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Handelsstreit: Was teurer wird - und was nicht

Eines dürfte nach dieser Woche klar sein: Der Handelskonflikt beginnt sich auszuwirken - und zwar in unterschiedlichen Bereichen.Ab heute gelten die Gegenzölle, mit denen Europa auf die Importzölle der USA auf Stahl und Aluminium reagiert. "Wir wollten nicht in diese Lage kommen", betonte in dieser Woche die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström bei ihrem Besuch in Neuseeland. Aber man habe keine andere Wahl gehabt. 25 Prozent Zölle für Importe bestimmter Waren aus den USA gelten von nun an also in der EU. Die Liste dieser Waren liest sich wie ein Sortiment eines kuriosen Gemischtwarenladens: Harley-Davidson-Motorräder finden sich hier neben Erdnussbutter, Orangensaft oder Bourbon Whiskey; auch Jeans der Traditionsmarke Levis sind dabei. Damit zielt die EU auf Produkte aus Regionen in den USA, in denen republikanische Abgeordnete ihre Wahlkreise haben. Indirekt soll so der Druck auf US-Präsident Donald Trump steigen. Entwarnung für Levis-Fans Im Fall der Jeans-Hosen aus dem Hause Levis sehen Beobachter erst einmal keine schnellen und großen Auswirkungen für Verbraucher. "Die meisten Jeans kommen gar nicht aus den USA", sagt Thomas Rasch vom Modeverband Deutschland Germanfashion. In Zahlen: Von rund 33 Milliarden Euro an Textilimporten in Deutschland im vergangenen Jahr entfielen nur 0,2 Prozent auf die USA. Schon jetzt kommt viel Bekleidung natürlich aus Asien - und das wird sich nicht ändern, könnte sich durch die Zölle aber etwas verstärken. Zudem wird die Modebranche, wenn überhaupt, wohl erst zeitverzögert reagieren. Denn in diesem Bereich ist Lagerhaltung üblich und vorausschauende Planung. "Es wurden hier schon Kollektionen fest geordert, die man jetzt nicht mehr aufzurren kann", sagt Kai Falk, Sprecher der Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels. Kenner der Branche gehen also davon aus, dass die Strafzölle im Modebereich sich nur wenig oder nur bei einzelnen Artikeln auswirken werden. Rohstoffpreise könnten unter Druck geraten Bei Lebensmitteln sieht es etwas anders aus. Da sind beispielsweise bei Mais die USA der drittgrößte Exporteur in die EU. Allerdings wandert fast der gesamte Mais als Tierfutter in den Mägen von Schweinen und Kühen. Deren Haltung könnte sich dadurch zwar verteuern. Allerdings ist der Maispreis nur einer von vielen Faktoren, bis das Fleisch an der Ladentheke landet. Auch hier dürften sich die Auswirkungen also in überschaubaren Grenzen halten. Zumal bei Mais auch noch die Importalternative aus Ländern wie der Ukraine und Brasilien besteht - sie sind bereits jetzt die Hauptlieferanten von Mais in die EU. Allerdings könnte im Bereich Agrar und Lebensmittel eine andere Entwicklung entscheidender sein. Denn die Agrarrohstoffe werden vor allem an der Rohstoffbörse in Chicago gehandelt. Sollten die USA auf ihren Ernten sitzen bleiben, weil sie sie nicht mehr in die EU oder nach China verkaufen können, würde ein Überangebot entstehen. Das würde die Preise für diese Rohstoffe in den USA sinken lassen. Und weil sich die Weltrohstoffpreise an den amerikanischen Rohstoffmärkten orientieren, könnte diese Entwicklung tendenziell negative Auswirkungen auf die Bauern weltweit haben. Vor allem kleinere Bauern müssten dann einen Schwund ihrer ohnehin knapp bemessenen Margen befürchten. "Möglicherweise müssen dann ganz neue Prämienmodelle erfunden werden, um sich gegen die neuen Besonderheiten des Marktes abzusetzen", sagt Wienke von Schenck von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft. In bestimmten Bereichen allerdings könnten die Veränderungen deutlich spürbar sein, beispielsweise bei Harley-Davidson-Motorrädern. Die Kult-Maschinen können gut und gerne zwischen 15.000 und 40.000 Euro kosten. Ein Shopper für 20.000 würde dann 25.000 Euro kosten - vorausgesetzt, die Importzölle würden 1:1 an die Kunden weiter gegeben. Harley Davidson hat angekündigt, die möglichen Auswirkungen für die Kunden nun untersuchen und beobachten zu wollen. Finanzmärkte im Abwärtssog Während die konkreten Auswirkungen der Strafzölle sich für den Endverbraucher zunächst also in überschaubaren Grenzen halten dürften, besteht die größte Befürchtung von Ökonomen darin, dass sich der Handelsstreit hochschaukelt. Dann sehen manche am Horizont bereits das Schreckgespenst einer Rezession auf die Weltwirtschaft zukommen. Einen Vorgeschmack darauf hat Daimler am Donnerstag in Form einer Gewinnwarnung an der Börse gegeben. Die deutschen Autokonzerne haben zwar das hausgemachte Problem, tief in den Diesel-Abgasskandal verwickelt zu sein. Hinzu kommt nun aber, dass sich die Zölle zwischen den USA und China beginnen, negativ auszuwirken. Daimler beispielsweise produziert in Amerika Autos, die auch nach China verschifft werden. Deswegen rechnet der Konzern damit, dass seine Gewinne in diesem Jahr kleiner ausfallen werden als noch zu Beginn des Jahres noch erhofft. Die Börsen schließlich haben auf diese Hiobsbotschaften mit deutlichen Kursabschlägen reagiert. Über den Finanzmärkten wird das Damoklesschwert eines möglichen Handelskrieges weiter schweben in nächster Zeit. Die Unsicherheit bleibt hoch, Schwankungen an den Aktienmärkten sind die sehr wahrscheinliche Folge. Der Handelskonflikt ist hier spätestens in dieser Woche greifbar geworden - und er lässt nichts Gutes erahnen. Autor: Mischa Ehrhardt (Frankfurt am Main)
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