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Wie teuer ist die Übernachtung? - Stellplatz-Gebühren im internationalen Vergleich

Promobil-Logo Promobil 08.11.2019 Stefan Weidenfeld

Die Suche nach dem fairen Preis: Wie werden Stellplätze wertgeschätzt? Welche Gebühren werden verlangt? Wie hoch dürfen und müssen die sein? promobil bringt Licht ins Thema Stellplatz-Gebühren.

Todtmoos: feine Lage, komfortable Ausstattung, überschaubarer Erstellungsaufwand. In der Gebühr von 12 Euro ist alles inklusive, sogar Dusche und Kurtaxe. © Stefan Weidenfeld, Archiv Todtmoos: feine Lage, komfortable Ausstattung, überschaubarer Erstellungsaufwand. In der Gebühr von 12 Euro ist alles inklusive, sogar Dusche und Kurtaxe.

„Aus des Projekts: kein legales Campen mit Elbblick. Kostenexplosion beim geplanten Bau des Wohnmobilstellplatzes in Darchau lässt Ratsmitglieder die Notbremse ziehen.“ Das lesen wir am 11. September 2019 in der Online-Version des Hagenower Kreisblatts unter www.svz.de. Was war geschehen?

Vor zwei Jahren waren die Räte der kleinen Gemeinde im Urstromtal der Elbe noch davon ausgegangen, dass der geplante Reisemobilstellplatz eine Viertelmillion Euro kosten würde. Seither habe man die Ausstattung immer weiter abgespeckt, die Kosten seien trotzdem raufgegangen – und zwar bis heute glatt auf das Doppelte. Der Grund: Der Hochwasserschutz wird bedeutend aufwendiger als gedacht. Der Eigenanteil der Gemeinde Darchau schnellte von 20.000 auf gut 95.000 Euro – nach Ansicht der Räte schlicht zu viel.

Stellt sich uns zunächst die Frage, ob Reisemobilfahrer aufwendig gebaute, kostenpflichtige Stellplätze überhaupt haben wollen. In der promobil-Stellplatzdatenbank sind derzeit rund 12.700 Stellplätze in Europa erfasst, davon 4470 in Deutschland. Viele wurden von den Usern der promobil-Stellplatz-App „Stellplatz-Radar“ mit Sternen bewertet – von eins bis fünf. Die Gesamtwertung ergibt sich aus den Einzelwerten für Lage, Ausstattung, Sauberkeit und Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn bei den Bewertern der Preis die entscheidende Rolle spielen würde, dann müssten gebührenfreie Stellplätze tendenziell eigentlich besser abschneiden als gebührenpflichtige. Die Auswertung der Datenbank indes führt zum gegenteiligen Schluss: Gebührenpflichtige Plätze kommen im Urteil der Benutzer der App generell einen Tick besser weg als gebührenfreie.

Ergebnisse der Stellplatz-Radar-App

Wie aber steht es bei den gebührenpflichtigen Stellplätzen mit der Höhe des Preises und deren Akzeptanz? Die Mehrheit der kostenpflichtigen Plätze verlangt nicht mehr als zehn Euro für die Übernachtung im Mobil inklusive zwei Personen. Die Aufteilung nach Vergleichspreis in Fünf-Euro-Schritten veranschaulichen die folgenden Schaubilder. Die Diagramme zeigen, dass mit dem Preis auch die Zufriedenheit der Gäste wächst, nur bei den ganz teuren Stellplätzen gibt es offenbar keine Steigerung der Zufriedenheit mehr.

Neugierig, wie wir sind, fragen wir jetzt auch noch nach dem Zusammenhang zwischen Stellplatzgröße, User-Bewertung und Preis. Also: Werden eher größere oder eher kleinere Plätze im Durchschnitt besser bewertet? Und: Wie hoch ist der durchschnittliche Vergleichspreis in den verschiedenen Größenkategorien? Ein Blick auf die Auswertung zeigt einige spannende Erkenntnisse:

Die beiden mittleren Größenkategorien, also in Summe die Stellplätze für 31 bis 80 Mobile, erfreuen sich gegenüber den kleinen und ganz großen Plätzen höherer Beliebtheit – jedenfalls diejenigen in Deutschland. Im übrigen Europa fallen lediglich die Plätze für mehr als 80 Mobile in der Gesamtwertung hinter die anderen Größenkategorien zurück.

Stellplatz-Preise: Je größer, desto teurer

Interessant ist hier auch ein Blick auf die Preise. Zwei Erkenntnisse folgen aus den Zahlen. Erstens: Mit wachsender Größe wird’s teurer. Zweitens: In Deutschland steht man im Durchschnitt günstiger als in den übrigen europäischen Ländern, in denen mit Euro bezahlt wird – nur diese Länder konnten in unserer Darstellung berücksichtigt werden.

Schließlich wollen wir noch wissen, wie sich die Vergleichspreise und Bewertungen in Abhängigkeit vom Ausstattungsniveau zeigen. Die naheliegende Vermutung, dass mit dem Ausstattungsniveau auch die Vergleichspreise ansteigen, bestätigt sich – obwohl WC, Dusche und WLAN teilweise on top bezahlt werden müssen. Auch hier lohnt wieder ein Blick auf die Umfrageergebnisse:

Deutlich zeigen die Bewertungszahlen, dass mit wachsendem Angebot auch die Zufriedenheit der Gäste auf den gebührenpflichtigen Stellplätzen wächst. Gute Leistung wird gerne angemessen bezahlt. Mit mäßigen Bewertungen abgestraft werden kostenpflichtige Plätze ohne jede Infrastruktur.

Ab wann ist ein Stellplatz überhaupt rentabel?

Welchen Preis muss eigentlich ein Stellplatz verlangen, um rentabel zu sein oder zumindest bestehen zu können? Antworten finden wir zum einen bei der Betrachtung konkreter Einzelfälle, zum andern mit Hilfe von Modellrechnungen, wie sie der Deutsche Tourismusverband e. V. (DTV) in seiner „Planungshilfe Reisemobilstellplätze in Deutschland“ aufgestellt hat. Diese Berechnungen malen ein für Betreiber und Investoren zunächst nicht sonderlich optimistisches Bild.

Ausgegangen wird hier im Beispiel von einer Fläche von 10.000 Quadratmetern, die für einen Euro pro Quadratmeter gepachtet werden muss; ferner von 50 Stellflächen, die dort für insgesamt 500.000 Euro angelegt werden. Die Hälfte dieser Kosten wird finanziert zu drei Prozent Zins bei einer anfänglichen Tilgung von zwei Prozent – was bedeutet, dass der Kredit nach rund 30 Jahren abbezahlt wäre. Angesetzt werden ein Übernachtungspreis von zwölf Euro pro Nacht und 365 Tage Öffnung pro Jahr.

Bei diesen Voraussetzungen könnte der Investor unter Berücksichtigung aller wesentlichen Kostenfaktoren ab einer Auslastung von etwa 27 Prozent schwarze Zahlen schreiben. Die durchschnittliche Auslastung von ganzjährig nutzbaren Stellplätzen in Deutschland beträgt nach Erhebungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr e. V. (dwif) jedoch nur 18 Prozent. Sind zwölf Euro pro Nacht also zu wenig, womöglich geradezu ruinös?

Unterschiedliche Lösungen je nach Stellplatz

Eine pauschale Antwort gibt es nicht – zu unterschiedlich sind die jeweiligen Voraussetzungen vor Ort. Nehmen wir zum Beispiel den Stellplatz in Mitwitz (Vergleichspreis: 12 Euro). Der Betreiber nutzt ein vorhandenes, zuvor quasi brachliegendes Grundstück und betreibt im Erstberuf eine Firma, die fast alles bei einem Stellplatzbau Erforderliche selbst ausführen kann. Man darf annehmen, dass bezüglich der Erstellungskosten in Mitwitz ganz anders kalkuliert werden konnte als in vielen anderen Fällen.

Oder der neue Stellplatz in Todtmoos im Südschwarzwald (Vergleichspreis: 12 Euro): Gelände und Gebäude mit kleiner Bewirtschaftung, WCs und Duschen fielen aus der Konkursmasse eines Tennisclubs an die Gemeinde und wurden nach langem Dornröschenschlaf ihrer jetzigen Bestimmung zugeführt – hier müssen wohl weder Schulden abbezahlt noch Zinsen entrichtet werden.

Nicht ganz unähnlich war die Situation in Allmersbach im Tal nahe Stuttgart (Vergleichspreis: 12 Euro). Auch hier begann es mit einem ehemaligen Sportgelände. Zudem konnte die Gemeinde auf Fördermittel zugreifen und den Stellplatz in einen neuen Sport- und Erlebnispark für die eigene Bevölkerung integrieren.

In ein Abenteuer, so scheint es auf den ersten Blick, haben sich Rainer Heidemann und Franziska Süß mit ihrem Projekt in Öhringen in der Hohenlohe (Vergleichspreis: 16 Euro) gestürzt. 1,4 Millionen haben sie investiert, von denen etwa 570.000 Euro auf den Stellplatz samt exquisiter Sanitäranlagen entfallen; der Rest wurde vorwiegend in die Gastronomie gesteckt (promobil berichtete 2017 darüber ausführlich). Letztere kommt bei den Gästen aus nah und fern hervorragend an, trägt entsprechend zum Betriebsergebnis bei und wird zugleich zum wichtigen Anziehungspunkt für den Stellplatz. Der liegt bereits jetzt bei einer Auslastung von überdurchschnittlichen 25 Prozent – was bei Heidemann die Hoffnung schürt, seine Schulden vielleicht „schon“ innerhalb der nächsten 20 Jahre abbezahlen zu können.

Familie Bertsch aus Bad Dürrheim dürfte in dieser Beziehung durch sein. Seit 2002 floriert der Reisemobilhafen in der Stadt im Schwarzwald-Baar-Kreis unter ihrer Leitung. Auch wer die Interna dort nicht kennt, darf den Eindruck haben, dass allein die schiere Größe des Platzes – 418 Mobile können hier stehen, mit Ausweichflächen kommen bis zu 700 Fahrzeuge unter – und die Kooperation mit dem benachbarten Solebad ein tragfähiges Geschäftsmodell ermöglichen. Zugleich ist der Aufenthalt dort für die Gäste ungewöhnlich attraktiv, denn im Stellplatzpreis von neun Euro pro Nacht inklusive Ver- und Entsorgung ist der Drei-Stunden-Eintritt in die Solemar-Therme pro Person im Wert von 12,50 Euro bereits enthalten – Resultat einer Mischkalkulation, die offenbar für alle Beteiligten aufgeht.

Die Stadt Herrenberg südlich von Stuttgart hat jüngst einen schicken Stellplatz angelegt (Vergleichspreis: 5 Euro). Obwohl für nur zehn Mobile gebaut, gibt es auch Strom sowie Ver- und Entsorgung. Gesamtkosten für die Erstellung: 185.000 Euro. Selbst wenn man Unterhalts- und alle anderen Kosten außen vor lässt, wäre dieser Betrag erst nach 37.000 Nächtigungen hereingespielt – bei einer Auslastung von 18 Prozent also nach 56 Jahren.

Ein letztes Beispiel: der städtische Stellplatz auf der Halbinsel Mettnau in Radolfzell am Bodensee in einer der begehrtesten Tourismusregionen Deutschlands. Hier hatte die Stadt im Jahr 2018 den Übernachtungspreis mal eben von 8 auf 17 Euro erhöht, ohne am bescheidenen Angebot etwas zu verbessern. Das löste unter den mobilen Besuchern einen Sturm der Entrüstung aus, der sich auch in vernichtenden Bewertungen und Kommentaren in der promobil-App niederschlug. O. k., das ist halt Marktwirtschaft, könnte man dazu sagen, und alles Weitere dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage überlassen. In diesem Fall hat die Stadt den Ball aufgenommen, den Platz von zwölf auf 31 Stellflächen erweitert und mit mustergültiger Infrastruktur samt Sanitäranlagen versehen. Einzelne finden den auf 15 Euro reduzierten Vergleichspreis immer noch über Gebühr teuer. Doch wie heißt es: Umsonst ist nur der Tod, und der kostet’s Leben.

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