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Zwei-Personen-Bus mit Längsbett - Globe-Traveller Explorer 2XS (2022) im Test

Promobil-Logo Promobil 28.06.2022 Holger Schwarz
Insgesamt neun Hängeschränke ziehen sich vom Heck bis vor zum Fahrerhaus und halten massig Platz für Gepäck bereit. © Ingolf Pompe Insgesamt neun Hängeschränke ziehen sich vom Heck bis vor zum Fahrerhaus und halten massig Platz für Gepäck bereit.

Von außen sieht der Explorer 2XS nicht viel anders aus als die meisten ausgebauten Kastenwagen. Öffnet man die Schiebetür und schaut ins Innere, dann staunt man aber nicht schlecht. Als Erstes hat man einen enorm großzügigen Raumeindruck. Das liegt vor allem daran, dass sich bei dem Campingbus der polnischen Marke Globe-Traveller das Bad ganz ins Heck verkrümelt neben das französische Bett und der vordere Teil zwischen Sitzgruppe und Küche umso luftiger erscheint.

Auch die Sitzgruppe hat ihren Anteil an der verblüffenden Raumwirkung. Statt einer wuchtigen Rückbank dient nur ein kleiner Einzelsitz – ohne Gurt – als Konterpart zu den gedrehten Fahrerhaussesseln.

Auch an anderer Stelle findet sich im Ausbau kein weiterer Fahrplatz – damit ist klar: Der 2XS ist strikt für zwei Reisende gedacht. Die haben am Tisch dabei genug Platz – egal ob sie nebeneinander oder sich gegenüber sitzen. Lediglich an eines sollte man denken, wenn man sich vom Cockpitgestühl erhebt: Kopf einziehen! Denn wegen des Original-Staufachs über dem Fahrerhaus besteht die Gefahr, sich das Haupt anzuschlagen. Besser sieht es dagegen im Rest des Fahrzeugs mit der Kopffreiheit aus. Die Stehhöhe beträgt 1,96 Meter.

Viel Platz vor der Küche

Das üppige Raumangebot genießt man auch beim Kochen. Gegenüber dem Küchenblock begrenzt nicht wie sonst üblich der Sanitärraum die Bewegungsfreiheit, stattdessen ist hier der 90-Liter-Kompressorkühlschrank untergebracht. Zudem findet sich gleich nebenan im Bettkasten noch ein zweites Kühlgerät. In dem optionalen 20-Liter-Getränkekühler lassen sich sechs Flaschen bei Wunschtemperatur lagern.

Stauraum ist in der Küche dank eines Hängeschranks sowie des Küchenblocks mit drei Schubladen und einem Unterschrank reichlich vorhanden. Letzterer lässt sich auch nach außen öffnen – praktisch, wenn man im Freien essen möchte und zum Tischdecken das Geschirr direkt entnehmen kann.

Was zu kurz kommt, ist allerdings die Arbeitsfläche in der Küche. Außer den Glasabdeckungendes Zweiflammkochers und des Spülbeckens gibt es keine genügend große Fläche etwa zum Gemüseschneiden. Dafür muss man auf den Tisch ausweichen. Immerhin zum Abstellen bleibt noch die Fläche auf dem Kühlschrank gegenüber.

Schlafen ohne Heckfenster

Das großzügige Raumgefühl im vorderen Teil macht allerdings gewisse Kompromisse in der Heckaufteilung nötig, wo sich Bett und Bad um die verfügbare Innenbreite der Karosserie streiten. Das längs angeordnete Doppelbett überzeugt mit gutem Zugang und bequemer, zehn Zentimeter dicker Matratze, die auf einem Lattenrost lagert. Auch die Liegelänge ist mit 1,99 Meter vergleichsweise üppig. Lediglich 1,20 Meter Breite und die am Fußende abgerundete Matratzenecke schmälern den Schlafkomfort für zwei Erwachsene wiederum etwas.

Was gefällt: Der Lattenrost kann im Kopfbereich in verschiedenen Winkeln aufgestellt werden, außerdem ist das Bett zu den Hecktüren hin komplett abgeschottet, offene Metallflächen oder gar Zugluft durch den Türspalt gibt es hier jedenfalls nicht. Dafür finden sich zahlreiche offene Ablagen sowie Leseleuchten und USB-Ladebuchsen für Handys.

Besonderes Konzept auch im Bad

Das Bad muss mit dem übrigen Platz neben dem Bett auskommen, insbesondere die Zugangstür ist sehr schmal, selbst schlanke Personen müssen sich hindurchfädeln. Im Inneren klappt es besser – im doppelten Wortsinn: Wenn das relativ große Waschbecken an die Rückwand hochgeklappt wird, entsteht genügend Raum für die Toilettenbenutzung. Das vergrößert auch die Ellenbogenfreiheit beim Duschen, an dem knappen Fußraum durch den Radkastenüberbau ändert es allerdings nichts.

Eine zweiteilige Klapptrennwand verhindert dabei, dass Spritzwasser durch den Türspalt in den Gang hinausrinnt. Der Rest des Bads ist zwar mit wasserfesten Materialien ausgekleidet, trockenwischen ist aber hinterher zumindest beim Spiegel nötig. Im Bad finden sich keinerlei Stangen oder Haken zum Aufhängen von Handtüchern, auch eine Halterung fürs Toilettenpapier fehlt. Ebenso sucht man einenspritzwassergeschützten Stauraum, etwa in Form eines Spiegelschranks, vergeblich. Ein Fenster gibt es ebenso wenig, dafür ist die kleine Dachhaube aber mit einem Ventilator ausgestattet.

Stauraum nicht zu knapp


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Die Stauraumsituation im übrigen Ausbau stellt sich dagegen deutlich positiver dar. Insgesamt neun Hängeschränke ziehen sich in einem Band von der Heckwand entlang der linken Seite bis übers Fahrerhaus. In einem davon ist der optionale, zur Sitzgruppe oder zum Bett schwenkbare Fernseher untergebracht. Außerdem besitzt der Explorer 2XS einen für Campingbus-Verhältnisse relativ geräumigen Kleiderschrank, ein Bettkasten- und zwei Bodenfächer sowie eine praktische Schublade unterhalb des kleinen Einzelsitzes.

Dabei sind die Möbel hochwertig verarbeitet. Auch während der Fahrt sind keinerlei Störgeräusche, etwa durch klappernde Schranktüren, zu vernehmen – das ist keineswegs selbstverständlich. Weniger gute Noten erntet dagegen der Heckstauraum. Verglichen mit typischen Sechs-Meter-Querbett-Modellen ist das Gepäckabteil im 2XS mit rund 700 Litern nicht nur etwas kleiner, sondern vor allem deutlich unflexibler, weil es sich weder zum Fahrradtransport nach oben noch für lange Ladegüter nach vorn erweitern lässt. Übliches Zubehör wie Campingmöbel und Stauboxen bekommt man aber gut unter. Angemessen sind dabei die Zuladungsreserven, die mit der getesteten Ausstattung bei 500 Kilogramm liegen – rundum genug für zwei Personen.

Technischer Ausbau

Beim Blick auf die Technik zeichnet sich der Explorer nicht nur durch die schicken, planen Rahmenfenster aus, sondern überrascht außerdem mit seinem durchgängigen Doppelboden im Ausbau. Das ist auch der Grund für die Nutzung der höchsten Karosserievariante des Peugeot-Boxer-Kastenwagens. In dem Zwischenboden ist nicht nur Platz für kleine Staufächer, sondern auch um den Abwassertank frostsicher unterzubringen und die Wintertauglichkeit insgesamt zu verbessern.

Auch bei der Elektroausstattung tut sich der 2XS hervor, nicht nur mit durchdacht platzierten Steckdosen und USB-Anschlüssen – optional gibt es sogar induktive Ladeschalen –, sondern auch mit der serienmäßigen 100-Ah-Lithium-Aufbaubatterie. Gegen Aufpreis sind es mit dem sogenannten Power-Paket sogar 200 Ah plus vier 50-Watt-Solarmodule auf dem Dach.

Mit einem Grundpreis von 62.607 Euro positioniert sich der Explorer 2XS im gehobenen Preissegment. Positiv: Die Peugeot-Boxer-Basis kommt generell mit 165-PS-Motor. Gegen Aufpreis ist aber auch der Fiat Ducato und damit ein Automatikgetriebe erhältlich.

Das fiel uns auf:

(+) Geht leicht von der Hand: Zwei Gurtgriffe machen die Bedienung der Schiebetür von innen einfacher.

(+) Optional sind im Explorer 2XS zwei Induktiv-Ladepunkte für entsprechende Smartphones erhältlich.

(+) Praktisch: Das Kopfende des Bettrosts lässt sich ganz einfach anheben und im Winkel einstellen.

(-) Bitte mehr Platz: Der Küchenblock besitzt zu wenig Arbeitsfläche und Abstellmöglichkeiten.

(-) Eindeutig zu schmal: Die Badtüre hat eine lichte Breite von 41,5 Zentimetern – selbst für Schlanke sehr wenig.

(-) Am großen Staufach über dem Fahrerhaus schlägt man sich beim Durchstieg schnell mal den Kopf an.

Globe-Traveller Explorer 2XS

Basisfahrzeug: Peugeot Boxer Blue HDi 165, Kastenwagen, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 2179 cm3, Leistung 121 kW/165 PS bei 3750/min, Drehmoment 370 Nm bei 1750/min, Sechsgang-Schaltgetriebe.

Länge/Breite/Höhe: 5,99/2,05/2,80 m

Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg

Gurte/Schlafplätze: 2/2

Auf- und Ausbau: Stahlblechkarosserie mit Stahlverstärkungen, innen Mikrofaserverkleidungen an Wand und Dach, Isoliermaterial Wand/Dach/Boden PE-Schaum, Wandstärke Wand/Dach/Boden 10–20/20/9+21 mm, Doppelboden, Höhe 155 mm, 3 Kunststoff- Isolierfenster mit PU-Rahmen, 4 Dachhauben.

Bordtechnik: Kraftstoff-Gebläseheizung/Boiler Truma Combi D 6, 6 Ausströmer (1 x Sitzgruppe, 2 x Fahrerhaus, 1x Einstieg, 1 x hinterer Gang, 1 x Bad), Wasseranlage: Frischwasserrohre, Abwasserschläuche, Tauchpumpe.

Preise und Ausstattung

  • Grundpreis: 62.607 Euro (Peugeot Boxer Blue HDi 165, Motor 121 kW/165 PS) ohne TÜV und Zulassungsbescheinigung II
  • Testwagenpreis: 76.757 Euro
  • Paket Peugeot To Go: 10"-Radio inkl. Navi u. Rückfahrkamera, Toter-Winkel-Assistent, Brems- u. Spurhalteassistent, Reifendruckkontrolle, LED-Tagfahrlicht, Außenspiegel beheizt u. anklappbar u. a. 3.960 Euro (empfohlen)
  • Power-Paket: LiFePO4-Wohnraumbatterie 200 Ah mit Ladegerät und -booster, Solaranlage 4 x 50 W2.380 Euro
  • Induktive Ladeschale/ Batteriecomputer: 82/446 Euro
  • Markise 3,5 m: 1.160 Euro
  • Ausstellbares Seitenfenster am Bett: 393 Euro (empfohlen)
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