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USA: Uber-Fahrer haben in der Corona-Krise die Wahl zwischen Hunger oder Infektion

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Die Fahrer protestieren schon seit Langem gegen die Rechtlosigkeit ihrer Stellung. © Picture Alliance/Eric Risberg Die Fahrer protestieren schon seit Langem gegen die Rechtlosigkeit ihrer Stellung.

In den USA zeigt die Corona-Pandemie das soziale Elend der Gig-Ökonomie. Unter dem Deckmantel der Selbstständigkeit ist ein Elendsproletariat entstanden, das keinerlei Hilfe zu erwarten hat.

In den letzten Jahren wurde das sympathische Wort teilen – Sharen – von allen möglichen Geschäftsideen gekapert, bei denen gar nichts geteilt wurde. Mietwagen ohne feste Station sind eine Innovation, aber natürlich teilen BMW und Mercedes ihre Autos nicht. Auch bei Airbnb wird eine Wohnung oder ein Zimmer nicht geteilt, sondern an Feriengäste untervermietet. Dabei geht es häufig nicht nur um ein hübsches Etikett, sondern auch darum, alle lästigen Vorschriften außer Kraft zu setzen.

Rechtloses Sub-Proletariat

Am deutlichsten tritt die hässliche Seite der Gig-Ökonomie beim Taxiersatz Uber hervor. Die Firma selbst sieht sich als Vermittler. So wie Ebay, nur eben für Transportdienstleistungen. Irgendeine soziale Verantwortung für das Heer der Fahrer übernimmt die Firma nicht. Das sieht man in Zeiten der Corona-Krise besonders deutlich. Die USA werden vermutlich zum nächsten Zentrum der Pandemie werden. In San Francisco wurde das öffentliche Leben auf ein Minimum heruntergefahren. Die Uber-Fahrer sind davon nicht betroffen, denn Transporte gelten als lebensnotwendig. Wenn sich jemand fahren lässt.

Die Jura-Professorin Veena Dubal von der University of California klagt die Firma im "Guardian" an, nur die Ärmsten und Schutzlosesten auszubeuten. Tatsächlich zieht die Gig-Ökonomie gering qualifizierte Migranten an, weil sie hier sofort als scheinbar selbstständige Unternehmer arbeiten können. Dubal erzählt den Fall des Fahrers Ahmed. Er hat vier Kinder im Alter von 11, acht, fünf und drei Jahren. Er lebt mit ihnen, seiner Frau und seinen älteren Eltern in San Francisco. Um sie alle zu ernähren, fährt er über 60 Stunden in der Woche.

Die hässliche Seite der Internet-Milliardäre 

Würde er nun zu Hause bleiben, hätte er kein Einkommen. Seine Rücklagen belaufen sich auf 57 Cent. Also muss er weiterhin fahren. Irgendeine Unterstützung, und sei es auch nur in Form von Desinfektionsmitteln, kann er nicht erwarten. Arbeitnehmer wie er werden als unabhängige Auftragnehmer eingestuft, also müssen die Arbeitgeber weder für Schutzmaßnahmen, Mindestlohns und Arbeitslosenversicherung aufkommen. Und das gibt es nicht nur in den USA, in Deutschland gibt es diese Form von Schein-Unternehmen, etwa bei den Sub-Unternehmern der Lieferdienste oder – ganz neu – bei den Juicern der Scooter-Firmen.

Auch sie stehen vollkommen schutzlos da. Ausbeuterisch waren diese Vertragsverhältnisse auch schon vor der jetzigen Krise, doch die Pandemie wirke als ein Multiplikator, der für diese gefährdeten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Absturz ins Elend bedeutet, argumentiert Dubal.

Kein Geld zum Tanken

Für den Fahrer Ahmed wird die Situation kritisch. Er muss fahren und den Schutz seiner Gesundheit ignorieren. Ein Mindestlohn steht ihm nicht zu, also verdient er noch weniger als zuvor. Ahmed weiß nicht, wie er die Miete oder das Essen zahlen soll. Selbst zum Tanken wird es bald nicht reichen.

Das ist die soziale Kehrseite der Milliarden, die im Silicon Valley verdient werden. "Die Gig-Firmen haben Arbeiter zur Schaffung von Reichtum und Profit eingesetzt, aber sie haben sich geweigert, sie als Menschen zu behandeln, die einen grundlegenden Schutz benötigen."

Quelle: Guardian

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