 Stellflächen und 5 Apartments. Neue Waschhäuser, Waschmaschine, Trockner, Küche mit Gesellschaftsraum und Grillbereich, Ver- und Entsorgung, Strom, WLAN, Sportfeld und Spielplatz. Zwei kleine Supermärkte sowie ein Restaurant im Ort sind zu Fuß erreichbar. Wandermöglichkeiten vor Ort. Organisation von Kanu-Touren und Exkursionen möglich. Telefon 003 81/3 13 80 86 30.

Camping Zasavica am Naturgebiet Bara Zasavica nahe Sremska Mitrovica, 42 Stellflächen unter Bäumen. Saubere Sanitäranlagen mit Waschmaschine und Trockner, Ver- und Entsorgung, Strom, WLAN, Fahrradverleih. Die Gebühren enthalten den Eintritt in den Haus- und Nutztierpark Zasavica. Die Stadt Sremska Mitrovica ist über eine Fußgängerbrücke mit dem Rad oder wandernd gut zu erreichen (ca. 8 km). Telefon 003 81/63 53 58 95.

Camping Zornica House in Bačevac nahe Belgrad. Uriger Gutshof mit Restaurant, Hofladen, kleinem Zoo und toller Aussicht bis zur Hauptstadt. 30 Stellflächen, saubere Sanitäranlagen mit Waschmaschine und Trockner, Ver- und Entsorgung, Strom, WLAN, Beachvolleyball, Fahrradverleih, Gesundheitspfad, Ausritte mit Pferden. Der Platz ist besonders haustierfreundlich. Telefon 0 03 81/6 92 54 02 54.

Camping Bor am Borsko Jezero, dem künstlich angelegten Bor-See. Hier campt man zwischen Serben, authentisch und mit dem Flair von anno dazumal. Wenig Komfort, dafür aber wunderschön gelegen, bewaldet und sehr günstig. Ein schwimmendes Café (und eine Rockbar) mit Bootsverleih grenzt direkt an. Telefon 003 81/48 21 10.

Reise-Tipps für Serbienurlauber

Einreiseregeln: Deutsche Staatsangehörige benötigen für Einreise und Aufenthalt von bis zu 90 Tagen zu touristischen Zwecken kein Visum. Personalausweis oder Reisepass reichen aus. Für Wohnmobile und Gespanne werden die gängigen Fahrzeugpapiere und die Grüne Versicherungskarte benötigt.

Ausländer müssen sich innerhalb von 24 Stunden nach Einreise am Aufenthaltsort registrieren lassen. Campingplätze oder Hotels können diese Anmeldung durchführen und an die Polizei weitergeben. Verstöße gegen die Meldepflicht können zu Problemen bei der Ausreise führen und mit einer Geldstrafe geahndet werden. Zudem verlangen viele Campingplätze beim Check-in die Angabe des Einreiseorts sowie das Einreisedatum. Besondere Regelung bei Ein- bzw. Ausreise an der Grenze zu Kosovo. Serbien betrachtet Kosovo als Teil seines staatlichen Territoriums und nicht als Ausland. Das kann zu Problemen mit Ein- bzw. Ausreise-Belegen führen.

Für den Hund mussten wir den EU-Heimtierausweis mit Mikrochip-Nummer dabeihaben. Darin eingetragen sein muss eine Tollwutimpfung (mindestens 21 Tage alt). Außerdem mussten wir einen Nachweis des Tollwut-Antikörper-Tests mitführen.

Straßenverhältnisse: Die Hauptstraßen Serbiens haben wir in recht gutem Zustand angetroffen. Viele kleinere Straßen in abgelegeneren Gebieten sind aber holprig. Einzelne Autobahnabschnitte sind mautpflichtig. Die Gebühren können in Serbischen Dinar (RSD), in Euro (kleine Scheine, Münzen) oder mit einer gängigen Kreditkarte bezahlt werden.

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