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Warum wieder kein Schwein anruft

Ein Bauunternehmer ohne Handyverbindung? Die Feuerwehr ohne digitalen Kontakt zur Leitstelle? Kein schlechter Scherz, sondern bis vor kurzem noch Alltag im 360-Seelen-Dorf Kleßen-Görne in Brandenburg. Kein Geringerer als Deutschlands Digitalminister Andreas Scheuer (CSU) habe sich persönlich gegenüber Telekom-Chef Timotheus Höttges dafür eingesetzt, endlich Übertragungsmasten vor Ort in der Brandenburgischen Provinz aufzustellen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Wie es ihm gelungen ist, den prominenten Telekom-Fürsten zu überzeugen, ist nicht überliefert. Höttges beeilte sich aber, auf die Kosten hinzuweisen: Zwei Masten für bis zu 400.00 Euro und weniger als 400 Einwohner seien nicht wirtschaftlich, es handele sich deshalb um eine Ausnahme. Und so wird es wohl noch länger dauern, bis in den vielen ländlichen Regionen mit miserablem Mobilfunkempfang Besserung eintritt. Wobei Höttges selbst unlängst auf einer Reise in den nordöstlichen Landkreis Vorpommern-Rügen bemerken musste, wie löchrig das Netz noch ist. "Auf dem Weg hierhin habe ich mich mit dem Thema Funklöcher beschäftigen müssen", sagte er damals. Danach kündigte er schon mal an, dass die Telekom in diesem Jahr 100 Millionen Euro extra in die Hand nehmen wolle, um Funklöcher zu schließen. Kein Recht auf Handyempfang Schätzungen gehen davon aus, dass rund zwei Millionen Einwohner hierzulande unter den Löchern im Mobilfunknetzt zu leiden haben. Dagegen unternehmen können sie so gut wie nichts, ein Recht auf Handyempfang gibt es nicht. Gute Versorgung mit dichten Netzen ist eigentlich nur in den Ballungszentren gewährleistet. In der Fläche kommt nur die Telekom auf gut 80 Prozent Netzabdeckung. Die Konkurrenten Vodafone und die O2-Mutter Telefonica hinken noch weiter hinterher. Dabei wird lückenloser Mobilfunk in höchster Qualität immer wichtiger. Ob es autonom fahrende Autos in nächster Zukunft sind oder Herzschrittmacher, die auch auf dem Land schon bald digital überwacht werden sollen - viele Anwendungen in den verschiedensten Lebensbereichen funktionieren nur, wenn die Funklöcher gestopft werden. Kampf gegen weiße Flecken Die Bundesregierung will die weißen Flecken deshalb möglichst bald abschaffen. Dabei hat sie gegenüber den Mobilfunkanbietern ein starkes Druckmittel zur Hand: Für den künftigen Mobilfunkstandard 5G sollen im kommenden Frühjahr Frequenzen versteigert werden. Der Deal dabei soll dann lauten: neue Frequenzen nur gegen flächendeckende Versorgung. Genau darum soll es beim Treffen von Bundesminister Scheuer und den Netzbetreibern beim heutigen Mobilfunkgipfel in Berlin gehen. Die Opposition ist allerdings skeptisch. Nach Ansicht der Grünen droht der Gipfel, ein Flop zu werden. Opposition ist skeptisch "Die Netzbetreiber werden vielleicht eine bessere Netzabdeckung versprechen und Minister Scheuer wird sich freundlich bedanken", die "Probleme" werde der Gipfel aber "nicht anpacken", sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer der "Saarbrücker Zeitung". Der Netzausbau halte nicht Schritt mit dem steigenden Datenvolumen, so Krischer. "Wir haben die höchsten Mobilfunkpreise im internationalen Vergleich, aber gleichzeitig mit das schlechteste Netz", kritisierte er. Die Verbraucher zahlten über die hohen Mobilfunk-Preise die Milliardenkosten für die Lizenzversteigerungen. "Das ist nicht zielführend, deshalb muss man von dieser Politik weg", forderte er. Der Grünen-Politiker schlug vor, bei der anstehenden Vergabe der 5G-Lizenzen wie in Skandinavien vorzugehen. Dort würden ohne große Einnahmen die Lizenzen vergeben, "aber dann den Netzbetreibern auch klare und nachprüfbare Vorgaben gemacht inklusive möglicher Sanktionen". Unter anderem dadurch ließen sich die vielen bestehenden Funklöcher schließen. Autor: Klaus Ulrich
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