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Zucker-Farce: Behörde gibt grünes Licht: Fairtrade-Limo darf weiter Limo heißen

Hamburger Morgenpost-Logo Hamburger Morgenpost 11.01.2019 Jürgen Dreves
Der Hamburger Lemonaid-Hersteller hat Zoff mit der Behörde. © Florian Quandt Der Hamburger Lemonaid-Hersteller hat Zoff mit der Behörde.

Diese Abmahnung ist nicht nur dem Hamburger Getränkehersteller Lemonaid sauer aufgestoßen: Das Fachamt für Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt hatte das Unternehmen aufgefordert, seinen Getränken mehr Zucker zuzusetzen. Ansonsten dürften sie nicht mehr unter dem Begriff Limonade verkauft werden.

Behörde lenkt ein

Nach einem allgemeinen Sturm der Entrüstung hat die Behörde nun eingelenkt. „Das Bezirksamt Mitte wird in Absprache mit der Gesundheitsbehörde den „zu niedrigen Zuckergehalt“ im Produkt Lemonaid vorerst nicht beanstanden. Gleichzeitig wird sich Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Leitsätze für Lebensmittel hinsichtlich möglicher gesundheitsschädlicher Mindestgehalte überprüft werden“, heißt es vom Senat.

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Zu wenig Zucker für eine Limo

Die Behördenmitarbeiter hatten genau nachgemessen: Die Sorte Lemonaid-Limette enthält nur sechs Gramm Zucker. Zu wenig, um sich Limonade nennen zu dürfen. Nach den sogenannten Leitsätzen für Erfrischungsgetränke müssen Limonaden einen Gesamtzuckergehalt von mindestens sieben Gewichtsprozent haben.

Umbenennung der Bio-Limonade ist keine Option

Mehr Zucker in Lebensmitteln statt weniger? Gerade hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) ihre „Nationale Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten“ vorgestellt. Danach soll in Getränken der Zuckergehalt in den nächsten Jahren um 15 Prozent reduziert werden.

Dazu hatte Lemonaid-Gründer Felix Langguth gesagt: „Es ist schon ironisch, dass alle davon sprechen, Lebensmittel und Getränke mit weniger Zucker herzustellen, wir das schon tun und nun unserem Produkt mehr Zucker zusetzen sollen, damit wir es weiterhin als Limonade verkaufen dürfen.“

Eine Umbenennung der Bio-Limonade Lemonaid-Limette in „Erfrischungsgetränk“ ist für Lemonaid-Chef Paul Bethke keine Option. „Wir bieten seit fast zehn Jahren Limonade wie hausgemacht an. Wenn die Verbraucher die nicht süß genug finden würden, wäre dies sicher mittlerweile bei uns angekommen. Das Gegenteil ist der Fall. Unsere Kunden freuen sich darüber, endlich Limonade kaufen zu können, die aus frischen Bio-Direktsäften hergestellt ist – und eben nicht aus Zuckersirup mit Wasser.“ Der Limonaden-Gedanke sei „Kern des Produkts und der Marke Lemonaid“. Bethke weiter: „Dass uns der Verbraucherschutz nun auf bedrohliche Weise vorhält, unsere Limonade habe zu wenig Zucker, ist grotesk.“

Bezirksamtssprecherin: „Kann die Aufregung verstehen“

Würde die Richtlinie umgesetzt werden, wären auch andere Geschmacksrichtungen betroffen. Die enthalten zum Teil noch weniger Zucker als Lemonaid-Limette.

Sorina Weiland, Pressesprecherin des zuständigen Bezirksamts Mitte, räumte ein, dass die Abmahnung des Fachamts nicht so richtig in die Zeit passt. „Ich kann die Aufregung verstehen. Aber man sollte doch die Kirche im Dorf lassen: Grundsätzlich sind wir als Behörde natürlich gehalten, entsprechende Verordnungen auch umzusetzen, aber auch diese sind nicht in Stein gemeißelt und gehören von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand“, sagte sie der MOPO.

Lemonaid verwendet für seine Getränke Zutaten aus fairem Handel, fördert damit Sozialprojekte in den Anbauregionen der Rohstoffe. Außerdem gehen fünf Cent von jeder verkauften Flasche als Spende an einen sozialen Zweck.

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