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Wohlfühlmobil für 130.000 Euro - Carthago Chic C-Line I 4.9 LE (2022) im Test

Promobil-Logo Promobil 16.10.2021 Christian Becker
Zum Modelljahr 2022 tritt die C-Line aufgefrischt an. Neben neuem Design und einer breiteren Aufbautür ist die neue Küche die offensichtlichste Veränderung. © Ingolf Pompe Zum Modelljahr 2022 tritt die C-Line aufgefrischt an. Neben neuem Design und einer breiteren Aufbautür ist die neue Küche die offensichtlichste Veränderung.

Nicht selten rollen Testwagen auf den Redaktionshof, die noch halbe Prototypen sind. Das trifft in gewisser Weise auch diesmal zu, denn der Chic C-Line wird so nicht verkauft werden, wie er hier zum Test antritt. Er ist ein Zwitterwesen mit neuem Auf- und Ausbau, aber alter Basis. Denn drunter steckt noch der "alte" Ducato. In der Serienproduktion kommt dann die neue, achte Generation des Basisfahrzeugs zum Einsatz. Ansonsten sind aber alle Neuheiten der Saison 2022 schon an Bord und stellen sich dem Test.

Das überarbeitete Außendesign samt neu gestaltetem Kühlergrill wirkt stimmig und die serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfer tragen zur Sicherheit bei Nachtfahrten bei. Ein Kritikpunkt der letzten Generation waren die relativ schmalen Aufbautüren. Carthago hat reagiert und über alle Baureihen hinweg nun breite XL-Türen im Angebot. Allerdings versteckt sich diese Tür mit Zentralverriegelung im sogenannten "Super-Paket". Dieses Paket für 4580 Euro ist quasi Pflicht, da viele weitere sinnvolle Extras – vom Ladebooster über Gas-Umschaltanlage, Rückfahrkamera bis zur SOG-Toilettenentlüftung – mit drinstecken. Der Test-I 4.9 LE kratzt am Ende an der 130.000-Euro-Marke. Das weckt Ansprüche an Komfort und Luxus. Ob sie erfüllt werden, klärt der Test.

Wohnen

Betritt man den Testwagen, stechen sofort zwei Neuheiten der Generation 2022 ins Auge. Das optionale Möbeldesign "Linea Progressiva" mit dunklem Holz und hellen Hochglanzfronten wirkt edel und sorgt für ein fast luftiges Raumgefühl. 750 Euro muss man für das edle Design investieren. Der zweite Blick fällt auf die neue Küche mit Sideboard. Das trennt die Sitzgruppe optisch stärker vom Kochbereich und schafft zusätzliche Abstellfläche. Bekannt und bewährt ist hier die Aufnahmeleiste, in der man die Spülenabdeckung einhängen und als Ablage nutzen kann. Die optionale Kaffeemaschine ist aus dem Oberschrank auf einen Auszug hinter die Spüle gewandert. So ist der Raum gut genutzt und man kann die Maschine mit der ausziehbaren Küchenarmatur einfach befüllen, ohne den Wassertank entnehmen zu müssen. Der optionale Backofen ist jetzt nicht mehr als Kombination mit dem Kühlschrank vorgesehen, sondern sitzt – mit größerem Backraum – im Küchenblock. Dafür müssen zwar zwei Schubladen weichen, Stauraum ist aber immer noch – vom Flaschenschrank bis zum Apothekerauszug – mehr als genug vorhanden. Ebenso üppig dimensioniert ist der 153 Liter fassende Absorberkühlschrank.

Die Sitzgruppe ist dagegen für ein Fahrzeug dieser Größe etwas eng geschnitten. Man sitzt auf sehr bequemen Polstern, kann die Fahrerhaussitze gut integrieren, aber bei der Nutzung zu viert kommt man sich schon mal mit den Beinen in die Quere. Durch die üppige Polsterung ist der Durchgang zwischen Rückbank und Seitensitz sehr schmal. Optional (250 Euro) gibt es eine gekürzte Querbank für einen breiteren Durchgang. Über der Sitzgruppe hängt das serienmäßige Hubbett. Wer es nicht braucht, kann es für 570 Euro durch umlaufende Hängeschränke ersetzen. Das Bett wird manuell gesenkt und gehoben. Das funktioniert leichtgängig und erfordert wenig Kraftaufwand. Die Matratze lagert auf Lattenrosten und ist 1,94 x 1,55 Meter groß. Der Einstieg in das stabil hängende Bett erfolgt bequem über den Seitensitz.

Die Einzelbetten hinten sind breit und lagern auf Tellerfedern. Große CamperInnen wählen die rechte Seite, denn hier hat die Matratze eine Länge von 1,98 statt nur 1,86 Meter. Der Einstieg erfolgt über zwei Stufen zwischen den Betten. Diese Stufen sind verschiebbar, und mittels Zusatzpolster entsteht dann ein großzügiges Querdoppelbett. Die Abtrennung zum Raumbad erfolgt mit zwei Schiebetüren.

Insgesamt lässt das Raumbad kaum Wünsche offen. Der Waschraum ist groß, gut nutzbar und mit zahlreichen Staumöglichkeiten ausgestattet. Die Toilette ist leicht schräg eingebaut und man hat genug Beinfreiheit. Mittels doppelter Tür kann der Waschraum vom Raumbad separat abgetrennt werden. Die Dusche steht gegenüber und wird mittels Plexiglastüren abgetrennt. An sich ist sie groß genug und hat eine Stehhöhe von rund 1,96 Meter. Die Bodenwanne wird allerdings durch den Radkasten etwas eingeschränkt.

Beladen

Stauräume in jeder Ecke und möglichst alle Nischen ausnutzen – eines der Credos von Carthago. Auch im C-Line mangelt es nicht an Verstaumöglichkeiten für Gepäck aller Art. Vorneweg steht die große Heckgarage, in der die Fahrräder und einiges mehr ihren Platz finden. Zwei Spanngummis an der Heckwand sichern zum Beispiel Campingstühle und Tisch, die dort platzsparend zu verstauen sind. An der rechten Garagentür sind innen zwei Staukörbe für Krimskrams vorhanden.

Links neben der Aufbautür befindet sich ein Außenstaufach, das von der Größe perfekt für Kabeltrommel und Wasserschläuche passt. Zwei weitere Außenklappen, je eine links und rechts, führen in den Doppelboden. Der ist dort aufbaubreit nutzbar, zum Beispiel für Skier oder anderes langes Gerät. Unter der Rücksitzbank ergibt sich eine Ladehöhe von rund 70 Zentimeter, der Doppelboden ist ansonsten durchgehend 22 Zentimeter hoch. Die Rückbank und der Seitensitz lassen sich hochklappen und geben ebenfalls den Zugang zum Doppelboden frei.

Dazu stehen zwei große Bodenfächer, die aus dem Doppelboden nach unten hinausragen, an Sitzgruppe und in der Küche bereit für weiteres Gepäck. Schuhe können in einem herausdrehbaren Fach unter der Querbank gelagert werden. Ungewöhnliches auch im Bad. Unter dem Waschtisch verbirgt sich ein praktischer Schmutzwäschekorb. Die zwei Kleiderschränke unter den Betten sind ebenfalls groß und seitlich wie auch von oben zu beladen.

Damit man all diese Stauräume auch gut nutzen kann, hat der Testwagen mit 4,5 Tonnen Gesamtgewicht genug Reserven parat. Serienmäßig fährt der I 4.9 LE mit maximal 4250 Kilogramm vor.

Technik

GfK an Dach, Boden und Heckwand, dazu die bekannt solide Alu-Alu-Sandwichbauweise mit wasserabweisender XPS-Isolierung – in Sachen Aufbautechnik gibt es nichts zu meckern. Das meint auch der Hersteller und gibt stattliche zehn Jahre Dichtheitsgarantie.

Auch sonst sind die Reserven üppig dimensioniert. So kann der C-Line 170 Liter Frischwasser und 140 Liter Abwasser bunkern. Beide Tanks liegen isoliert und beheizt teilweise im Doppelboden und in einer abgesenkten Wanne. Über eine Bodenklappe zwischen den Betten kommt man zur Reinigung an beide gut heran.

Für Strom sorgen unterwegs zwei 80-Ah-AGM-Batterien, die in einem Doppelbodenfach ebenfalls gut zugänglich sind. Mit dem optionalen Küchen/Kaffee-Paket ist auch ein Wechselrichter an Bord, damit die Kapselmaschine auch ohne Landstrom betrieben werden kann.

Kritik gibt es dagegen mal wieder am Toilettenschacht, der nicht abgedichtet ist, aber auch an dessen Einbaulage. Die Toilette ist grundrissbedingt leicht schräg eingebaut, um in der Küche den Platz für den Apothekerschrank zu schaffen. Das gestaltet die Entnahme und das Einschieben der Kassette etwas fummelig.

Ebenfalls etwas umständlich ist die Halterung für die Gaskastenklappe. Hier muss ein L-förmiges Metallrohr herausgezogen und gedreht werden, um die Klappe zu halten. Da wären Gasdruckaufsteller der Fahrzeugklasse eher angemessen. Aber so öffnet die Klappe immerhin weit nach oben und der Kasten mit den nebeneinander stehenden Flaschen lässt sich leicht beladen. Eine Umschaltanlage samt Crashsensor ist ebenfalls an Bord, wenn man das Super-Paket mitbestellt, was – wie gesagt – praktisch Pflichtoption ist.

Der Zugang zum Motor fällt bedingt durch die tief nach unten gezogene Frontscheibe sehr flach aus. Der Einfüllstutzen für das Scheibenwaschwasser ist aber leicht erreichbar, weil nach vorn verlängert. Öl nachfüllen gestaltet sich dagegen schwierig. Mit dem Bremsflüssigkeitswechsel müht sich dann die Werkstatt ab – vermutlich gegen Extraobolus.

Lichtcheck

Volle Punktzahl mit 218 Lux im Schnitt und 259 in der Spitze an der Sitzgruppe. Bei 348 Lux im Schnitt und 502 in der Spitze lässt es sich in der Küche gut arbeiten. Das sehr gut ausgeleuchtete Bad mit 527 Lux im Schnitt rettet die grüne Bewertung. Die Dusche ist mit 131 Lux aber etwas dunkel. Nichts zu meckern gibt es mit 270 Lux im Schnitt an den Betten.

Fahren

Ein Erkennungszeichen der Carthago-Integrierten ist schon seit geraumer Zeit die tief heruntergezogene Frontscheibe. Auch im C-Line des neuen Modelljahrs 2022 sorgt diese für eine sehr gute Sicht nach vorne. Zusammen mit den großen Außenspiegeln gewöhnt man sich schnell an die stattlichen Maße und navigiert sicher auch durch Engstellen. Sie behindern andererseits aber auch die Sicht in Kreuzungsbereiche. Bei manchen Lichtverhältnissen stören zudem Reflexionen in der Fahrerhaus-Seitenscheibe. So meint man mitunter, der Verkehr von rechts würde von links kommen. Ein Problem, das bei Integrierten allerdings häufiger auftritt.

Beim Rangieren hilft die gute Rückfahrkamera mit ihrem scharfen Bild. Sie ist Bestandteil des Super-Pakets. Die Position des Monitors links unten im Armaturenbrett ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Ebenso sammelt der optionale Naviceiver Pluspunkte in Sachen Bedienbarkeit.

Die Fahrleistungen liegen im klassenüblichen Durchschnitt für ein Fahrzeug dieser Größe und Motorisierung – der Verbrauch mit 12,2 Liter auf der Testrunde ebenfalls. Wie diese Werte für die Serienfahrzeuge auf Basis der neuen Fiat-Ducato-Generation aussehen werden, bleibt allerdings abzuwarten. Erfahrungsgemäß gehören Carthago-Integrierte eher zu den leiseren Vertretern. Der Testwagen lässt sich aber zum ein oder anderen Störgeräusch anregen. Prototypenprobleme?

Preise

Der Grundpreis ist gehoben und der Testwagenpreis kratzt gar an der 130.000-Euro-Marke. Dazu kommen meist noch Investitionen für Sat und Solar – und eine Markise möchte man auch nicht missen. Ein Schnäppchen ist der C-Line also nicht. Die Qualität präsentiert sich zwar standesgemäß, aber dass es selbst in dieser gehobenen Fahrzeugklasse noch ein De-facto-Pflichtpaket gibt, erstaunt doch immer wieder. Das Super-Paket mit wichtiger Ausstattung ist zwar fair eingepreist, doch wäre es wirklich ein großes Verkaufshemmnis, dieses Paket in die Serie zu übernehmen mit angepasstem Grundpreis?

Carthago Chic C-Line 4.9

Gurte/Schlafplätze: 4/4

Zul. Gesamtgewicht: 4500 kg

Länge/Breite/Höhe: 7,39/2,37/2,89 m

Grundpreis: 106.890 Euro

(Fiat Ducato Multijet3 104 kW/140 PS) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II

Testwagenpreis: 128.525 Euro

Das fiel uns auf

(+) Gut zu bedienender, optionaler Naviceiver mit Drehknopf zur Lautstärke-Einstellung.

(+) Abwasserventil, Frostwächter und Frischwasserentleerung sind gut erreichbar im Bodenfach vorne.

(+) Mehr Sicherheit bei Nacht durch besserer Ausleuchtung der Straße bieten die schicken LED-Leuchten.

(+) Praktische Ablagen an der rechten Garagentür für kleinere Dinge, an die man schnell rankommen mag.

(-) Nur ein USB-Port im Aufbau, und der ist zudem optional. Das ist heutzutage nicht zeitgemäß.

(-) Die schräge Einbauposition des nicht abgedichteten Toilettenschachts ist unkomfortabel.

Nachgefragt

Florian Hofer, Leiter Produktmanagement bei Carthago, nimmt Stellung ...

... zum Super-Paket als Pflichtoption: Zunächst ist es so, dass einige Hersteller in dieser Klasse bestimmte Optionen gar nicht anbieten. Wir halten es für richtig, solche Optionen transparent abzubilden und damit auch den Ausstattungsvorteil, der darüber hinaus noch mit einem Paketpreisvorteil angeboten wird, darzustellen. Bei einem detaillierten und ausstattungsbereinigten Preisvergleich bieten wir ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis.

... zum schrägen, nicht abgedichteten Toilettenschacht: Zum Toilettenschacht und der Schachtabdichtung ist uns über Jahre keine negative Kundenkritik bekannt.

... zur etwas dunkel ausgeleuchteten Dusche: Im Duschraum selbst kommt ein eher wärmeres Licht mit geringerer Lichtstärke zum Einsatz. Sollte sich kundenspezifisch herausstellen, dass das Licht in der Dusche zu dunkel ist, lassen sich gegebenenfalls die Lichtspots austauschen.

Konkurrenten

Frankia F-Line I 740 GD

Grundpreis: 107.900 Euro

Basisfahrzeug: Fiat Ducato, 103 kW/140 PS

Länge/Breite/Höhe: 7540/2300/3110 mm

Leer-/zul. Gesamtgewicht: 3470/4500 kg

(+) Beifahrer-Airbag Serie

(+) 4,5-t-Chassis Serie

(+) Lange Einzelbetten

(+) Hoher Doppelboden

(-) Langes, hohes Fahrzeug

(-) Hoher Grundpreis

Hymer B MC I 680

Grundpreis: 91.690 Euro

Basisfahrzeug: Mercedes Sprinter, 105 kW/143 PS

Länge/Breite/Höhe: 7390/2290/2960 mm

Leer-/zul. Gesamtgewicht: 3120/3500 kg

(+) Beifahrer-Airbag Serie

(+) Lange Einzelbetten

(+) Günstiger Grundpreis

(-) Als 3,5-Tonner kaum praxisgerecht nutzbar

(-) Nur 65-Liter-Dieseltank

Rapido Distinction I 66

Grundpreis: 98.200 Euro

Basisfahrzeug: Fiat Ducato, 103 kW/140 PS

Länge/Breite/Höhe: 7540/2350/2940 mm

Leer-/zul. Gesamtgewicht: 3265/3650 kg

(+) Beifahrer-Airbag Serie

(+) Warmwasserheizung Serie

(+) Lange Einzelbetten

(+) Fünf USB-Steckdosen

(-) Langes Fahrzeug

(-) ESP optional

Die Baureihe Chic C-Line I

Preise: 100.320-124.540 Euro

Basis: Fiat Ducato/Mercedes Sprinter

Länge: 6,85-8,78 Euro

Gesamtgewicht: 3500-5000 kg

Weitere Modelle: 22

Charakter: Insgesamt gibt es 23 integrierte C-Line-Modelle. 13 basieren auf dem Fiat Ducato, zehn auf dem Mercedes Sprinter. Bei Grundrissen, die für beide Basisfahrzeuge verfügbar sind, muss man für den Stern am Bug gut 5000 Euro mehr investieren. Der kürzeste, der 4.2 DB mit 6,85 m Länge und Querdoppelbett, ist auch das einzige Modell, das als 3,5-Tonner bestellbar ist. Die vier XL-Grundrisse mit Tandemachse markieren das obere Ende der Modellpalette mit bis zu 8,78 m Länge. Alle Modelle (außer 4.2) haben Einzelbetten oder ein Queensbett.

Wertung

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