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Österreichs Banken - Von Osteuropa spürbar beflügelt

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 11.08.2017 Siebenhaar, Hans-Peter
Das Geschäft in Osteuropa wirkt als Motor für die Konzernbilanz. Foto: Reuters © Reuters Das Geschäft in Osteuropa wirkt als Motor für die Konzernbilanz. Foto: Reuters

Der österreichische Bankensektor überzeugt in diesen Tagen. Die Raiffeisen Bank präsentiert den höchsten Quartalsgewinn seit Jahren, die Erste Group legt ebenfalls starke Zahlen vor. Und die Aussichten bleiben sehr gut.

Ein strahlender Showmaster war Johann Strobl noch nie. Der neue Chef der österreichischen Raiffeisen Bank International (RBI) konnte bei der Vorlage der Bilanz am Donnerstag seinen Stolz dennoch nicht unterdrücken. In nüchterner Manier verkündete der frühere Risikovorstand der auf Osteuropa spezialisierten Bank den höchsten Konzerngewinn seit der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt.

Raiffeisen konnte sein Ergebnis im ersten Halbjahr mit 587 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum 236 Millionen Euro) mehr als verdoppeln. „Unser erstes Halbjahr ist besser als erwartet“, sagte Strobl mit dem für ihn typischen Understatement. „Besonders freue ich mich über die Ergebnisbeiträge aus Ungarn und der Ukraine. In Polen zeigt unser Optimierungsprogramm bereits erste Erfolge.“

Raiffeisen profitiert vom Wirtschaftsaufschwung in Osteuropa. „Die anhaltend starke Wirtschaftsentwicklung in Osteuropa hat dazu beigetragen, dass sich unsere Risikokosten deutlich besser entwickelt haben als von uns erwartet", erklärte Strobl. Zum Ende der ersten sechs Monate lag der Anteil der notleidenden Kredite am gesamten Darlehensvolumen nur noch bis 7,3 Prozent. „Es gibt eine sehr erfreuliche Entwicklung der Risikokosten“, sagte Finanzvorstand Martin Grüll.

Ursprünglich sollte das Ziel von unter acht Prozent erst Ende des Jahres erreicht werden. Der wichtigste Auslandsmarkt für Raiffeisen ist traditionell Russland. Die Bank ist neben Österreich in 14 weiteren Ländern mit insgesamt 16,5 Millionen Kunden präsent. Die Aktie legte am Donnerstagnachmittag um ein knappes Prozent auf 25,50 Euro zu.

Bereits zuvor hatte die ebenfalls auf Osteuropa spezialisierte österreichische Bank Erste Group gute Zahlen vorgelegt. Auch das Wiener Geldhaus profitiert vom Abbau fauler Kredite und sieht sich bei der Sanierung auf dem richtigen Weg. Vorstandschef Andreas Treichl strotzte bei der Vorlage der Halbjahreszahlen zuletzt vor Zuversicht. Zwar lag das Nettoergebnis im zweiten Halbjahr trotz eines kräftigen Wachstums bei den Krediten (plus 6,7 Prozent) und eines noch stärkeren Anstiegs der Einlagen (plus 11,6 Prozent) bei nur knapp 363 Millionen Euro. Es übertraf damit aber die Erwartungen der Analysten.

Gute Zahlen stärken Kanzler Kern

Die zu Jahresbeginn mit der Raiffeisen Zentralbank verschmolzene RBI wird ihre polnische Tochter auf Drängen der Warschauer Finanzaufsicht KNF bis Mai 2018 an die Börse bringen. „Wir werden alles tun, um erfolgreich zu sein. Natürlich wird es kein einfacher Weg“, erklärte Vorstandschef Strobl. Angesichts mangelnden Interesses bei Investoren musste RBI erst im Juli den Börsengang der in Umstrukturierung befindlichen Raiffeisen Bank Polska verschieben. Der Schritt kam nicht ganz unerwartet. Denn bereits in den vergangenen Tagen gab es Marktgerüchte, dass Anleger das Papier der Raiffeisen Polbank – wie die polnische Tochter im Branchenjargon genannt wird Ê mit sehr spitzen Fingern anfassen.

Die polnische Finanzaufsicht KNF in Warschau verlangt weiter, dass ein Aktienpaket von mindestens 15 Prozent an die Warschauer Börse geht. Raiffeisen hatte in Polen einen harten Sparkurs gefahren – 62 Geschäftsstellen wurden geschlossen und 318 Arbeitsplätze gestrichen. In die digitale Transformation der Polbank sollen in den nächsten zwei Jahren 25 Millionen Euro investiert werden.

Der wirtschaftliche Aufholprozess in Osteuropa wird nach Einschätzung der österreichischen Banken weiter gehen. Die Ersten Group glaubt an ein Wachstum der Wirtschaft in den Ländern Mittel- und Osteuropas zwischen drei und fünf Prozent in diesem Jahr. Nach Einschätzung der Raiffeisen Bank wächst die Wirtschaft in Südosteuropa in diesem Jahr um 4,1 Prozent. Selbst Russland erlebe trotz der Sanktionen eine leichte Erholung. Dort erwartet die RBI ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent, im nächsten Jahr sogar 1,5 Prozent.

Die guten Bilanzen der beiden führenden österreichischen Banken kommen für Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) wie gerufen – denn am 15. Oktober wählt die Alpenrepublik ein neues Parlament. Die vorgezogenen Neuwahlen wurden vom konservativen Koalitionspartner ÖVP erzwungen. Kern, Chef der sozialdemokratischen SPÖ, liegt nach Meinungsumfragen klar hinter seinem Herausforderer, dem Außenminister und ÖVP-Vorsitzendem Sebastian Kurz.

Auch in Österreich selbst gewinnt die Konjunktur weiter an Fahrt. Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal um 0,8 Prozent zu. „Damit gehört Österreich zu den Euro-Ländern mit dem stärksten Wirtschaftswachstum', teilte Österreichs führendes Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo in dieser Woche mit.

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