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Elektromobilität auf dem Vormarsch: Lohnt sich jetzt der Kauf von Autoaktien?

Wirtschaftswoche-Logo Wirtschaftswoche 11.09.2019 Flocke, Camilla
Mit dem ID.3 steigt Volkswagen voll in die E-Mobilität ein. Lohnen sich jetzt Aktien des Wolfsburger Autobauers umso mehr? © Volkswagen Mit dem ID.3 steigt Volkswagen voll in die E-Mobilität ein. Lohnen sich jetzt Aktien des Wolfsburger Autobauers umso mehr?

Mit einer Elektrooffensive zur IAA versuchen die deutschen Autobauer, die Dieselkrise und die schwierige Lage der Industrie vergessen zu machen. Grund genug, in Autoaktien zu investieren?

Zwei Weltpremieren in kurzer Folge. Erst präsentierte der Autobauer Porsche gleich auf drei Kontinenten seine neue Hoffnung: den Elektrosportwagen Porsche Taycan. Am Montagabend folgte Volkswagen mit seinem ID.3, dem ersten rein als Elektroauto konzipierten Fahrzeug des Konzerns. Nach Käfer und Golf soll es das nächste prägende Modell der VW-Geschichte werden.

Das Imperium schlägt zurück, so scheint es. Die deutsche Branche, die lange so wirkte, als werde sie nur noch von Tesla und anderen Angreifern getrieben, ergreift die Initiative. Mit Macht: Alle deutschen Autobauer wollen mehr Elektromodelle auf den Markt bringen. Darin sind sie sich einig. Weg vom beschädigten Image durch die Dieselkrise und hinein in eine „neue Ära“, hinein in ein „neues Kapitel der Unternehmensgeschichte“.

Autoaktien, kursmäßig ziemlich am Boden, haben in den letzten Tagen schon angezogen. Auf der internationalen Automobilmesse werden sich die Autobauer in den kommenden Tagen erst einmal wieder mit viel Tamtam von ihrer besten Seite zeigen. Doch allein darauf sollte die Entscheidung, ob man in Autoaktien investiert, nicht basieren. Denn zu leicht lässt man sich von den vielen Scheinwerfern blenden.

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Reißt die Elektromobilität die Autobranche aus der Krise?

Zuletzt war die Automobilindustrie jedenfalls mit vielen Problemen konfrontiert. Aufgrund der Dieselkrise gingen hierzulande die Neuzulassungen zurück, und auch in China verkauften die Autobauer weniger Fahrzeuge. Zudem drängen Unternehmen wie Google, Apple oder Uber in den Markt – und auch der Handelskrieg zwischen den USA und China macht das Geschäft nicht einfacher.

All das machte sich bei den Automobilaktien bemerkbar, wie Diego D’Argenio vom Asset Manager Swisscanto Invest in einer Analyse schreibt: „Investoren mieden in jüngerer Vergangenheit dieses Segment, da sich europäische Automobilhersteller sinkenden Verkaufszahlen, abnehmender Profitabilität und steigenden Investitionsausgaben gegenübersahen.“ Letztere seien notwendig, um die Akzeptanz für Elektrofahrzeuge auf dem Markt zu erhöhen.

Elektromobilität ist das prägende Thema der Branche. Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey wollen sämtliche Autobauer – nicht nur die deutschen – bis 2025 mehr als 300 neue batterieelektrische Fahrzeuge auf den Markt bringen. Für das kommende Jahr seien 60 solcher Modelle angekündigt, und bisher hätten die Autobauer mehr als 275 Milliarden Euro in modulare Plattformen und neue Modelle investiert, heißt es in der Studie.

Das passiert nicht ohne Grund. Denn im kommenden Jahr greifen erstmals die von der Europäischen Kommission verbindlich vorgegebenen CO2-Flottengrenzwerte von 95 Gramm pro Kilometer im Durchschnitt. Werden diese überschritten, drohen den Herstellern Strafzahlungen. Im Hinblick auf die gesamte Automobilindustrie meint Analyst D’Argenio: „Aktuell ist die Erwartungshaltung gegenüber Autoherstellern extrem tief, was bedeutet, dass schon eine leichte Aufhellung im chinesischen Automarkt einen signifikanten Schub bei den Aktienkursen auslösen kann.“ Als Gründe für einen Einstieg nennt er etwa die solide finanzielle Lage der Autobauer sowie die hohen Einstiegsbarrieren der Branche.

VW-Aktie bei Analysten hoch im Kurs

Beim Autobauer VW sieht das der Großteil der Analysten ähnlich. Von 33 Analysten empfehlen 27 den Kauf der VW-Aktie, fünf raten zum Halten, einer zum Verkaufen. Marc-René Tonn und Franz Schall von Warburg Research verweisen in ihrer Analyse darauf, dass VW dabei ist, seine Ziele für 2019 zu erreichen, und schreiben außerdem: „Der Wolfsburger Automobilhersteller gehört zu den wenigen Automobilunternehmen, die die Prognosen für das laufende Jahr nicht senken müssen.“ Trotz eines schwächeren makroökonomischen Umfelds und geopolitischen Unsicherheiten wie dem Brexit oder den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China. Nach Ansicht der Analysten werden die neuen Elektrofahrzeuge des Konzerns zudem zum Wachstum beitragen. Das Kursziel liegt bei 210 Euro. Zuletzt notierte die VW-Aktie bei 155,90 Euro. Vor knapp einem Jahr lag der Preis noch bei rund 138 Euro. Seither wechseln sich die Hochs und Tiefs der Aktie ab. Im April erreichte sie ihren Höchststand mit 163 Euro, fiel in den folgenden Wochen aber wieder auf knapp 140 Euro.

Bei den anderen beiden großen deutschen Autobauern BWM und Daimler zögern die Profis noch. Von 35 Analysten empfehlen 17 die BMW-Aktie zu halten, elf raten zum Kaufen. Ähnlich sieht es bei Daimler aus. Bei 15 von 33 Analysten lautet das Fazit „Halten“, zwölf votieren mit „Kaufen.“

Aktien der deutschen Top-Autobauer allesamt günstig

Sven Diermeier von Independent Research verweist in seinem Bericht zu BMW zwar auf Makro-Probleme wie die Handelskonflikte, unsichere Konjunkturaussichten sowie die regulatorischen Herausforderungen, ist aber optimistisch angesichts der „adäquaten Nettoliquidität“ - und verweist darauf, dass der Autobauer den Ausblick für 2019 erneut bestätigte. Die Aktie von BMW notierte zuletzt bei knapp 64 Euro, entwickelte sich im Verlauf des vergangenen Jahres tendenziell negativ. Vor einem Jahr kostete die Aktie noch etwas mehr als 80 Euro. Den Tiefststand von rund 58 Euro verbuchte sie im August. Seitdem geht es aufwärts.

Bei Daimler begründet Diermeier die Empfehlung „Halten“ mit diversen „einerseits-andererseits-Argumenten“: dem geschrumpften finanziellen Polster (negativ), der zukünftigen Holding-Struktur (positiv), dem Einstieg des Pekinger Konzerns Beijing Automotive Group (vielversprechend), den zwei Gewinnwarnungen, Konjunkturrisiken sowie der Diesel-Thematik (alles eher schlecht). Die Daimler-Aktie ist innerhalb eines Jahres von rund 55 Euro auf zuletzt rund 46 Euro gefallen. Nach dem Tief von rund 45 Euro Anfang des Jahres, erreichte die Aktie im April ein zwischenzeitliches Hoch von fast 60 Euro. Doch daraufhin fiel sie bis zu einem Tiefststand von rund 40 Euro im August. Seither klettert die Aktie wieder.

Billig sind alle drei Aktien, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von BMW und Daimler unter sieben und von VW sogar noch unter sechs.

Für eine weitere Zwischenerholung spricht einiges, so die positive Resonanz auf neue Modelle und Schwäche von Wettbewerbern (Tesla). Welche Strategie langfristig aufgeht – die von VW, die voll auf E-Mobilität setzt, oder die von BMW und Daimler, die etwas zurückhaltender sind – ist noch nicht ausgemacht. Aktuell scheinen die Investoren VW-Chef Herbert Diess am meisten zuzutrauen. Solche Trends brechen erfahrungsgemäß nicht so schnell ab – VW scheint deshalb das attraktivste Investment unter den großen Drei, gefolgt von BMW und das – trotz allem – auch noch günstige Daimler.

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