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Warum sich Berlin nicht von Commerzbank-Anteilen trennen will

DIE WELT-Logo DIE WELT 12.10.2017
Vor allem andere europäische Banken würden mit dem Kauf der Commzerbank gerne in den deutschen Markt einsteigen © AFP/Getty Images Vor allem andere europäische Banken würden mit dem Kauf der Commzerbank gerne in den deutschen Markt einsteigen

Obwohl der Aktienkurs der Commerzbank zuletzt stark zugelegt hat, will die Bundesregierung sich nicht von ihren Anteilen trennen. Dabei gibt es gleich mehrere Gründe, warum ein Ausstieg Sinn ergeben würde.

Commerzbanker erinnern sich nur ungern an den Sommer 2013. Damals schlitterte das Institut auf einen tiefen Abgrund zu. Die Bank galt als äußerst angeschlagen, das Management war beunruhigt, der Börsenkurs befand sich im freien Fall. Nur in letzter Minute schaffte die Spitze des Instituts die Trendwende.

Auch für den deutschen Steuerzahler waren das schmerzhafte Monate. Schließlich ist der Bund größter Aktionär der Commerzbank. Zwischenzeitlich schienen rund zwei Milliarden Euro Steuergelder verloren. Umso größer ist nun die Erleichterung, dass sich das deutsche Finanzinstitut weiter erholt und sich der Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt hat.

Nun scheint die Zeit reif für den Ausstieg. Der Steuerzahler will schließlich nicht ewig auf sein Geld warten. Eine dauerhafte Beteiligung des deutschen Staates an einer Bank war nie vorgesehen. Interessenten aus dem Ausland gibt es bereits.

Doch noch hat der Bund offenbar kein Interesse an einem Abschied: "Wir haben definitiv nicht vor zu verkaufen. Der Verlust wäre zu hoch", stellte ein Regierungsvertreter gegenüber der WELT klar. So will der Bund laut Finanzkreisen möglichst einen Erlös von 3,5 Milliarden Euro für die Commerzbank-Anteile erzielen. Das ist zwar weniger, als man dafür bezahlt hat, doch trotzdem ein ambitionierter Preis. Der Aktienkurs müsste dafür um mehr als 50 Prozent in die Höhe springen.

Kaufen könnten Franzosen, Italiener und Spanier

Kritiker fürchten, dass der Staat durch sein Zögern riskiert, dass sich die Verluste in den kommenden Monaten eher vergrößern als verkleinern. Ein Verkauf könnte zudem im Sinne der europäischen Bankenunion sein. Die Gelegenheit dafür ist günstig. Gleich mehrere Konkurrenten zeigen Interesse an der Commerzbank.

Eine Frau nimmt sich am Mittwoch (28.10.2009) nach einer Pressekonferenz der Commerzbank in Frankfurt am Main ein Pfefferminzbonbon mit dem neuen Logo der Bank. Die Commerzbank gibt sich mehr als ein Jahr nach der Übernahme der Dresdner Bank ein neues Logo. Es setzt sich aus den bisherigen Marken beider Institute zusammen. Das grüne Band hat seine Farbe gewechselt und ist Commerzbank-gelb und dreidimensional geworden. Ende August 2008 hatte Deutschlands zweitgrößte Bank die angeschlagene Dresdner Bank übernommen. Foto: Marius Becker dpa/lhe (zu dpa 0421 vom 28.10.2009) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit © picture-alliance/ dpa Eine Frau nimmt sich am Mittwoch (28.10.2009) nach einer Pressekonferenz der Commerzbank in Frankfurt am Main ein Pfefferminzbonbon mit dem neuen Logo der Bank. Die Commerzbank gibt sich mehr als ein Jahr nach der Übernahme der Dresdner Bank ein neues Logo. Es setzt sich aus den bisherigen Marken beider Institute zusammen. Das grüne Band hat seine Farbe gewechselt und ist Commerzbank-gelb und dreidimensional geworden. Ende August 2008 hatte Deutschlands zweitgrößte Bank die angeschlagene Dresdner Bank übernommen. Foto: Marius Becker dpa/lhe (zu dpa 0421 vom 28.10.2009) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Vor allem die Franzosen könnten in den hiesigen Markt einsteigen. So gilt die BNP Paribas als potenzieller Käufer der Frankfurter. Attraktiv ist für das größte Pariser Haus vor allem das Geschäft der Frankfurter mit dem Mittelstand – Motor der erfolgreichen deutschen Wirtschaft. Hier sind die Commerzbanker klar Marktführer. Unterstützung für den Deal kam bereits aus dem Élysée-Palast: Präsident Emmanuel Macron befürwortet eine Expansion der BNP in Deutschland.

Zu Wochenbeginn tauchte dann ein weiterer französischer Interessent auf: die Crédit Agricole. Deren Chef Philippe Brassac ließ verlauten: "Wenn ein so großes Institut wie die Commerzbank tatsächlich zum Verkauf stünde, müssten wir das als eines der bedeutendsten Institute in der Euro-Zone sicher analysieren. Zwar habe Crédit Agricole in seiner Strategieplanung bis 2019 festgelegt, sich auf das organische Wachstum zu konzentrieren. "Aber das heißt nicht, dass wir uns interessante Möglichkeiten nicht anschauen werden."

Gemessen am Börsenwert von 44 Milliarden Euro ist Crédit Agricole etwa halb so groß wie BNP Paribas, aber immer noch größer als die Commerzbank, die derzeit nur mit 14 Milliarden Euro am Markt bewertet wird. Ebenfalls Interesse bekundet haben soll die italienische UniCredit. Sie könnte Synergien zwischen der Commerzbank und ihrer Tochter HypoVereinsbank nutzen.

Der Bund hat ein anderes Interesse

Vor allem andere europäische Banken würden mit dem Kauf der Commzerbank gerne in den deutschen Markt einsteigen © Getty Images Vor allem andere europäische Banken würden mit dem Kauf der Commzerbank gerne in den deutschen Markt einsteigen

In der Vergangenheit ist auch immer wieder die spanische Santander als möglicher Käufer der Commerzbank aufgetaucht. Attraktiv wäre für sie vor allem das Privatkundengeschäft mit etwa 1000 Filialen, das die Spanier technisch auf Vordermann bringen könnten. Santander gilt als besonders effizient und hat zahlreiche Banken gekauft – in Deutschland in den vergangenen Jahren das Privatkundengeschäft der schwedischen SEB sowie die GE Money Bank, einen Ableger des US-Konzerns General Electric.

Vor allem andere europäische Banken würden mit dem Kauf der Commerzbank gerne in den deutschen Markt einsteigen © Getty Images Vor allem andere europäische Banken würden mit dem Kauf der Commerzbank gerne in den deutschen Markt einsteigen

Auch die Schweizer UBS soll sich für die Commerzbank interessiert haben. Sie plante wohl allerdings das Frankfurter Geldhaus zu zerschlagen.

Im vergangenen Jahr gab es zudem Gerüchte, die Deutsche Bank wolle die Commerzbank übernehmen. Doch für einen Zusammenschluss fehlt der Krisen geplagten Bank derzeit die Kraft. Möglicherweise wird er aber von der Regierung favorisiert. Es ist als nicht auszuschließen, dass der Bund darauf setzt, dass es in zwei Jahren zur Verschmelzung der beiden Institute kommen könnte. Dann würde Berlin wohl endlich verkaufen.

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