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Arbeitgeber drohen der IG Metall mit Ende der Tarifbindung

WELT-Logo WELT 23.07.2019
Warnstreik in Rostock. Die IG Metall wollte im Juni in der laufenden Tarifrunde den Druck auf das Kfz-Handwerk erhöhen Quelle: pa/dpa/Bernd Wüstneck © pa/dpa/Bernd Wüstneck Warnstreik in Rostock. Die IG Metall wollte im Juni in der laufenden Tarifrunde den Druck auf das Kfz-Handwerk erhöhen Quelle: pa/dpa/Bernd Wüstneck

Zwischen Arbeitgebern und IG Metall bahnt sich ein Grundsatzkonflikt an. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, droht mit einem Ende des Flächentarifvertrags in der Metall- und Elektroindustrie, der seit Jahrzehnten die Arbeitsbedingungen von 1,9 Millionen Beschäftigten regelt.

„Wenn alle Unternehmen die Tarifbindung verlassen, kann die Gewerkschaft zusehen, wie sie sich im Häuserkampf durchschlägt“, sagte Dulger der „Süddeutschen Zeitung“. In der wichtigsten Branche der deutschen Wirtschaft gibt es Klagen, dass die IG Metall viele Betriebe mit zu hohen Löhnen und zu viel Freizeit überfordert.

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Dulger sagte, dies führe zu immer mehr Austritten aus seinem Verband. Von der IG Metall fordert er, dass sogenannte „Tagesstreiks“ künftig nur noch nach einer gescheiterten Schlichtung erlaubt sein dürfen. Bei der Tarifrunde im vergangenen Jahr hätten diese Streiks – die von der Gewerkschaft das erste Mal ausgerufen wurden und jeweils 24 Stunden dauerten – drei Millionen Arbeitsstunden gekostet, „dreimal so viele wie die Jahre davor“. Dagegen könnten sich die Arbeitgeber bisher „gar nicht“ wehren, sagte Dulger.

Warnstreik in Rostock. Die IG Metall wollte im Juni in der laufenden Tarifrunde den Druck auf das Kfz-Handwerk erhöhen © pa/dpa/Bernd Wüstneck Warnstreik in Rostock. Die IG Metall wollte im Juni in der laufenden Tarifrunde den Druck auf das Kfz-Handwerk erhöhen

Der Gewerkschaft warf er vor, mit ihrer Streiktaktik diejenigen Unternehmen zu verprellen, die am Flächentarifvertrag festhalten wollten. „Die IG Metall macht immer in denjenigen Unternehmen am meisten Rabatz, die besonders fest zur Tarifbindung stehen“, sagte Dulger. „Das ist doch vollkommen kontraproduktiv: den besten und treuesten Kunden permanent vor den Kopf zu stoßen.“

Flächentarifverträge sind ein entscheidendes Element der Sozialpartnerschaft in Deutschland. Diese Partnerschaft bedeutet, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter in gemeinsamen Tarifrunden Fragen der Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen sowie zu Löhnen in aller Regel ohne Einmischung staatlicher Stellen aushandeln. In Pilotbezirken getroffene Abmachungen können dann bundesweit für die gesamte Branche übernommen werden. Das führt zu schnelleren Abschlüssen, die im ganzen Land gelten.

Ein Tarifvertrag schafft vor allem durch die von ihm ausgelöste Friedenspflicht Planungssicherheit und Vorhersehbarkeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Er kann branchenspezifische Herausforderungen vielfach besser lösen als pauschale gesetzliche Regelungen. Doch es gibt immer mehr Unternehmen und Branchen, die sich der Tarifbindung entziehen, aus dem Tarifvertrag austreten und mit den jeweiligen Betriebsräten die Bedingungen aushandeln.

Tarifbindung WSI Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) © Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) Tarifbindung WSI Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI)

In der Gesamtwirtschaft ging der Anteil der Beschäftigten in branchentarifgebundenen Betrieben von 1996 bis 2017 in Westdeutschland um 21, in Ostdeutschland um 22 Prozentpunkte zurück. Diese Entwicklung ist weitestgehend auf den Rückgang der Branchentarifbindung in der Privatwirtschaft zurückzuführen, denn die Flächentarifbindung im öffentlichen Sektor ist weitgehend stabil geblieben.

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