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Zeitreise: Unterwegs im BMW 3.0 CSi (E9)

motor1-Logo motor1 13.02.2020 Roland Hildebrandt

Der Anfang einer großen Sechszylinder-Ära

BMW 3.0 CSi (E9) im Fahrbericht © Motor1.com Hersteller BMW 3.0 CSi (E9) im Fahrbericht

Woran denkt man beim Stichwort BMW? Sportlichkeit. Niere. Hofmeister-Knick. München. Und besonders oft: Sechszylinder. Mit den turbinenhaften Aggregaten setzten die "Bayerischen Motoren Werke" ein Ausrufezeichen auf ihrem Weg zurück an die Spitze. 1968 kamen die 2500/2800-Limousinen (E3) auf den Markt, zeitgleich ihre Coupé-Ableger der Baureihe E9. Letztere lehnten sich formal stark am 2000 C/CS, die als schwächere Alternative bis 1970 im Programm blieben und wie der E9 bei Karmann vom Band rollten.

Weitere Oldtimer im Fahrbericht:

Nun stehe ich vor einem weißen BMW 3.0 CSi der hauseigenen Klassikabteilung und sehe genau hin. Gut, dass sich die Designer damals die zweitürigen 2000er zum Vorbild nahmen. Federleicht scheint das Dach auf schmalen Säulen und riesigen Fensterflächen zu schweben. Glücklicherweise entschärfte man aber die eigenwillige Frontpartie mit ihrem integrierten Lampen. Mit den Doppelscheinwerfern und der gepfeilten Nase wirkt der 3.0 CSi passend zur Lackfarbe wie der "weiße Hai". 

Ich setze mich hinein und schwelge im Luxus der 1970er-Jahre. Im Herbst 1971 kam der 3.0 CSi mit Bosch-D-Jetronic-Saugrohreinspritzung auf den Markt, bis Ende 1975 entstanden 8.144 Exemplare. Jedes davon befand sich auf Porsche-911-Niveau: 200 PS, 7,7 Sekunden auf 100 km/h und 220 km/h Spitze waren damals erste Liga im Autoquartett.

BMW 3.0 CSi (E9) im Fahrbericht © Motor1.com Deutschland BMW 3.0 CSi (E9) im Fahrbericht

Sitze nach Clubsessel-Art mit rotem Leder erwarten mich, dazu Holz, vier elektrische Fensterheber und zeittypische Aschenbecher in den Türen. Und erneut fällt mir die enorme Verglasung auf. Bessere Sichtverhältnisse nach draußen sind kaum möglich.

Ein besserer Motor allerdings auch kaum: M30 heißt der Jahrhundert-Sechszylinder von BMW mit 3,0 Liter Hubraum, der noch bis 1994 in der Fertigung blieb. Allein diese lange Laufzeit zeigt die Genialität des Aggregats. Hier formte sich die Essenz von dem, was BMW ausmacht. Speziell im Rennsport wurden die Dreiliter-Wagen auf E9-Basis zur Legende.

BMW 3.0 CSi (E9) im Fahrbericht © Motor1.com Deutschland BMW 3.0 CSi (E9) im Fahrbericht

Nach dem Schlüsseldreh geht es in meinem E9 zunächst unspektakulär zu. Doch dann kurbele ich am ziemlich großen Lenkrad mit seinem recht großen Spiel, biege auf die Hauptstraße ab und gebe Gas. Dieser turbinenartige Klang betört sofort. Enorm elastisch dreht der Dreiliter-Sechszylinder nach oben in Richtung der 4.300 Touren, bei denen die maximalen 272 Newtonmeter bereitstehen.

In heutigen Zeiten, wo jeder Kleinwagen einen Turbomotor hat, kann man selbst in hohen Gängen flott beschleunigen. Aber die M30-Maschine im BMW 3.0 CSi verleiht profaner Technik eine Seele. Mehr als genug schalte ich ohne Grund herunter. "Klack-klack" rastet der Schaltknüppel des Viergang-Getriebes ein und ab geht die Post. Es geht dabei gar nicht um schnelle Beschleunigung, die schafft der 3.0 CSi locker. Es geht um das Drehmoment in seiner wörtlichsten Interpretation. Die Kurbelwelle dirigiert das Symphonieorchester der Bayerischen Motoren Werke.

BMW 3.0 CSi (E9) im Fahrbericht © Motor1.com Deutschland BMW 3.0 CSi (E9) im Fahrbericht

Wie schrieb BMW damals in der Werbung so treffend? "Die Erben der ersten Strahltriebwerke. [...] Wir haben mit unseren Motoren das Idealprinzip verwirklicht." Unterzeichnet vom berühmten Slogan "Freude am Fahren". Kein Wunder, dass BMW nie Interesse an einer Wankel-Lizenz hatte.

Gewiß, die Zukunft im Automobilbau mag Downsizing, Elektroantrieb oder Wasserstoff sein. Aber um Richard Wagner und seine Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" zu zitieren: "Verachtet mir die Meister nicht, und ehrt mir ihre Kunst …" Lang lebe der Meistersinger von München! 

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