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"Unternehmerin der Zukunft": Neue Ideen und viel Lehrgeld

Es begann in Lund, einer schwedischen Universitätsstadt, unweit von Malmö. Knapp 90.000 Einwohner und fast 50.000 Studenten und mittendrin die Münchnerin Julia Beyer (Artikelbild), die hier ihren Master in Entrepreneurship und Innovation machte. Dass sie selbst ein Unternehmen gründen wollte, war ihr immer klar, aber dass sie jetzt mit gerade mal 25 Jahren bereits ihr eigenes Produkt in ganz Europa verkauft, hat sie selbst überrascht. "Also, ich mache viel Sport, bin viel in der frischen Luft, surfe gerne und muss dann meine Haut vor der Sonne schützen, aber die verfügbaren Sonnencremes enthielten meist sehr schädliche Inhaltsstoffe." Diese Erkenntnis war die Geburtsstunde ihres Unternehmens "Suntribe", das sie gemeinsam mit ihren Mitstudenten Karl Roos und Hampus Tarras-Wahlberg gründete. Ihr Ziel: eine schadstofffreie Sonnencreme zu entwickeln, damit die Umwelt zu schützen und die Creme weltweit zu verkaufen. "Chemische UV-Filter werden für die Schädigung von Korallenriffen verantwortlich gemacht. Auch deshalb wollten wir eine umweltfreundliche Alternative", erzählt Beyer begeistert. Kokosöl und Zinkoxid Die drei Studenten sammelten Informationen über die Inhaltsstoffe existierender Sonnencremes und machten sich auf die Suche nach Alternativen. Das universitätseigene Gründerzentrum half bei Kontakten zu Wissenschaftlern und vermittelte Startkapital. Die drei Unternehmensgründer investierten zusätzlich ihre Ersparnisse und arbeiteten neben dem Studium an der Unternehmensgründung. Beyer jobbte in einem Café, und wenn sie frei hatte, mixte sie zusammen mit den beiden anderen in der Küche Sonnencremes aus natürlichen Inhaltsstoffen. Sie arbeiteten mit Kokosöl und Kakaobutter und stießen auf Zinkoxid, ein Mineral, das Sonnenstrahlen absorbiert und umweltverträglich ist. Nun hatten sie ihr Produkt, aber noch keine Idee, wer es in größerem Umfang herstellen könnte. Die Logistik musste entwickelt und eine eigene Marke geschaffen werden. Das war 2016. Geschlafen hat Beyer in diesen Monaten kaum und auch heute noch, zwei Jahre nach der Unternehmensgründung, muss sie sich bremsen, um nicht zu viel zu arbeiten. Finanziell sei es auch oft sehr hart gewesen. Sie reiste mit ihren Partnern durch ganz Europa, um den idealen Hersteller zu finden, übernachtete in billigen Hotels, feilschte um gute Preise und achtete auf die Produktionsbedingungen. Sie mussten einiges an Lehrgeld zahlen. "Trottelsteuer" nennt Katharina Goldscheider ironisch diese Ausgaben. Die Grazerin lebt in der Schweiz und exportiert von dort ihre Minibags in die ganze Welt. Auch sie ist stolze Unternehmerin, aber es gab Momente, in denen sie sich fragte, ob es ihr jemals gelingen werde, hochwertige Minibags zu bezahlbaren Preisen anzubieten. "Man zahlt als Unwissender viel Lehrgeld", sagt sie. "Eine meiner ersten Prototypen kostete zwischen 700 und 800 Euro in der Herstellung. Zu diesen Preisen hätte ich die Minibag nie verkaufen können." Goldscheider wollte außerdem, dass das Produkt in Europa hergestellt wird. "Made in China" war für sie keine Option. "Wir sind Europäer und sollten auch in Europa produzieren", sagt sie selbstbewusst. Handtaschen für Frauen, die keine mögen Die Idee zu der Minibag kam ihr auf dem Spielplatz. Sie war mit ihren beiden Kindern dort und wusste einfach nicht, wo sie ihre Handtasche sicher lassen konnte, während sie mit den Kindern an der Rutsche stand. Sie ließ sich von einer Freundin eine kleine Tasche nähen, in der Kreditkarte, Schlüssel, Portemonnaie und ähnliche kleine wichtige Dinge Platz finden. Viele Leute sprachen sie darauf an und so wurde ihr bewusst, dass das eine Marktlücke ist und so beschloss sie die Taschen herzustellen. Auf wie vielen Messen sie war, um dann den richtigen Lieferanten zu finden, weiß sie nicht mehr, nur dass sie in Italien von einem Ort zum nächsten reiste, um mit Lederproduzenten direkt zu verhandeln. Das Problem waren die kleinen Stückzahlen. "Kaum hatte ich einen guten Produzenten gefunden, da sagte er mir auch schon ab, weil die Produktion von 100 Taschen sich nicht für ihn lohnen würde", erzählt die 44-Jährige und ergänzt mit schallendem Lachen: "Wissen Sie, ich hasse Taschen! Ich bin nicht die Frau, die eine Tasche für jede Gelegenheit braucht. Gerade deshalb wollte ich unbedingt die Minibag entwickeln. Die kann man nämlich immer tragen oder sogar in eine Große hineinpacken, wenn man wechseln möchte." Das Wichtigste sei es, vom eigenen Produkt überzeugt zu sein, sagt die Unternehmerin - und nicht stehen zu bleiben. Kathie Goldscheider plant die Welt mit ihren Minibags zu erobern und auch Julia Bayer mit ihren umweltverträglichen Sonnencremes entwickelt gerade eine Expansionsstrategie für den US-Markt. Die Digitalstrategie ist entscheidend Entscheidend für den Unternehmenserfolg war bei beiden die Digitalstrategie. Sie haben eigene Webshops entwickelt und vertreiben ihre Waren auch über große Plattformen wie Amazon. Ein Problem bei "Suntribe" war schlichtweg die fehlende Sichtbarkeit. "Man hat unser Produkt nicht gefunden, wir mussten es digital erst einmal richtig aufstellen", erzählt Julia Bayer. Auch die Minibags führten zunächst ein Nischendasein. Erst als Kathie Goldscheider ein digitales Coaching im Rahmen des Projekts "Unternehmerin der Zukunft" erhielt, verbesserte sich der Auftritt und die Verkaufszahlen stiegen. Das Projekt wird unter anderem vom Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU), unterstützt, mit dabei sind auch Global Digital Women (GDW) ein internationales Netzwerk von Gestalterinnen der Digitalbranche, und die Brigitte Academy, einer Weiterbildungsplattform für Frauen, sowie dem Onlinehändler Amazon. Die Teilnehmerinnen bekommen über mehrere Monate ein digitales Coaching. "Wir haben unsere Website vollständig überarbeitet, Texte und Fotos geändert und alles suchmaschinenoptimiert", erzählt Goldscheider, "und dann kamen Bestellungen aus ganz Europa." Das Ergebnis: Sie verkaufte im Mai dieses Jahres so viele Minibags, wie im gesamten Jahr zuvor. Beide Unternehmerinnen sehen sich aber erst am Anfang. Julia Bayer arbeitet schon an weiteren umweltverträglichen Produkten für Outdoorsportler und Familien. Inzwischen bietet "Suntribe" auch Gesichtscremes und mehrfarbige Sonnencremes an. Kathie Goldschneider würde gerne eine vegane Variante des Minibag verkaufen, hat aber noch keinen Prototypen gefunden, der ihren Vorstellungen entspricht. Aber dass der Markt darauf wartet, davon ist die Unternehmerin überzeugt. Autor: Manuela Kasper-Claridge
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